Olaf Schönborn Dauergast
Olaf Schönborn im Jazzclub „Ella & Louis“
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„Olaf Schönborn’s Q4“ im Jazzclub Ella&Louis
Gefühlt ist Saxophonist Olaf Schönborn Dauergast im Jazzclub „Ella & Louis“, sind doch Lokalmatador Schönborn und Inhaber des Jazzclubs „Ella&Louis“ Thomas Siffling seit ihrer Studienzeit in Mannheim enge Weggefährten und beste Freunde.
Doch an diesem Abend tritt Schönborn zum zweiten Mal gemeinsam mit seinem eigenen Quartett als „Olaf Schönborn’s Q4“ in den Katakomben des Mannheim Rosengartens auf und verspricht einen Jazz & Latin Mix der Extraklasse. Fast ausschließlich Eigenkompositionen unter anderem aus dem gefeierten Album „Radio Jazz“ stehen auf dem Programm und weil Schönborn für jedes seiner Stücke eine kleine Geschichte parat hat, erhält die Zuhörerschaft so ganz nebenbei einen kleinen Einblick in Schönborns eigenes Innenleben.
An seiner Seite stehen drei Ausnahmemusiker. Da ist einmal der virtuose Kontrabassist Martin Simon. Für ihn ist der Auftritt in Mannheim ein Heimspiel. Virtuos präsentiert sich auch am Schlagzeug Johannes Hamm. Last but noch least vervollständigt der fantastische Daniel Stelter an der Konzertgitarre, einer der gefragtesten Gitarristen Deutschlands, das Quartett. Sein perfektes Spiel braucht einen Vergleich mit dem unvergleichlichen Al di Meola wahrlich nicht zu scheuen.
Das „Ella & Louis“ ist an diesem Abend vollbesetzt, ein Beweis für Schönborns große Fangemeinde. Dementsprechend locker und herzlich plaudert er mit dem Publikum und sorgte immer wieder für Lacher.
Das erste Stück „For Pat“ mit ausgeprägtem Latin-Touch widmete er Jazzlegende Pat Metheny.
„In a Bossa Mood“ lud hingegen mit seinen sanften Klängen zum Träumen ein und wenn man die Augen schloss, fühlte man sich aus dem kalten Mannheim versetzt in sommerliche Gefilde, hörte das Wellenrauschen und spürte den Geschmack eines sommerlichen Drinks auf den Lippen. Solch eine Transformation können nur Meister ihres Genres heraufbeschwören. Die unterschiedlichsten Stimmungen und Emotionen so intensiv heraufzubeschwören, gelingt wahrlich nur im Musikgenre Jazz. Denn in dem Stück „Im Zug“, in dem Schönborn auf einer damals noch 6-Stündigen Fahrt von Paris nach Mannheim seinen Liebeskummer musikalisch Ausdruck verlieh, saß man direkt quasi mitleidend neben ihm im ratternden D-Zug. Durchstandener Liebeskummer wurde auch widergespiegelt in dem Song „When love breaks down“ der Band Prefab Strout aus dem Jahre 1985, ergänzt durch einen hinreißenden Dialog aus Gitarre und Saxofon.
Schönborns einziger Auftragsarbeit für eine Imagekampagne frei nach dem Motto „Mode meets Zement“ gab er den Titel „Samba Concrete“, die fast zum Samba-Tanzen eingeladen hätte. Dafür war aber leider kein Platz. Eigentlich schade. Augenzwinkernd machte er in diesem Zusammenhang auch Eigenwerbung, dass er für weitere Auftragsarbeiten gerne zur Verfügung stehen würde. Naja, vielleicht klappt es ja.
Und als Kind von der Alp (Schönborn stammt aus Heidenheim) verstand er es in „April Showers“ bestens, die als Kind empfundene kalte und ungemütliche Stimmung in das gemütliche warme „Ella&Louis“ zu transferieren. Doch mit dem leichten „Sonne im Mai“ steigt hingegen die Hoffnung, dass alles (Wetter und Weltgeschehen) besser wird.
Johannes Hamm setzte seinem Ruf als grandioser Drummer mit dem allerersten, der Leichtigkeit des Sommers entsprechenden „Triangel-Solo“ überhaupt, gepaart mit einem ebenso virtuosen Gitarrenspiel noch eine Schippe drauf und versetzte das Publikum in Entzücken.
Kennen Sie „Schlagerjazz“ oder „Jazzschlager“? Zwei unterschiedliche Welten, zwei gegensätzliche Genres? Nein. „Jazz meets Schlager“ ist ein gar nicht so neuer Trend, so erklärt Schönborn dem zum Teil verblüfften Publikums. In Amerika sind einige der größten Jazzstandards nicht zuletzt aus alten amerikanischen Schlagern entstanden. Und seit geraumer Zeit animieren alte deutsche Gassenhauer Jazzmusiker dazu, diesen ein neues frisches „Jazz“Gewand zu verleihen. Mit gleich zwei Titeln bewiesen das Quartett, dass Emotionen aus Kindheits- und Jugenderinnerungen wahrlich mit modernem Jazz-Feeling gepaart werden können. Schönborn wählte dazu zum einen den Titelsong aus der gleichnamigen Kinderserie „Biene Maja“ (1976), seinerzeit gesungen von Karel Gott sowie den Schlager „Theo, wir fahr‘n nach Lodz“ von Vicky Leandros aus dem Jahre 1974 und offenbart allen Zweiflern zum Trotz, dass dieses Genre seinen festen Platz in der Musikwelt verdient hat.
Mit dem flotten „Summer Jam Blues“ als Zugabe verabschiedeten sich die vier Ausnahmemusiker aus einem grandiosen Abend. Doch Sifflings Jazz-Lokal lädt noch bis Ende April zu zahlreichen Konzerten mit den verschiedensten Angeboten ein. Im Sommer lockt dann die Seebühne mit einem umfangreichen Programm. Aber auch nach Ludwigshafen locken Olaf Schönborn & Friends in den Freischwimmerclub im alten Hallenbad Hemshof mit etlichen musikalischen Leckerbissen.
Text : Beate Tilg Bilder: Wolfgang Neuberth
Autor:Wolfgang Neuberth aus Mannheim |
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