Löwen in der Krise
Anspruch und Wirklichkeit weit entfernt
- Conny, das Maskotchen der Löwen
- Foto: Wolfgang Neuberth
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Löwen in der Krise: Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander
29:33 gegen Eisenach – und immer mehr Fragen an Trainer Maik Machulla
Wie tief können die Rhein-Neckar Löwen noch sinken? Mit großen Hoffnungen in die neue Bundesligasaison gestartet, steckt der einstige deutsche Meister bereits nach wenigen Spieltagen in einer ernsthaften sportlichen Krise. Die 29:33-Heimniederlage gegen den als Abstiegskandidaten gehandelten ThSV Eisenach war weit mehr als ein gewöhnlicher Punktverlust. Was die Mannschaft von Trainer Maik Machulla vor 4.803 Zuschauern in der SAP Arena ablieferte, war über weite Strecken erschreckend schwach. Ideenlos im Angriff, anfällig in der Abwehr und ohne erkennbare Mittel gegen einen gut organisierten Gegner. Anspruch und Wirklichkeit liegen bei den Gelbhemden derzeit weit auseinander.
Schon die Anfangsphase ließ nichts Gutes erahnen. Eisenach trat selbstbewusst auf, spielte geduldig und nutzte die Unsicherheiten der Gastgeber konsequent aus. Die Mannschaft von Trainer Sebastian Hinze wirkte besser organisiert, während bei den Löwen vieles Stückwerk blieb. Nach dem frühen 0:2 gelang Haukur Thrastarson zwar der erste Treffer, doch Sicherheit brachte das nicht.
Machulla hatte seine Anfangsformation lediglich auf den Außenpositionen verändert. Niclas Mierzwa und Gino Steenaerts begannen für Tim Nothdurft und Marius Steinhauser. Ansonsten vertraute der Trainer seinem bisherigen Personal. Doch auch diesmal fehlten die erhofften Lösungen.
Bereits in der Anfangsviertelstunde machte sich Unmut auf den Rängen bemerkbar. Jannik Kohlbacher, nach seiner Fußverletzung zurückgekehrt, scheiterte frei am Eisenacher Torhüter Matija Spikic. Kurz darauf spielte Edwin Aspenbäck den Ball in Überzahl direkt in die Hände des Gegners. Beim 5:9 nach 15 Minuten nahm Machulla seine erste Auszeit. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits die ersten Pfiffe durch die SAP Arena gehallt.
Die Anhänger erwarten keine Wunderdinge, wohl aber Leidenschaft, Einsatz und eine erkennbare Spielidee. Doch gerade daran mangelte es gegen Eisenach. Die Gäste mussten nicht über sich hinauswachsen, um die Löwen auf Distanz zu halten.
Im Angriff fehlten Tempo, Kreativität und Präzision. Immer wieder liefen sich die Gastgeber in der kompakten Eisenacher Abwehr fest. Gleichzeitig gelang es der eigenen Defensive kaum, den Gegner entscheidend unter Druck zu setzen. Nach 16 Minuten stand es 5:10. Zwar gelangen anschließend einige bessere Kombinationen, doch eine wirkliche Aufholjagd entwickelte sich nicht. Selbst aus den Fehlern der Gäste konnten die Löwen kaum Kapital schlagen. Stattdessen leisteten sie sich eigene Ballverluste und Fehlwürfe. Mit einem ernüchternden 13:18 ging es in die Halbzeitpause.
Nach dem Seitenwechsel schien sich das Blatt zunächst zu wenden. Die Löwen verteidigten entschlossener und verkürzten durch Thrastarson und Steenaerts schnell auf 15:18. Als David Späth anschließend einen Siebenmeter parierte, keimte Hoffnung auf.
Doch die hielt nur wenige Minuten. Statt den Druck weiter zu erhöhen, verfielen die Gastgeber erneut in alte Fehler. Im Angriff fehlte die Konsequenz, in der Abwehr die Abstimmung. Eisenach blieb ruhig und baute seinen Vorsprung wieder aus. Nach 45 Minuten stand es 20:26. Die Partie drohte endgültig zu entgleiten.Dabei fehlte es nicht an einzelnen Spielern, die sich gegen die Niederlage stemmten. Späth verhinderte mit zehn Paraden Schlimmeres, Thrastarson erzielte sieben Treffer. Auch Steenaerts überzeugte mit vier Toren bei vier Versuchen. Doch individuelle Lichtblicke reichen nicht, wenn die Mannschaft insgesamt nicht funktioniert.
Beim 24:30 war längst klar, dass die Punkte nach Thüringen gehen würden. Eisenach spielte die Begegnung souverän zu Ende. Die Löwen konnten lediglich noch Ergebniskosmetik betreiben. Das 29:33 war die logische Konsequenz einer enttäuschenden Vorstellung.
Nach der Partie fand Machulla deutliche Worte. „Wir haben es über 60 Minuten nicht geschafft, den Gegner so unter Druck zu setzen, dass er mal unruhig wird“, erklärte der Trainer. Eisenach habe sehr gut verteidigt, seine Mannschaft dagegen vorhandene Möglichkeiten nicht genutzt. Eine Aussage, die nachdenklich macht. Wie kann einer Bundesligamannschaft bereits nach einem frühen Rückstand die Energie verloren gehen? Gerade in schwierigen Situationen müssten Kampfgeist, gegenseitige Unterstützung und Entschlossenheit sichtbar werden. Dass die Löwen über weite Strecken nicht in der Lage waren, dem Gegner Paroli zu bieten, wirft grundlegende Fragen auf. Natürlich müssen Spieler Verantwortung übernehmen und dürfen sich nicht hinter taktischen Vorgaben verstecken. Doch Machulla ist dafür verantwortlich, aus den vorhandenen Einzelspielern eine funktionierende Mannschaft zu formen. Und genau daran hapert es derzeit gewaltig. Davon war gegen Eisenach wenig zu erkennen. Die Thüringer zeigten, wie man mit klaren Abläufen, Disziplin und konsequenter Chancenverwertung erfolgreich sein kann. Bei den Löwen dagegen blieb vieles Stückwerk.
Hinzu kommt die Frage nach der Nutzung des Kaders. Machulla hatte angekündigt, dessen Breite einsetzen zu wollen. Doch bislang ist schwer zu erkennen, wie daraus neue Impulse entstehen sollen. Wenn immer wieder dieselben Probleme auftreten, müssen auch personelle und taktische Alternativen geprüft werden.
Die Zuschauerzahl von 4.803 sollte ebenfalls zu denken geben. Sie allein ist kein Beleg für schwindende Unterstützung, doch die frühen Pfiffe zeigen, dass die Geduld zumindest bei einem Teil des Publikums strapaziert ist.
Die Saison ist noch lange, doch die Warnsignale sind unübersehbar. Die Löwen wirken verunsichert, ihre Spielweise ist fehleranfällig, und eine Entwicklung zum Besseren lässt sich kaum erkennen.
Die Rhein-Neckar Löwen waren einmal eine feste Größe im deutschen Spitzenhandball. Zwei Meisterschaften und Pokalerfolge stehen für eine erfolgreiche Vergangenheit. Doch davon lässt sich in der Gegenwart nichts kaufen.
Das 29:33 ist mehr als eine weitere Niederlage. Es ist ein Warnsignal für einen Verein, dessen sportlicher Anspruch mit der derzeitigen Wirklichkeit kaum noch etwas gemeinsam hat. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr nur, wann die Löwen wieder gewinnen. Sondern ob Maik Machulla und seine Mannschaft schnell genug einen Weg aus dieser Krise finden.
Autor:Wolfgang Neuberth aus Mannheim |
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