WDR Europaforum: Joschka Fischer warnt vor Nationalismus
- Joschka Fischer: Beim WDR Europaforum 2026 spricht er in Berlin über Europas Zukunft und die Rolle Europas in Krisenzeiten.
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WDR Europaforum. Joschka Fischer hat in Berlin einen klaren Appell für die europäische Idee formuliert. Beim Auftritt auf der re:publica sagte der ehemalige Außenminister, er halte „an der Idee Europa dickschädelig fest. Die Alternative ist Nationalismus – wohin der führt, haben wir erlebt”, und warnte vor Folgen für die junge Generation.
Im Gespräch mit ARD-Moderator Louis Klamroth, bekannt aus der Talkshow hart aber fair, ging es auch um Fehler in der Russland-Politik der rot-grünen Bundesregierung unter Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder. Fischer räumte ein: „Der Fehler, der gemacht wurde: Wir haben zu wenig auf die Osteuropäer, auf die Ukrainer, auf die Balten gehört: Da wurde mit einer gewissen Arroganz drüber hinweggegangen.”
WDR Europaforum: Fischers Blick auf Europas Rolle
Mit Blick auf den Ukraine-Krieg sprach Fischer auch über die US-Rolle und nannte dabei Donald Trump. „Ich würde mir eine deutlich aktivere Rolle der Europäer wünschen – aber ohne Illusionen”, sagte er, und kritisierte, Europa sei „nicht stark genug, nicht einig genug”. Außerdem griff Fischer Drohungen von Trump gegen den Iran auf und verwies auf die Dimension eines möglichen Nuklearkriegs. Er betonte, es hätte deutlicher klargestellt werden müssen, dass eine „Auslöschung einer Zivilisation“ inakzeptabel sei.
„Suche nach dem Silberstreif“: Euro, Recht, Verteidigung
Der Programmpunkt mit Fischer und Klamroth trug den Titel „Suche nach dem Silberstreif – Europa und die Polykrise”. Auf die Frage nach dem „Silberstreif“ antwortete Fischer mit einem Blick auf konkrete Errungenschaften: „Wo wären wir heute ohne den Euro? Wo wären wir ohne gemeinsames Recht? Wo wären wir, wenn wir nicht in eine gemeinsame Verteidigungsunion gehen würden?”
Das gesamte Interview mit Fischer steht in der ARD Mediathek. Das 28. Internationale WDR Europaforum lief vom 18. bis 20. Mai unter dem Motto „Hard Times, Soft Power – Europas Rolle in der Weltunordnung“ und kam unter anderem von der re:publica in Berlin sowie aus Brüssel und Straßburg. [red]
Autor:Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern |