„Zigeuner-Boxer“ - Die Geschichte von Johann Wilhelm „Rukeli“ Trollmann

Das Leben beziehungsweise die wahre Geschichte des „Zigeuner-Boxers“ Johann Wilhelm Trollmann, genannt Rukeli, ist im wahrsten Sinne filmreif. Der Antiziganismus kostete den deutschen Boxer erst seinen Titel, dann sein Leben. Er schlug Gegner von Weltformat, war umjubelt und zog Tausende in seinen Bann. Selbstbewusst kämpfte er sich trotz aller Vorurteile nach ganz oben. Im Februar 1933 erkämpfte er sich schließlich den deutschen Meistertitel im Mittelgewicht.

Doch im Nationalsozialismus wurde selbst der immer populärer werdende Boxsport zu einem Rassenproblem. Rukeli kämpfte noch im selben Jahr gegen Adolf Witt im Ring. Obwohl Witt im Ring deutlich unterlegen war, wurde der Kampf - unter Protest des empörten Publikums - als ‚unentschieden‘ gewertet, denn das propagandistische Bild vom körperlich überlegenen, arischen Herrenmenschen sollte unter keinen Umständen gefährdet werden.

Rukelis Technik galt bei den Nationalsozialisten als umstritten: Er war pfeilschnell, tänzelte rückwärts und schlug aus Rückwärtsbewegungen heraus. Dieses Verhalten galt als „undeutsch“, denn ein Arier würde niemals zurückweichen, und es kostete ihm acht Tage später seinen Titel. Dennoch qualifizierte sich Rukeli Trollmann für den Deutschen Weltergewichtstitel. Er trat gegen Gustav Eder an, der neun Zentimeter kleiner und sechs Kilo leichter war. Trollmann war es dabei untersagt, in seinem typischen Stil zu kämpfen, ansonsten würde man ihm die Boxerlizenz entziehen. Er wusste, dass er so nur verlieren konnte. Er kam zum Kampf mit blondgefärbten Haaren, seine Haut mit weißem Puder bedeckt, als Karikatur eines arischen Boxers. Er stellte sich in den Ring und ließ sich ohne Gegenwehr k.o. schlagen. Für diese öffentliche Bloßstellung wurde ihm die Boxerlizenz entzogen. Die Karriere Trollmanns war beendet, sein Leben ging weiter bergab.

Im Zweiten Weltkrieg wurde er an der russischen Front eingesetzt und landete anschließend im Konzentrationslager, wo ihm sein Talent zum Verhängnis wurde. Im März 1944 wurde Rukeli von einem Kapo, einem Vorarbeiter, erschlagen.

Im Rahmen der einander.Aktionstage findet am 10. Oktober die Premiere des 15-minütigen Kurzfilms „Zigeuner-Boxer“ im Mannheimer Atlantis-Kino statt. Der Kurzfilm über das Leben Rukelis basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Rike Reiniger und thematisiert die bis heute aktuelle antiziganistische Verfolgung und Diskriminierung. Der Kurzfilm wirft Fragen zu Unrecht, Schuld, Zivilcourage und Mut auf. In der anschließenden Podiumsdiskussion debattieren Prof. Dr. Elisabeta Jonuz von der Hochschule Hannover, sowie Daniel Strauß, Vorsitzender des Verbands Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg, unter anderem über die historische Kontinuität des Antiziganismus.

Die Veranstaltung ist ein Projekt von COMMUNITYartCENTERmannheim, RomnoKher und dem Verband Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg.

Der Eintritt ist frei, um Voranmeldung unter info@communityartcenter-mannheim.de wird gebeten.

Nach der öffentlichen Premiere steht der Film ab dem 11. Oktober 2020 auf dem YouTube-Kanal des COMMUNITYartCENTERmannheim zur Verfügung.

Info zum Kurzfilm: Er haut nicht drauf. Ruki tanzt, weicht aus, schlägt und trifft. Durch seine Gewinne wurde der Sinto zu einem gefeierten deutschen Boxer. Deutscher Meister 1933. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird jedoch alles anders. Sein „undeutscher“ Kampfstil kostet ihn schließlich den Meistertitel – und noch vieles mehr! Aber Ruki ist ein Kämpfer und er kämpft bis zum Schluss. Jahre später sitzt Hans, Rukis Freund, vor dem Untersuchungsrichter und muss sich erinnern. Quälende Erinnerungen, die Hans nicht loslassen. Seinen Freund lernte er im Kindesalter kennen. Als Ruki nach Berlin ging, verließ er die staubigen Straßen ihrer verarmten Heimatstadt. Im Konzentrationslager fanden sie sich wieder. Zwei Boxer: Der eine war mutig, der andere überlebt.

Bildcredits: Bild von COMMUNITYartCENTERmannheim

Autor:

Sylvia Löffler aus Mannheim

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