Protest am Hockenheimring: „Forever Young“ wird Festival-Hit
- Insgesamt wurden 250.000 Menschen beim Festival erwartet.
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Hockenheim. Musikfans bekamen am Hockenheimring nicht nur Popshows, sondern ungewöhnlich viele politische Botschaften zu hören. Nach der Ausladung und späteren Wiedereinladung von Alphaville wurde das Glücksgefühle-Festival für viele Künstler zur Bühne gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Sexismus.
Die Veranstalter hatten sich nach eigenen Angaben ein Festival unter dem Motto „Good Vibes Only“ ohne politische Statements gewünscht. Die Debatte um Alphaville bewirkte jedoch das Gegenteil. Mehrere Acts griffen den Streit auf und setzten vor großem Publikum Zeichen für Vielfalt und Demokratie. Die Berliner Band Culcha Candela sprach vom „politischsten Festival Deutschlands“.
So reagierten die Künstler
DJ Felix Jaehn begrüßte das Publikum mit den Worten „Willkommen auf der politischen Veranstaltung“ und spielte unter anderem einen Anti-AfD-Song. Die No Angels trugen T-Shirts mit der Aufschrift „FCK AFD“ und warben dafür, Wahlentscheidungen genau zu prüfen. Die AfD wird in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft.
Auch Sänger Zartmann nutzte seinen Auftritt für klare Worte gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Sexismus. Er kündigte an, sein Leben lang den Mund aufzumachen, „egal wo, egal wann, egal wie viele was dagegen haben“. Rapperin Nura sagte später, wer sie buche, bekomme „auf jeden Fall keine unpolitische Show“.
Warum Alphaville nicht auftrat
Alphaville, bekannt durch „Big in Japan“ und „Forever Young“, sollte bei dem Festival auftreten. Die Organisatoren hatten die Band zunächst ausgeladen, weil sie sich bei einer früheren Veranstaltung mehrfach politisch geäußert hatte. Später entschuldigten sie sich und luden Alphaville wieder ein. Die Band nahm die Entschuldigung an, verzichtete aber auf den Auftritt.
Mitveranstalter Markus Krampe nannte die Entscheidung „superdämlich“. Er sagte zugleich, er hätte einen Auftritt nach der Wiedereinladung begrüßt, weil man dann gemeinsam ein Zeichen hätte setzen können. Mitorganisator Lukas Podolski stellte sich trotz der Kontroverse hinter Krampe und sprach von einem Fehler, der passieren könne.
Alphaville-Sänger warnt vor Rechtsruck
Sänger Marian Gold kritisierte die ursprüngliche Entscheidung scharf. „Was die Festivalmacher durchsetzen wollten, ist Beschneidung“, sagte der 72-Jährige dem „Spiegel“. Veranstalter könnten nicht einfach Dinge ausblenden, weil ihnen Positionen eines Künstlers nicht passten.
Gold warnte vor rechtsradikalen Tendenzen in Deutschland. Es sei höchste Zeit, demokratiefeindlichen und rechtsradikalen Bewegungen entschieden entgegenzutreten. Wenn solche Kräfte durch Wahlen in Ämter gelangten und Grundrechte einschränken könnten, dann heiße es „gute Nacht, Deutschland“, sagte er.
Publikum bleibt geteilter Meinung
Unter den Besuchern gingen die Einschätzungen auseinander. Eine 29-Jährige nannte es richtig und wichtig, dass Künstler auf der Bühne Haltung zeigten. Ein 23-Jähriger sagte dagegen, politische Äußerungen hätten auf Musikfestivals eher weniger zu suchen. Eine 31-Jährige hielt dagegen, Musik sei immer politisch, besonders wenn es gegen Rechts gehe.
„Forever Young“ wird zum Symbol
Der Alphaville-Hit erlebte durch den Streit ein Comeback auf dem Hockenheimring. Tom Gregory eröffnete sein Set mit „Forever Young“, Max Giesinger nahm den Song in seinen letzten Auftritt vor einer angekündigten längeren Pause auf, Nura spielte ihn an. Bereits am 3. September hatte DJ Alle Farben den Song beim Vor-Auftakt genutzt.
Den größten Moment lieferte David Guetta am Abend des 5. September: Der französische Star-DJ baute „Forever Young“ in sein Set ein, rund 100.000 Fans sangen mit. Mark Forster nannte den Titel die „Nationalhymne Hockenheims“. Insgesamt kamen nach Angaben der Veranstalter rund 250.000 Menschen zur vierten Auflage des Festivals. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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