Andreas Stenger, Polizeipräsident MA
„Mit den Menschen ins Gespräch kommen“

Andreas Stenger.  foto: ps

Mannheim. Angefangen hat seine „Polizeikarriere“ in Mannheim, dann hat es ihn an verschiedene Außenposten im „Ländle“ verschlagen und zuletzt arbeitete er zehn Jahre im Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart (ein Jahr davon als Vizepräsident). Als es darum ging die Stelle des Polizeipräsidenten in Mannheim neu zu besetzen, hat Andreas Stenger jedoch keine Sekunde gezögert, sich zu bewerben. So ist der gebürtige Heddesheimer seit Anfang Mai wieder zuhause angekommen und hat sich riesig gefreut, viele Weggefährten aus früheren Zeiten wieder anzutreffen. Wochenblatt-Redakteur Peter Engelhardt im Gespräch mit dem ersten Mann der Exekutive in der Metropolregion Rhein-Neckar.
???: Welches sind die primären Aufgaben eines Polizeipräsidenten?
Andreas Stenger: Es ist nach innen und außen ein immenses Aufgabenfeld. Wesentlich sind hier das gute Repräsentieren des Polizeipräsidiums sowie eine gute Zusammenarbeit mit den Städten, Gemeinden und Kommunen. Eine gute Kommunikation mit Verbänden und Vereinen. Ebenso wichtig ist sich um die Belange der 2700 Mitarbeiter zu kümmern und für deren Sorgen und Nöte dazu sein. Es ist ein sowohl repräsentatives wie auch operatives Amt.
???: Was ist ein wesentlicher Unterschied zur Arbeit beim Landeskriminalamt?
Stenger: Das Aufgabenportfolio als Präsident ist nicht so spezialisiert dafür wesentlich facettenreicher. Das LKA ist eine Zentralstelle für die Kriminalitätsbekämpfung.
???: Wenn Sie kein Polizist geworden wären, welchen Beruf hätten Sie dann ergriffen?
Stenger: Ich wollte schon immer zur Polizei. Als kleiner Junge hat uns zuhause immer wieder mal ein Polizist besucht. Er kam natürlich in seiner Uniform. Das hat mich damals schon beeindruckt.
???: Was gefällt Ihnen speziell an diesem Beruf- was ist die schöne Seite an Ihrer Arbeit?
Stenger: Die ungeheure Vielfalt der Aufgaben. Es ist wenig Routine, immer wieder neue Situationen, Kontakte mit den unterschiedlichsten Menschen in den verschiedensten Umständen. Helfen können, Rückmeldungen erfahren. Das macht diesen Beruf aus. „Die Polizei - dein Freund und Helfer“ - ist für mich ein essenzieller Leitspruch. Als ich Streifenpolizist war im Mannheimer Stadtteil Käfertal, da habe ich hier den Bäcker getroffen, da andere Einwohner vor ihrer Haustüre. Man ist mit den Menschen ins Gespräch gekommen. Das ist einer unserer Kernaufgaben und hat mir viel Freude gemacht.
???: Wie sehen Sie die deutsche Polizei im internationalen Vergleich? Agiert sie zu hart? Zu weich? Handelt sie immer richtig?
Stenger: Deeskalation ist der Königsweg. Schärfe wegnehmen in problematischen Situationen sehe ich als oberstes Gebot. Entscheidend für gute und erfolgreiche Polizeiarbeit ist auf der einen Seite die Deeskalation und Vermeidung von Gewaltspiralen, aber auf der anderen Seite auch die unvermeidliche Konsequenz, falls nötig. Dazu gehört natürlich Kompetenz und die Fähigkeit zur Kommunikation. Man muss eigene Emotionen im Griff haben. Das situative Handlungstraining ist ein Schwerpunkt, den wir mit unseren Leuten immer wieder neu erarbeiten. Am Ende gilt, dass nach jedem Einsatz alle gesund nach Hause kommen. Daher ist auch die Eigensicherung ein wesentliches Merkmal konstruktiver Polizeiarbeit.
???: Wie gut ist es um den Polizei-Nachwuchs bestellt?
Stenger: Wir haben die Einstellungsquote auf 1880 Stellen hochgeschraubt, das ist die größte Einstellungsquote die es je gab in Baden-Württemberg. Wir stehen auch im Wettbewerb mit anderen Anbietern wie der Bundespolizei oder eben auch dem Landeskriminalamt. Unsere Cyber-Spezialisten holen wir vom Markt. Die sind zumeist schon sehr gut ausgebildet. Die Personalverteilung orientiert sich an der jeweiligen Aufgabenbelastung. Urban verdichtete Räume werden entsprechend aufgerüstet, Ressourcen und Synergien intelligent genutzt.
???: Welche Charaktereigenschaften sind für eine erfolgreiche Polizeikarriere am wichtigsten?
Stenger: Gerne auf Menschen zuzugehen. Kommunikativ sein, empathisch, sensibel und Kompetenz ausstrahlen. Die unterschiedlichsten Situationen gut erfassen können.
???: Wie viel Übereinstimmung gibt es zwischen den zahlreichen Krimiserien oder auch dem Klassiker Tatort? Wie viel hat das mit der Wirklichkeit zu tun?
Stenger: In Ansätzen ist gibt es da schon die eine oder andere Übereinstimmung, aber im Fernsehen wird eben immer ein Spannungsbogen aufgebaut. Das möchte der Zuschauer ja auch haben. Das wirkliche Leben ist nicht ganz so spektakulär wie diese 90 Minuten. Im Fernsehen sieht man zumeist zwei oder drei Ermittler, aber Polizeiarbeit ist Teamarbeit. Die Sonderkommissionen sind meistens große Teams.
???: Wie sicher bzw. wie gefährlich ist der Standort Mannheim?
Stenger: Mannheim ist im gesamten gesehen eine sichere Stadt, sie ist bunt, vielfältig und attraktiv. Das soll natürlich so bleiben. Dafür steht die Polizei mit in der Verantwortung. Im übrigen liegt ganz Baden-Württemberg in puncto Sicherheit auf einem guten Niveau.
???: Wo liegen heutzutage die Ursachen für Kriminalität? Wo muss man wie ansetzen?
Stenger: Die Polizei hat lediglich ein Gewaltmonopol. Für das Sicherheitsmonopol sind auch die Bürger und die unterschiedlichsten Institutionen (mit)verantwortlich. Für sinnvolle und langfristige Problemlösungen muss man diese Einrichtungen an sogenannte runde Tische bekommen. Gute Integrationsarbeit ist hierbei ganz essenziell.
???: Sind Sie mit den landespolitischen Maßnahmen hinsichtlich ihres Berufes zufrieden? Ist die Polizei in allen Bereichen gut aufgestellt?
Stenger: Ich kann nur sagen: aus meiner Überzeugung heraus fühle ich mich gut repräsentiert. Wir hatten mit der Polizeistrukturreform 2014 einen mutigen organisatorischen Schritt gemacht. Wir haben den Innovationsstau abgebaut, die Technik verbessert und die nötigen Rahmenbedingungen angepasst. Mit zwölf regionalen Präsidien haben wir die Dezentralisierung optimiert. Ich würde sagen: Der Grundkurs ist stimmig. pete

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Autor:

Peter Engelhardt aus Mannheim

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