Der Vorsitzende des MSC Rülzheim äußert sich zu Motorrad-Fahrverboten
"Käme einer Enteignung gleich"

Symbolbild Motorrad

Rülzheim/Region. Motorradfahrer und ihre Maschinen schaffen es derzeit kaum aus den Schlagzeilen – Lärmbelästigung und damit verbunden die Forderung nach Fahrverboten sind der Grund dafür. Kurz gesagt: Der Bundesrat will, dass Motorräder weniger Lärm verursachen. Erlaubte Geräuschemissionen aller Neufahrzeuge sollen auf einen Maximalwert von 80 Dezibel begrenzt werden – dies entspricht der Lautstärke eines Rasenmähers oder eines Lkws. Außerdem möchte der Bundesrat weiter, dass Fahrzeuge bei "gravierender Lärmüberschreitung" sofort durch die Polizei sichergestellt werden dürfen. Auch Tuning soll härter bestraft werden, wenn das Motorrad dadurch erheblich lauter wird. Das Sound-Design, über das ein Fahrer die Geräuschkulisse seines Fahrzeugs selbst beeinflussen kann, soll ebenfalls verboten werden.
Einige Bundesländer wollen zudem Motorrad-Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen ermöglichen. Die Entschließung des Bundesrats geht nun an die Bundesregierung. Auch Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg unterstützen diese Bundesratsinitiative. Allerdings hat sich etwa der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Volker Wissing bereits mehrfach gegen generelle Fahrverbote ausgesprochen, jedoch fordert auch er klare Grenzen für all jene, die unnötig viel Lärm produzieren. Städte, Kommunen und Landkreise haben sich mit ihren Forderungen zur „Initiative Motorradlärm“ zusammengeschlossen, gleichzeitig sammeln Motorradfahrer, Vereine und Verbände in Online-Petitionen Stimmen gegen Einschränkungen und Fahrverbote, versammeln sich bundesweit zu Protesten. Auch der ADAC etwa spricht sich gegen ein generelles Fahrverbot aus. ADAC Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand äußert in einer Stellungnahme: "Nach unseren Kenntnissen ist die überwiegende Mehrheit der Motorradfahrer ordnungsgemäß unterwegs. Aufgrund einiger weniger 'schwarzer Schafe' Kollektivstrafen zu verhängen, (...) ist nicht angemessen." Streckensperrungen - wie etwa im Nachbarland Österreich - werden von den Meisten als wenig zielführend erachtet - sie verlagern das Lärmproblem letztlich nur.
Und gerade ein Wochenend-Fahrverbot träfe die Hobby-Fahrer besonders hart, denn viele machen ihre Ausfahrten eben gerade dann, wenn sie nicht - wie zumeist bei Berufstätigen unter der Woche - mit dem Pkw unterwegs sind. Auch beim MSC Rülzheim spricht man sich deshalb gegen derartig drastische Maßnahmen aus.Seit seiner Gründung 1954 organisiert der Verein gemeinsame Ausfahrten mit dem Motorrad. „Erst mit den Jahren stellte man sich `breiter` auf und organisierte zusätzlich Ausfahrten mit Autos, Oldtimer und Traktoren“, berichtet Thomas Ehses, der erste Vorsitzende des Vereins.

Ausschließlich positive Erfahrungen

Mit einer rund 15 bis 20 Motorräder-starken Gruppe geht der MSC Rülzheim meist auf Tour, Beschwerden habe man noch nie gehört, sagt Ehses: „Unsere Erfahrungen sind ausschließlich positiv. Die gruppendynamische Mobilität macht auch deshalb so viel Spaß, weil uns in den Dörfern und Städten immer wieder Menschen freundlich zuwinken. Natürlich zeigen wir dort auch verantwortungsbewusstes Verhalten und meiden hohe Drehzahlbereiche. Dass Autofahrer oft auf eigene Vorfahrtsrechte verzichten, damit beispielsweise eine größere Gruppe zusammenbleiben kann, zeigt viel Rücksichtnahme und Verständnis für uns Motorradfahrer“, erzählt er von seinen Erfahrungen.
Auch früher schon habe es Diskussionen um den Lärm der Motorräder gegeben, weiß er. „Früher war alles besser stimmt nicht in der Verkehrslärmdiskussion. Lärm hat damals die Leute genauso gestört, das Verkehrsaufkommen war lediglich geringer, aber auch die Ansprüche. Der Drang nach Reglementierung ist in Deutschland allgegenwärtig. Der Straßenverkehr jedoch, mit all seinen Facetten, muss von Achtsamkeit, Respekt und Fairness geprägt sein“, ist sich Ehses sicher.
„Ein Fahrverbot für uns Motorradfahrer ist ein absolutes No-Go. Schon jetzt können von der Polizei Motorräder, an denen beispielsweise ein nicht zugelassener und zu lauter Auspuff montiert ist, wegen erloschener Betriebserlaubnis, sofort stillgelegt werden. Sollte die Initiative wie vorgeschlagen umgesetzt werden, können somit vorschriftsmäßig ausgestattete und legitim betriebene Motorräder an Sonn- und Feiertagen nicht mehr benutzt werden. Dies käme einer Enteignung gleich und würde Motorradfahrer diskriminieren“, sagt der passionierte Motorradfahrer aus Rülzheim.
Eine Reduzierung der Attraktivität für das Motorradfahren, hätte seiner Meinung nach auch gravierende wirtschaftliche Folgen: Immerhin gibt es über vier Millionen zugelassener Motorräder, fielen die weg, würde auch Handwerksbetriebe, die vom Verkauf oder der Reparatur leben, die wirtschaftliche Grundlage entzogen werden. Gleiches gelte auch in Teilen der Hotellerie und Gastronomie, die auf Biker spezialisiert sind. „Rund ums Motorrad gibt es Gewerbe, das auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, von dem viele Arbeitsplätze abhängig sind“, ist sich Ehses sicher.

Politische Lösung ohne Fahrverbot oder Streckensperrung muss her

Eine gesetzliche Verschärfung gegen Motorräder hält er nicht für notwendig. „Politik und Hersteller von Motorrädern könnten aber eine vernünftige Basis schaffen, die zur Reduzierung von Lärmemissionen bei Motoren beiträgt“, sagt er und hält das für eine angemessene Lösung des Problems.

Autor:

Heike Schwitalla aus Karlsruhe

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