Sandra Maischberger zu Gast im Kino Atlantis
„Nicht alles ist eine Meinung, was sich als solche verkleidet“

Sandra Maischberger. foto: engelhardt

Mannheim. Sie ist seit vielen Jahren einer der bekanntesten Gesichter des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. In ihrer Sendung „Menschen bei Maischberger“ diskutieren Gäste unterschiedlicher Couleur, Partei oder Herkunft über aktuelle und brisante Themen von nationaler und internationaler Tragweite. Doch Sandra Maischberger ist weit mehr als nur eine TV-Moderatorin.

Die Wahl-Berlinerin hat seit 2008 auch eine Filmproduktion, genannt Vincent-Productions, und wurde auch schon für manches Filmwerk ausgezeichnet. Mit dem Film „Nur ein Frau“ (nach einer wahren Begebenheit) hat sie sich einem gleichermaßen heiklen wie aktuellem Thema gewidmet. Die Filmbiografie handelt vom Leben der türkisch-kurdischen Berlinerin Hatun Sürücü. Sie war eine türkeistämmige Deutsche kurdischer Herkunft, die einem sogenannten Ehrenmord zum Opfer fiel. Sie wurde an einer Bushaltestelle in Berlin-Tempelhof von einem ihrer Brüder durch drei Kopfschüsse getötet. Ihr Tod sorgte bundesweit für Entsetzen und löste eine Debatte über Zwangsehen und Wertvorstellungen von in Deutschland lebenden muslimischen Familien aus.
Bei der Premiere im Kino „Atlantis“ unterhielt sich Wochenblatt-Redakteur Peter Engelhardt mit Sandra Maischberger unteranderem über den moralischen und politischen Zeitgeist in Deutschland.

???: Welches ist die wichtigste Botschaft dieses Films?
Sandra Maischberger: Dass man diese junge Frau kennenlernt und vor allem, dass man sich in sie hineinversetzen kann. Das Ganze ist natürlich auch in einem politisch schwierigen Kontext zu sehen.
???: Warum haben Sie sich grundsätzlich zu diesem wahrlich nicht einfachen Thema entschlossen?
Maischberger: Weil es wichtig ist. Noch immer gibt es zu viele Mädchen und junge Frauen, die gegen ihren Willen verheiratet werden.
???: Die meisten Menschen kennen Sie als Moderatorin, aber Sie sind auch in der Filmbranche kein Neuling. Haben Sie einmal überlegt, mehr Film und Kino zu machen?
Maischberger: Da habe ich möglicherweise den richtigen Zeitpunkt verpasst richtig einzusteigen. Ich war schon immer ein großer Fan des Kinos, aber Kino ist schwierig geworden. Oft fehlt mir auch die Zeit.
???: In Ihren Talks-Shows kommen die unterschiedlichsten Menschen zusammen. Wie bekommen Sie das harmonisch unter den berühmten Hut?
Maischberger: Auf Harmonie hinzuarbeiten ist gar nicht mein oberstes Ziel. Ich finde die ehrliche Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema die viel bessere Variante. Es gibt zu jeder Frage mindestens zwei richtige Antworten. Und jeder Gast hat bei mir die Chance, mit seiner Ansicht zu überzeugen. Das wird heute aber immer schwieriger. Es gibt immer mehr nur noch Schwarz oder Weiß.
???: Haben Sie schon einmal ein Thema oder einen Gast abgelehnt?
Maischberger: Wir überlegen uns im Vorfeld, welches Thema den Zuschauer interessieren könnte. Dann suchen wir die Gäste aus. Es sind natürlich auch nicht immer alle Gäste, die wir gerne einladen würden, verfügbar. Dann lassen wir das Thema wieder fallen und überlegen uns etwas anderes. Die Themen sollen ja eine gewisse Relevanz haben.
???: Haben Sie vor jeder Sendung immer die gleiche Lust?
Maischberger: Manchmal sehe ich ein Thema und denke „Puh“, aber am Ende siegt immer die Neugierde, was dieser Abend bringt. Nahezu jeder Gast ist in irgendeiner Form interessant oder außergewöhnlich.
???: Was geht in Ihnen vor, wenn Sie mal mit einer Meinung überhaupt nicht konform gehen?
Maischberger: Mitunter muss man eben schon sehr tolerant sein, um allen Standpunkten eine Plattform anzubieten. Ich bin dann auch eher für eine vermittelnde Gesprächsleitung. Nicht alles ist eine Meinung, was sich als Meinung verkleidet.
???: Wie sehen Sie das politische Gewissen dieses Landes?
Maischberger: Während der Nazizeit ist so viel Schlimmes passiert, dass wir alles andere als eine humane Ausrichtung gar nicht mehr zulassen. Alle Menschen dieses Landes sollten aus der Geschichte lernen. Probleme sind da, um sie gemeinsam zu lösen, einfach AfD zu wählen ist keine Lösung.
???: Wohin führt der Weg dieses Landes in den kommenden Monaten und Jahren?
Maischberger: Ich erlebe Deutschland als ein Land, welches es geschafft hat, große Schwierigkeiten zu überwinden. Das Schulsystem, die Infrastruktur, die Demokratie.
???: Ist das Ihr erster Besuch in Mannheim?
Maischberger: Ja, eigentlich schon. Ich bin nur einmal hier am Bahnhof hängenblieben. pete

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Autor:

Peter Engelhardt aus Mannheim

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