Absage am Hockenheimring: Alphaville tritt nicht auf
- Alphaville wird nicht beim Glücksgefühle-Festival auftreten. (Archivbild)
- Foto: Jens Kalaene/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Hockenheim. Besucher des Glücksgefühle-Festivals müssen endgültig ohne Alphaville planen: Die Band wird am Hockenheimring trotz Entschuldigung und Wiedereinladung nicht auftreten.
Sänger Marian Gold teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, Alphaville nehme die Entschuldigung und Wiedereinladung von Veranstalter Markus Krampe zur Kenntnis. Die vorherigen Äußerungen hätten aber „eine Atmosphäre geschaffen, in der wir von einem Auftritt absehen“. Die Gage des geplatzten Auftritts soll nach Angaben der Band an eine gemeinnützige Organisation gespendet werden.
Für Festivalgäste bedeutet die Entscheidung vor allem Planungssicherheit: Der Auftritt von Alphaville fällt aus. Ob es dafür Änderungen im Programm gibt, war zunächst nicht bekannt. Das Festival am Hockenheimring läuft bis Sonntag, 6. September.
Veranstalter hatte sich entschuldigt
Nach Kritik an der Ausladung hatten die Veranstalter ihre Entscheidung zurückgenommen. Markus Krampe, der das Festival mit Ex-Fußballnationalspieler Lukas Podolski organisiert, sagte der „Bild“: „Wie wir gehandelt haben, war in der Tat ein Fehler. Das tut mir leid.“ Alphaville sei eingeladen worden, wie geplant Teil des Festivals zu sein.
Auch Podolski schrieb auf Instagram, er finde es gut, dass Krampe die Entscheidung noch einmal überdacht und klar gesagt habe, dass sie ein Fehler gewesen sei. Die Band sei herzlich willkommen auf dem Festival.
Streit um politische Aussagen auf der Bühne
Ausgangspunkt der Debatte war ein Beitrag von Marian Gold in sozialen Netzwerken. Der 72-Jährige sprach darin von einem „Maulkorberlass“. Die Veranstalter hatten zuvor unter anderem erklärt, man habe sich mit der Band nicht darauf einigen können, „politische Äußerungen auf unserer Bühne zu unterlassen“.
Nach Darstellung des Bandmanagers ging es um Aussagen gegen rechts und für Demokratie. Gold hatte sich bei Konzerten in der Ansage zum Song „Carry Your Flag“ gegen rechtsradikale Tendenzen und für Freiheit, Toleranz und Demokratie ausgesprochen.
Die Veranstalter erklärten zunächst, das Verhalten von Alphaville und Marian Gold sei „inakzeptabel“. Das Festival sei komplett unpolitisch. Dies gelte unabhängig davon, „in welche politische Richtung eine Äußerung geht“.
Kritik von Musikern und Politik
Die Ausladung löste deutliche Kritik aus. Campino, Frontmann der Toten Hosen, sagte am 2. September bei einem Konzert in Münster, es sei „extrem fragwürdig“ und „absurd“, jemanden auszuladen, der sich gegen die AfD oder Donald Trump äußere. Er sprach von einer neuen Grenze, die überschritten worden sei.
Auch Mateo von Culcha Candela kritisierte die Entscheidung. Die Band soll am Samstag, 5. September, beim Glücksgefühle-Festival auftreten. Mateo kündigte an, Culcha Candela werde auch dort sagen, was die Band von der AfD halte.
Der Co-Vorsitzende der baden-württembergischen SPD, Robin Mesarosch, kritisierte ebenfalls die Haltung der Veranstalter. Man könne nicht so tun, „als wäre man in einem unpolitischen Fantasieraum“. Er rief Menschen und Bands dazu auf, ihre Kritik an die Veranstalter zu richten.
Was der Veranstalter zur Ausladung sagte
Das Festival hatte auf Instagram erklärt, nach einem anderen Auftritt von Alphaville mit politischen Äußerungen habe es Unmut bei einigen Besucherinnen und Besuchern gegeben. In zahlreichen Nachrichten sei man gebeten worden, dafür zu sorgen, dass Künstler sich auf ihre Musik fokussieren.
Es gehe nicht darum, Marian Gold oder Alphaville eine persönliche Meinung abzusprechen, erklärten die Veranstalter. Vielmehr gehe es um den Rahmen, den man für die eigenen Bühnen setze, und um das Versprechen an die Besucher: „GOOD VIBES ONLY“.
Auf Nachfragen der dpa zu möglichen weiteren Folgen reagierten die Veranstalter bis zum Nachmittag des 3. September zunächst nicht. Offen blieb damit auch, ob mit weiteren Künstlern über politische Äußerungen gesprochen wurde, ob es weitere Absagen gibt oder ob Besucher Tickets wegen der Absage zurückgeben können. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |