Mülltrennung wirkt - Interview der Woche
Abfallberater Thomas Agne aus Neustadt

Abfallberater Thomas Agne stellt die neuen Biokompostiersäcke im Rahmen der Kampagne #wirfuerbio.  Foto: Pacher
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  • Abfallberater Thomas Agne stellt die neuen Biokompostiersäcke im Rahmen der Kampagne #wirfuerbio. Foto: Pacher
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Neustadt.Aufgewachsen und zur Schule gegangen ist er in Lambsborn im Westen der Pfalz, bevor es ihn 1992 berufsbedingt nach Neustadt verschlug. Seit fast 30 Jahren arbeitet Thomas Agne nach seinem Studium der Chemie in Kaiserslautern und einer 13-monatigen Fortbildung zum Abfall- und Umweltberater beim Eigenbetrieb Stadtentsorgung Neustadt (ESN). Wir sprachen mit dem 58-jährigen Abfallexperten über das Müllsortierverhalten der Neustadterinnen und Neustadter und wie man es verbessern kann.

Von Markus Pacher

??? Herr Agne, Sie sind jetzt schon seit fast 30 Jahren als Abfallberater beim ESN tätig. Wie fleißig trennen die Neustadter ihren Müll?
Thomas Agne: In Neustadt machen die Bürgerinnen und Bürger gut bis sehr gut mit. Das sieht man an der Menge an Restmüll, die relativ gering ist und der großen Menge an Wertstoffen. Unser System mit der kleinen Restmülltonne als Standardtonne kommt der Sache dabei natürlich sehr entgegen. In der Landesabfallbilanz schneidet Neustadt gut ab.

??? War das schon immer so oder sind die Neustadterinnen und Neustadter umweltbewusster geworden?
Thomas Agne: Das Umweltbewusstsein war schon immer konstant gut. Was sich geändert hat, ist das Anspruchsdenken. Zum Beispiel wenn kritisiert wird, dass die Mülltonne nicht richtig zurückgestellt wurde, der Deckel nicht geschlossen oder die Tonne nicht vollständig geleert ist. Was ich mir wünschen würde, wäre mehr Respekt gegenüber den Müllerwerkern, die keine leichte Arbeit verrichten und häufig unter Druck stehen.

??? Welches sind die häufigsten Fehler bei der Mülltrennung und welche Tipps möchten Sie den Bürgerinnen und Bürgern mit auf den Weg geben?
Thomas Agne: Grundsätzlich hat sich das Sortierverhalten verbessert. Zu Anfang wurde z. B. öfter Keramik in die Glassäcke gesteckt. Mit den Papiersäcken läuft gut, schwieriger ist es mit den Gelben Säcken. Da gibt es mit der Unterscheidung zwischen Verpackungsmüll und Gegenständen aus Kunststoff wie z. B. Blumentöpfe, Spielzeug, alte Tupperware etc. oftmals Probleme. Grundsätzlich gehört gemäß des Dualen Systems nur Verpackungsmüll in den Gelben Sack. Säcke, die offensichtlich falsch belegt sind, z. B. mit Baustyropor, bleiben bei der Sammlung stehen.

??? Stichwort „Biomüll/Biotonne“: Zuletzt haben Sie die Medien über ihre Beteiligung an der Umweltkampagne #wirfuerbio informiert. Was hat es damit auf sich?
Thomas Agne: Beim Biomüll beobachten wir das Problem mit Störstoffen, vor allem in Gestalt von Kunststoff. Ziel der Kampagne ist es, die Bürgerinnen und Bürger darüber zu informieren, wie sie dazu beitragen können, die aus dem Biomüll gewonnene Komposterde möglichst rein zu halten. Alle kommunalen Entsorgungsbetriebe in der Pfalz wollen künftig diesbezüglich die Stör-stoffquote senken und beteiligen sich an der Kampagne. Grundsätzlich gilt: Plastikverpackungen und Plastiktüten gehören nicht in die Biotonne. In Mikroplastik zerfallen, kann Plastik nicht mehr ausreichend aus dem fertigen Rohkompost gesiebt werden. Die kleinen Plastikteile landen so auf den Äckern, werden ins Grundwasser gespült, landen im Meer und damit unweigerlich in unsere Nahrungskette. Mit #wirfuerbio wollen wir die Menschen erreichen und zum Mitmachen animieren, denn ohne sie geht es nicht.

??? Warum dürfen die bislang in Neustadt erlaubten Ecovio-Beutel ab dem Jahresende nicht mehr zum Sammeln von Bioabfällen verwendet werden?
Thomas Agne: Die zugelassenen Ecovio-Beutel lassen sich weder vom Verbraucher, noch vom Müllwerker und vom Anlagenbetreiber zuverlässig von den nicht zugelassenen Kunststofftüten unterscheiden. Daher werden sie vor der Vergärung bzw. Kompostierung als Störstoffe aussortiert. Um die Qualität des eingesammelten Bioabfalls und damit auch des hergestellten Kompostes zu erhöhen, hat sich der Anlagenbetreiber dazu entschieden, die Verwendung aller Kunststofftüten zu verbieten. Alternativ können die Bioabfälle problemlos in Zeitungspapier oder Bioabfalltüten aus Papier verpackt werden.

??? Wie funktioniert die Kampagne, wie motivieren Sie die Bevölkerung zum Mitmachen?
Thomas Agne: Wir sind der Aktion im Oktober dieses Jahres beigetreten und versuchen seitdem, das Thema „Kein Plastik in der Biotonne“ stets präsent in den Köpfen der Bürgerinnen und Bürger zu halten. Angefangen haben wir mit der Werbung auf unseren Biomüllfahrzeugen. Außerdem werden ab sofort alle neu ausgelieferten Biotonnen von uns mit einem Aufkleber mit dem Schriftzug „Trenn’ Dich hier und jetzt von Deiner Plastiktüte“ versehen werden. Und natürlich kann man den Aufkleber, der an allen Ausgabestellen für Wertstoffsäcke ausliegt, selbstständig an seine Tonne anbringen. Darüber hinaus informieren wir die Bevölkerung per Anschreiben und im Abfallkalender 2022 über die Aktion und verweisen darin nochmals explizit darauf, dass die Ecovio-Beutel aus kompostierbarem Kunststoff nicht mehr über die Biotonne entsorgt werden dürfen. Um den Umstieg zu erleichtern, können sich die Bürgerinnen und Bürger einen Coupon ausschneiden, den sie an unseren Ausgabestellen für Wertstoffsäcke kostenlos zum Start gegen fünf Biobeutel einlösen können. Und wer sich kreativ betätigen möchte, kann sich unter www.wirfuerbio.de/ESN unsere Bastelanleitung für eine aus einer Zeitungsseite gefertigten Biomülltüte herunterladen.

Mülltrennung wirkt

Im Rahmen der Aktion „Das geht uns alle an“ kooperiert der Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter (BVDA), dem rund 200 Verlage mit einer wöchentlichen Auflage von etwa 49 Millionen Zeitungen angehören, mit der Initiative „Mülltrennung wirkt“. Durch die Artikelserie zur Mülltrennung, die in den kommenden Wochen in den Wochenblättern erscheint, werden wir unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht: denn das geht uns alle an!
Tipps zur richtigen Mülltrennung gibt es im Internet unter www.muelltrennung-wirkt.de/muelltrennung-richtig/

Autor:

Markus Pacher aus Neustadt/Weinstraße

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