Alphaville ausgeladen: Warum das Glücksgefühle-Festival jetzt in der Kritik steht
- Alphaville darf nicht beim Glücksgefühle-Festival auftreten. (Archivbild)
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Hockenheim. Festivalbesucher am Hockenheimring müssen sich auf ein verändertes Programm einstellen: Der für Freitag, 4. September, geplante Auftritt von Alphaville beim Glücksgefühle-Festival ist abgesagt. Nach der Ausladung der Band, die mit „Forever Young“ bekannt wurde, wächst die Kritik an den Veranstaltern.
Die Organisatoren hatten erklärt, man habe sich mit Alphaville nicht darauf einigen können, „politische Äußerungen auf unserer Bühne zu unterlassen“. Nach Angaben von Bandmanager Christian Mielke geht es um Aussagen gegen rechts und für Demokratie.
Campino kritisiert Entscheidung deutlich
Rückendeckung bekam Alphaville unter anderem von Campino. Der Frontmann der Toten Hosen sagte am 2. September bei einem Konzert in Münster, er finde es „extrem fragwürdig“ und „absurd“, jemanden auszuladen, der sich gegen die AfD oder gegen Trump äußere. Es gehe um jemanden, „der stabil ist für die Demokratie“. Campino sagte weiter: „Ich finde, da ist eine neue Grenze überschritten und eingerissen.“
Auch Mateo von Culcha Candela äußerte deutliche Kritik. Die Band soll am Samstag, 5. September, beim Glücksgefühle-Festival auftreten. Mateo sprach von einem komplizierten Verhältnis zur Demokratie und sagte, Culcha Candela sage bei jedem Auftritt, was sie von der AfD halte. Falls die Band nicht ebenfalls ausgeladen werde, wolle sie das auch auf dieser Bühne sagen, „lauter denn je“.
SPD-Landeschef ruft zu Protest auf
Robin Mesarosch, Co-Vorsitzender der SPD in Baden-Württemberg, bezeichnete die Begründung der Veranstalter in einem Instagram-Video als widersprüchlich. Niemand könne „nicht-politisch“ sein, sagte er. Mesarosch verwies auf Sänger Andreas Gabalier, der ebenfalls beim Festival auftreten soll. Auch dessen Lieder seien politisch, etwa wenn es um Kameradschaft und Eiserne Kreuze gehe.
Mesarosch sagte, es sei nicht allein Aufgabe eines Festivalveranstalters, die AfD aufzuhalten. Zugleich könne niemand so tun, als finde ein Festival in einem unpolitischen Raum statt. Er rief Menschen dazu auf, den Veranstaltern ihre Meinung zur Entscheidung mitzuteilen. Diese Bitte richtete er auch an Bands, die in den nächsten Tagen am Hockenheimring auftreten.
Veranstalter verweisen auf Besucherreaktionen
Das Glücksgefühle-Festival begründete seine Linie auf Instagram mit Kritik nach einem früheren Alphaville-Auftritt. Nach politischen Äußerungen habe es Unmut bei einigen Konzertbesuchern gegeben. In zahlreichen Nachrichten sei man gebeten worden, als Veranstalter dafür zu sorgen, dass Künstler sich auf ihre Musik fokussierten.
Den Organisatoren zufolge geht es nicht um die politische Haltung von Marian Gold oder Alphaville. Man wolle auch niemandem seine persönliche Meinung absprechen. Es gehe ausschließlich darum, welchen Rahmen man für die eigenen Veranstaltungen und Bühnen setze. Das Versprechen an die Besucher laute: „GOOD VIBES ONLY“.
Das Festival läuft noch bis Sonntag, 6. September. Organisiert wird es von Ex-Fußballnationalspieler Lukas Podolski und Veranstalter Markus Krampe. Auf dpa-Nachfragen unter anderem dazu, ob auch mit anderen Künstlern wegen politischer Äußerungen gesprochen wurde, ob weitere Auftritte abgesagt werden oder ob Besucher nach der Absage Tickets zurückgeben können, reagierten die Veranstalter zunächst nicht.
Alphaville-Sänger spricht von „Maulkorberlass“
Alphaville-Sänger Marian Gold hatte die Absage in sozialen Netzwerken öffentlich gemacht. Die Begründung gleiche aus Sicht der Band einem „Maulkorberlass“, schrieb der 72-Jährige. Eine solche Einschränkung der Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit auf einem großen Popfestival empfinde die Band als „absolut untragbar und erschütternd“.
Gold hatte sich bei Konzerten in der Ansage zum Song „Carry Your Flag“ gegen rechtsradikale Tendenzen und für Freiheit, Toleranz und Demokratie ausgesprochen. Das habe zu Diskussionen mit den Veranstaltern geführt, sagte Bandmanager Mielke der dpa.
Die Veranstalter erklärten der dpa, das Verhalten von Alphaville und Marian Gold sei inakzeptabel. Man lasse sich nicht in eine politische Ecke drängen und werde sich mit allen Mitteln wehren. Das Festival sei komplett unpolitisch. Das gelte unabhängig davon, in welche politische Richtung eine Äußerung gehe. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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