Neustadter Rotkreuzstift wird Gesundheits- und Begegnungszentrum
- Bürgermeister Stefan Ulrich mit Einrichtungsleitung Barbara Baltus und einem Bewohner vor dem Eingang des Rotkreuzstifts.
- Foto: DRK Schwesternschaft Rheinpfalz-Saar e.V.
- hochgeladen von Sabine Lüpcke-Roth
Neustadt. Das Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung Rheinland-Pfalz hat das Projekt „Gesundheits- und Begegnungszentrum Rotkreuzstift“ der DRK Schwesternschaft Rheinpfalz-Saar e.V. als Modellvorhaben zur Förderung ausgewählt. Mit dem bis Ende 2027 angelegten Pilotprojekt für die Region öffnet die stationäre Altenpflegeeinrichtung Rotkreuzstift ihre Tore ins Quartier, um den Menschen der Nördlichen Vorstadt und des Schöntals sowohl niedrigschwellige als auch pflegerisch-therapeutische Leistungen zu bieten.
Durch gezielte Pflegepräventionsmaßnahmen werden Betroffene, Familien und gesellschaftliche Strukturen entlastet. Für Neustadt an der Weinstraße, das mit rund 25,7 Prozent Bevölkerungsanteil der über 65-Jährigen überdurchschnittlich stark vom demografischen Wandel betroffen ist, bietet das Projekt großes Potenzial. Darüber hinaus soll das Rotkreuzstift Zentrum einer lebendigen Stadtteilkultur im bisher strukturschwachen Quartier werden.
Für die Menschen im Quartier
Eine Öffnung der Angebote der sozialen Betreuung des Rotkreuzstifts – zum Beispiel Gedächtnistraining, Sturzprophylaxe und Mobilitätsübungen – zusammen mit dem Aufbau vielfältiger ehrenamtlicher Angebote adressiert diesen Teil des Konzepts. „Wir sind stolz darauf, dass das MASTD unseren breiten Ansatz für die Menschen im Quartier als förderungswürdig eingestuft hat“, sagt Projektleiterin Dr. Elke Rudolph. „Unsere Vision ist es, als Gesundheitszentrum zu unterstützen und als Begegnungszentrum für Menschen gleich welchen Alters nach ihren Fähigkeiten Beteiligungsmöglichkeiten zu schaffen.“ Dafür wird das Rotkreuzstift Räumlichkeiten, Außenbereiche und seine langjährige Expertise einbringen.
Beispiele für medizinische und therapeutische Unterstützungsangebote könnten Podologie oder Ergotherapie sein. Auch gastronomische Formate wie ein Nachmittags-Café sind angedacht. Als erster Baustein wird in Kürze das Wundversorgungszentrum im Rotkreuzstift zur Verfügung stehen, in dem die Diagnose und Behandlung chronischer sowie schwer heilender Wunden (z.B. diabetischer Fuß, Ulcus cruris) durch spezialisierte Pflegefachkräfte erfolgt. Chronische Wunden sind nicht nur schmerzhaft für die Betroffenen, sie führen auch häufig zu sozialer Isolation. Ziel des geplanten Wundversorgungszentrums ist daher eine spezialisierte, wohnortnahe Behandlung.
Für die BewohnerInnen und gegen den Pflegenotstand
„Seit jeher sind wir ein offenes Haus, weil soziale Teilhabe sich nachweislich positiv auf das Sprachvermögen, die intellektuelle Regsamkeit und allgemein Lebensqualität und Gesundheit auswirkt“, erklärt Barbara Baltus, Vorsitzende der DRK Schwesternschaft und Einrichtungsleitung des Rotkreuzstifts. „Pflegebedürftige Menschen wünschen sich Altersruheorte in ihrem angestammten Lebensgebiet – und auch während ihrer Zeit bei uns Teilhabe an der Fortentwicklung ihres Quartiers. Dem trägt die Öffnung Rechnung.“ Das Durchschnittsalter in Neustadt liegt mit 48 Jahren deutlich über dem Vergleichswert anderer Städte. Laut aktuellem Pflegebericht gelten ca. 3700 Menschen als pflegebedürftig. Die meisten Menschen bleiben so lange wie möglich in ihrem Zuhause, oft mit Unterstützung der Angehörigen. Hier zu entlasten und flexible Modelle zu schaffen – zur Entlastung der Angehörigen und im Hinblick auf sich verändernde Familienstrukturen – ist ein wichtiges Ziel.
Positiver Nebeneffekt für die Einrichtungen: Das Verschmelzen von stationärer mit ambulanter Pflege entlastet Pflegeeinrichtungen im „Pflegenotstand“ und schafft attraktive offene, facettenreiche Arbeitskonzepte für Mitarbeitende und Ehrenamtler.
Wissenschaftlich begleitetes Baukastensystem
Als Baukastensystem konzipiert, werden im Förderzeitraum Schritt für Schritt Gesundheitsangebote und Versorgungsleistungen sowie Beteiligungsmöglichkeiten umgesetzt. Um dabei bedarfsgerecht zu agieren, wird das Projekt wissenschaftlich von der Diploma Hochschule begleitet, u.a. mit einer Bedarfsanalyse und Feedbackrunden. „Uns ist es sehr wichtig, das Quartier intensiv in diese spannende Entwicklung einzubeziehen“, erklärt Baltus. „Mit dem Wundversorgungszentrum stehen wir in den Startlöchern, weitere Bausteine sind in Planung. In welche Richtung sich das Zentrum noch entwickelt, das bestimmen die Menschen im Quartier mit.“
Ideen und Bedarfe der Nachbarn gefragt
Wer bereits eine Idee hat oder sich einbringen möchte, ist herzlich dazu eingeladen, sich über info@rotkreuzstift.de zu melden. Eine eigene Homepage für das Modellvorhaben ist in Arbeit und wird unter www.rotkreuzstift.de zu erreichen sein. Neuigkeiten werden auch über die Facebook-Seite der DRK Schwesternschaft, auffindbar über @rotkreuzschwestern.neustadt oder über die Facebook-Suche „DRK Schwesternschaft Rheinpfalz-Saar e.V.“, geteilt werden. Eine Veranstaltung für die Menschen im Quartier ist für den Sommer geplant: die Öffnung des traditionellen Rotkreuzstift-Sommerfests. Dazu werden alle Nachbarn in Kürze eine Einladung in ihrem Briefkasten finden.
Autor:Sabine Lüpcke-Roth aus Neustadt/Weinstraße |
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