Prozess wegen Missbrauchs‑Livestreams in Ellwangen
- Zu Beginn des Prozesses wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern wurde nur die Anklage verlesen.
- Foto: Tatjana Bojic/dpa
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Ellwangen. Ein Fall von organisiertem Kindesmissbrauch im Internet beschäftigt das Landgericht Ellwangen. Ein 46 Jahre alter Mann aus dem Kreis Heidenheim soll über Chats sexuelle Übergriffe auf Kinder im Ausland angeleitet und live im Internet verfolgt haben.
Die Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe wirft dem Angeklagten unter anderem Anstiftung zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern vor. Nach Angaben des Cybercrime-Zentrums wurden ihm die Taten per Livestream übertragen. Über einen Chat soll er den Ablauf der Übergriffe gesteuert und Anweisungen gegeben haben.
Die Anklage umfasst sechs Fälle. Betroffen waren Kinder im Alter zwischen vier und 13 Jahren. In einem Fall sollen die Übergriffe an einem vierjährigen Mädchen fast eine Stunde gedauert haben. Der Mann wurde im Dezember festgenommen. Für das Verfahren vor dem Landgericht Ellwangen sind zunächst drei Verhandlungstage angesetzt. Sein Verteidiger kündigte an, dass sich der Angeklagte in einer der kommenden Sitzungen äußern will.
Missbrauch per Livestream organisiert
Die Ermittler sprechen von sogenanntem „Live Distant Child Abuse“. Dabei organisieren Mittelsleute gegen Bezahlung den Missbrauch von Kindern vor einer Webcam. Der zahlende Kunde kann die Taten live verfolgen und über einen Chat beeinflussen.
Nach Angaben der Ermittler reichen die aufgezeichneten Handlungen von Posing bis zu schweren sexuellen Übergriffen. Täter, Vermittler und Opfer befinden sich dabei häufig in verschiedenen Ländern.
Internationale Ermittlungen führten zur Festnahme
Der Fall wurde mit Hilfe der US-Behörde Homeland Security aufgedeckt. Zuvor hatten Ermittler ein pädokriminelles Netzwerk auf den Philippinen zerschlagen. Dabei stießen sie auf Hinweise, die zu dem Mann aus Baden-Württemberg führten.
Internationale Kooperationen spielen bei solchen Verfahren eine zentrale Rolle. Ermittler werten Bilder, Chatprotokolle und technische Spuren aus, um Täter zu identifizieren und Netzwerke aufzudecken. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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