Frühere Lese im Südwesten: Hitze hilft Wein, birgt aber Risiken
- Unterm Strich profitiert der Wein noch von der Klimaerwärmung in Deutschland. (Symbolbild)
- Foto: Uwe Anspach/dpa
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Rheinland-Pfalz. Die anhaltende Hitze bringt vielen Weingütern im Südwesten derzeit gesunde Trauben und oft bessere Qualitäten, sie erhöht aber auch den Druck durch Trockenheit und zu schnelle Reife.
Nach Einschätzung des Deutschen Weininstituts überwiegen in Deutschland bislang noch die Vorteile der Klimaerwärmung für den Weinbau. Sprecher Ernst Büscher sagt, die Trauben erreichten heute deutlich höhere Reifegrade als früher. Das habe die Weinqualität insgesamt verbessert. Vor allem Rotweine hätten durch mehr Farbintensität und bessere Reife einen spürbaren Qualitätsschub erhalten.
Winzer hoffen jetzt auf Landregen
Reben kommen nach Angaben des DWI wegen ihres mediterranen Ursprungs grundsätzlich besser mit Hitze zurecht als viele andere Kulturpflanzen. Ältere Stöcke wurzeln tief und haben sich an trockene Jahre angepasst. Für die Zeit bis zum Beginn der Hauptlese in rund drei Wochen wäre flächendeckender Regen dennoch hilfreich.
Zu große Regenmengen in kurzer Zeit wären aus Sicht des Experten problematisch. Dann könnten sich die Beeren rasch mit Wasser füllen und aufplatzen. Die Folge wäre eine frühe Lese, noch bevor der optimale Erntezeitpunkt erreicht ist. Für die Ausreifung aromatischer Trauben gelten Temperaturen von 20 bis 25 Grad und kühle Nächte als ideal.
Jahrgang mit guten Voraussetzungen
Die Trauben seien wegen der trockenen Witterung in diesem Jahr bislang sehr gesund. Echter und falscher Mehltau spielten derzeit kaum eine Rolle. Damit sind nach Einschätzung des DWI wichtige Voraussetzungen für einen fruchtigen Jahrgang gegeben. Bis zur Lese könne sich die Lage aber noch verändern.
Riesling leidet besonders unter zu viel Wärme
In sehr heißen Jahren kann die Erwärmung dem Weinbau auch schaden. Vor allem Weißweine wie Riesling verlieren dann leichter ihre typische Frische. Winzer versuchen deshalb, die Reife zu bremsen.
- Laubwände werden teils kürzer gehalten, damit weniger Blätter Zucker für die Trauben bilden
- Bäume zwischen Rebzeilen können zusätzlichen Schatten spenden
- Bei jungen Reben helfen Bewässerung und das Entfernen unreifer Trauben, der Aufwand ist aber hoch
Lesebeginn rückt weiter nach vorn
Der erste Federweiße soll bereits am Sonntag, 9. August, geerntet werden. Noch etwas früher begann die Lese in den Jahren 2018 und 2020.
Junge Reben leiden besonders unter Trockenheit, weil ihr Wurzelsystem noch nicht so weit ausgebildet ist. Aber auch ältere Weinberge auf leichten Böden mit geringer Wasserspeicherkraft zeigen laut DWI zunehmend Trockenstress. Typische Anzeichen sind schlaff hängende oder vergilbte Blätter.
Weinbau reicht inzwischen bis in den Norden
Der Temperaturanstieg hat den Weinbau auch in nördlicheren Teilen Deutschlands ausgeweitet. Seit der Liberalisierung neuer Pflanzungen in der EU im Jahr 2016 wurden laut DWI auch in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Schleswig-Holstein neue Rebflächen genehmigt. Bis 2026 summierte sich das auf rund 250 Hektar. Qualitätswein darf dort daraus bislang noch nicht erzeugt werden. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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