Croupier-EM in Baden-Baden: Heimfavorit greift nach Top Drei
- Temin Joguncic muss die Jury für sich gewinnen.
- Foto: Uli Deck/dpa
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Baden-Baden. Präzision, Kopfrechnen und Menschenkenntnis entscheiden derzeit im Casino Baden-Baden über den Titel bei der Europameisterschaft der Croupiers. Für Besucher eröffnet das Turnier einen seltenen Blick hinter die Kulissen eines Berufs, der weit mehr verlangt als das Austeilen von Karten.
Bei der European Dealer Championship treten 31 Teilnehmer aus 17 Ländern gegeneinander an. Unter ihnen ist auch Temin Joguncic, der im Casino Baden-Baden arbeitet und bereits dreimal deutscher Meister geworden ist. Der 27-Jährige kennt die Spieltische im Kurhaus genau. Trotzdem ist der Wettbewerb für ihn eine besondere Situation.
„Ich merke schon, dass ich nervös bin“, sagt Joguncic. Familie, Freunde und Kollegen verfolgen das Heimspiel im Saal. Jedes zusätzliche Augenpaar erhöhe die Anspannung.
Mehr als Karten geben und Chips zählen
Die Teilnehmer müssen in den Disziplinen Roulette und Black Jack antreten. Dabei bewertet die Jury nicht nur technisches Können. Auch Auftreten, Kommunikation und Aufmerksamkeit gegenüber den Spielern fließen in die Wertung ein.
Zu den Kriterien gehören unter anderem
- freundlicher und professioneller Umgang mit Gästen
- aufmerksamer Blickkontakt und passende Körpersprache
- Erkennen ungewöhnlicher Einsatzmuster am Tisch
- korrekter Umgang mit Chips und Geld
Zusätzlich gibt es sogenannte Side Events. Dabei müssen Dealer etwa Chips besonders schnell sortieren oder Auszahlungen im Kopf berechnen.
In einer dieser Zusatzdisziplinen wurde Joguncic bereits ausgezeichnet. Bei der EM erhielt er den Titel Best Mathematician für besonders schnelles und präzises Kopfrechnen.
„Den Tisch lesen“ als wichtigste Fähigkeit
Zum Job kam der gebürtige Baden-Badener eher zufällig. Mit 19 begann er als Aushilfe im Casino und wollte ursprünglich nur Geld für das Studium verdienen. Schon im ersten Semester merkte er jedoch, dass ihn der Beruf stärker reizte als das Studium.
Heute sieht er Croupiers als Mischung aus Gastgeber, Entertainer und Dienstleister. Entscheidend sei die Fähigkeit, die Stimmung am Tisch zu verstehen. „Man muss den Tisch lesen“, sagt Joguncic. Manche Gäste mögen lockere Gespräche. Andere bleiben lieber ruhig.
Neben dem Spielbetrieb gehört auch Verantwortung dazu. Croupiers können auffälliges Spielverhalten erkennen und Hinweise auf mögliche Spielsucht weitergeben. Fachstellen übernehmen dann die weitere Beratung.
Experten für Suchtprävention betonen, dass Dealer eine wichtige Rolle im Spielerschutz haben. Sie seien am nächsten am Geschehen und könnten früh reagieren.
Erfolge stärken Ruf der Spielbanken
Für die Betreiber der Spielbanken sind gute Platzierungen bei internationalen Wettbewerben ein wichtiges Signal. Sie stünden für Professionalität und Qualität im europäischen Vergleich.
Für Joguncic selbst zählt vor allem die Chance auf eine Topplatzierung. Nach einem vierten Platz im Vorjahr hofft er diesmal auf einen Podestplatz. „Das wäre natürlich ein Traum“, sagt er.
Am Ende der Runde bleibt er trotz Wettkampfcharakter locker. Mit einem Lächeln sagt er zu einem Juror am Tisch. „Wenn Sie jetzt mehr haben als am Anfang, bin ich zufrieden.“ dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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