Angriff auf Rüstungsfirma: Prozess gegen fünf Angeklagte startet heute
- Nach einem Angriff auf eine israelische Rüstungsfirma in Ulm gibt es jetzt Anklagen. (Foto-Archiv)
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Stuttgart Stammheim. Nach dem spektakulären Angriff auf ein Rüstungsunternehmen in Ulm müssen sich fünf mutmaßliche Beteiligte seit dem heutigen Montag, 27. April, vor Gericht verantworten.
Der Prozess beginnt um 9 Uhr im streng gesicherten Justizgebäude in Stuttgart Stammheim. Die Tat hatte im September große Aufmerksamkeit ausgelöst. Nach Angaben des Landgerichts sollen die Beschuldigten in der Nacht zum 8. September in das Firmengebäude eingedrungen sein und dort Inventar in hohem Wert zerstört haben.
Angeklagt sind drei Frauen und zwei Männer im Alter zwischen 25 und 40 Jahren mit irischer, britischer, spanischer und deutscher Staatsangehörigkeit. Ihnen werden Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch sowie das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen vorgeworfen.
Gruppe „Palestine Action Germany“ im Fokus
Nach Darstellung der Ermittler sollen die Angeklagten der Organisation „Palestine Action Germany“ angehören. Gemeinsam mit weiteren bislang unbekannten Beteiligten sollen sie den Angriff auf die deutsche Tochter des israelischen Rüstungskonzerns Elbit Systems geplant und ausgeführt haben.
Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Ulm und entwickelt dort militärische Kommunikationstechnik.
Einbruch über Seitenfenster
Laut Anklage verschafften sich die Täter über ein Seitenfenster Zugang zu den Büroräumen. Mit Werkzeugen zerstörten sie unter anderem:
- Computer und Bildschirme
- Telefone
- Sanitäreinrichtungen
- Fenster und Labortechnik
Auch in einem technischen Labor sollen sensible Messgeräte und elektronische Anlagen beschädigt worden sein.
Schaden von rund einer Million Euro
Zeitgleich sollen weitere Beteiligte im Außenbereich Glasflächen und Teile der Fassade mit Werkzeugen beschädigt und rote Farbe aufgetragen haben. Der entstandene Schaden wird auf etwa eine Million Euro geschätzt.
Die fünf Verdächtigen wurden noch am Tatort festgenommen. Sie leisteten keinen Widerstand und befinden sich seitdem in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Ermittler hatten sie zudem Bekennervideos für soziale Netzwerke produziert.
Das Staatsschutzzentrum bei der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart übernahm die Ermittlungen. Die Spezialabteilung befasst sich mit besonders bedeutenden Verfahren, bei denen eine extremistische oder terroristische Motivation vermutet wird.
Hintergrund zur Organisation
Die Aktivistengruppe „Palestine Action“ wurde im Juli in England verboten. Zuvor waren Aktivisten auf einen Luftwaffenstützpunkt eingedrungen und hatten Flugzeuge der Royal Air Force mit Farbe besprüht.
Auch in Deutschland fiel die Gruppierung mehrfach durch Protestaktionen, Besetzungen und Vandalismus auf. Besonders Standorte des Rüstungskonzerns Elbit Systems waren wiederholt Ziel von Demonstrationen.
Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober gab es bis Ende des vergangenen Jahres mehr als 2000 Demonstrationen zum Nahostkonflikt in Baden Württemberg. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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