Neue Spur im Wehratal: Suchhunde schlagen an
- Ein Suchplakat hängt weiter an dem Supermarkt in Todtmoos, bei dem Scarlett zum letzten Mal gesehen wurde.
- Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
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Wehratal. Für Menschen in Südbaden bleibt der Vermisstenfall Scarlett Salice auch nach sechs Jahren offen: Im Wehratal gibt es nach einer privaten Suchaktion neue Hinweise, die nun von der Polizei bewertet werden sollen.
Mit einem Dutzend Spürhunden suchte der Verein „Finderwille“ am 12. und 13. September auf der letzten bekannten Etappe der jungen Frau zwischen Todtmoos und Wehr. Unterstützt wurde die Aktion von Mitgliedern der Facebook-Gruppe „Bitte findet Scarlett“ sowie von Scarletts Vater Ralf Salice.
Suchhunde zeigen am Wildenstein auffälliges Verhalten
Die Hunde nahmen nach Angaben des Vereins die Witterung anhand von drei Paar Schuhen auf, die Scarlett Salices Vater über Jahre aufbewahrt hatte. Im Bereich des Wildensteinfelsens abseits des Steigs im Wehratal hätten die Tiere unabhängig voneinander mehrfach angeschlagen, sagte Vereinsgründer Rüdiger Orth.
Die Hunde hätten jeweils vor und hinter dem Felsen reagiert. Danach habe sich ihr Verhalten deutlich verändert. „Als wir am Felsen vorbei waren, schlugen die Hunde nicht mehr an und fingen an zu spielen“, sagte Orth. Zuvor hatte die „Badische Zeitung“ über die Suche berichtet.
Theorie der Helfer: Absturz nahe der Gipfelkreuze
Orth hält es für möglich, dass Scarlett Salice während ihrer Wanderung einen Abstecher zu den Gipfelkreuzen auf dem Wildensteinfelsen gemacht haben könnte. Der Ort sei damals ein beliebter Platz für Fotos gewesen. Scarlett habe sich gerne an Felsvorsprüngen fotografiert, sagte Orth.
Nach seiner Einschätzung könnte die damals 26-Jährige dort abgestürzt sein. Er verweist auch auf einen Felssturz vor vier Jahren. Seitdem sei der Weg zu den Gipfelkreuzen nur noch mit Kletterausrüstung passierbar. Dadurch hätten mögliche Zufallsfunde in dem schwer zugänglichen Gelände ausbleiben können.
Auch Ralf Salice war bei der Suche dabei. Er sagte, es gebe an dem Felsen zumindest theoretisch die Möglichkeit, abzustürzen, wenn man an den Rand komme.
Letzte Spur: Supermarkt in Todtmoos
Scarlett Salice wurde zuletzt am 10. September auf Überwachungsaufnahmen eines Supermarkts in Todtmoos gesehen. Bis 10.48 Uhr gab es noch Kontakt über WhatsApp und Videotelefonie. Danach war sie nicht mehr erreichbar.
Wichtige Punkte zum Fall:
- Scarlett Salice stammt aus Bad Lippspringe.
- Sie verschwand auf der letzten Etappe ihrer Wanderung im Südschwarzwald.
- Polizei, Bergwacht, Feuerwehr, Hubschrauber, Drohnen und Hundestaffeln suchten großflächig.
- Auch „Aktenzeichen XY... ungelöst“ berichtete über den Vermisstenfall.
Polizei prüft Hinweise, bleibt aber skeptisch
Das Todesermittlungsverfahren wurde zweieinhalb Jahre nach dem Verschwinden eingestellt. Nach Angaben der Polizei gibt es keine Hinweise auf eine Straftat. Der Vermisstenfall bleibt aber offen.
Beim Polizeipräsidium Freiburg gehen nach Angaben eines Sprechers weiterhin monatlich im Schnitt drei bis vier neue Hinweise ein. Insgesamt sind es inzwischen mehr als 640. Die neuen Informationen des Vereins sollen nun bewertet werden. Polizeisprecher Christoph Efinger sagte zugleich, man sei „wirklich skeptisch“. Seit dem Verschwinden sei sehr viel Zeit vergangen.
Die Bergwacht hält sich ebenfalls zurück. Geschäftsführer Philipp Menny sagte, es gebe zum aktuellen Zeitpunkt keinen offiziellen Auftrag. An einer erneuten Suchaktion sei die Bergwacht deshalb nicht beteiligt.
Verein will die Suche fortsetzen
Der Verein „Finderwille“ und die beteiligten Helfer wollen den Bereich dennoch weiter prüfen. Orth sagte, man versuche, einen sicheren Weg hinauf zu finden, zunächst ohne Hunde. Der Felsen soll abgesucht werden, sobald ein sicherer Aufstieg möglich ist.
Ralf Salice beschreibt die Lage als Hoffnung und Bangen zugleich. Sollte wieder nichts gefunden werden, bleibe für ihn dennoch der Versuch wichtig. Die Polizei prüft die Informationen nun, der Vermisstenfall bleibt offen. dpa/red
Autor:Sarah Isele aus Mannheim-Nord |