50 Jahre Stadtparks
Jubiläum zwischen Flower-Power und digitaler Zukunft

50 Jahre Mannheimer Stadtparks | Foto: Wolfgang Neuberth
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50 Jahre Mannheimer Stadtparks – Jubiläum zwischen Flower-Power, Finanzsorgen und digitaler Zukunft
 Mit Musik, Erinnerungen und mahnenden Worten hat Mannheim das 50-jährige Bestehen seiner Stadtparks gefeiert. Im festlich geschmückten Baumhain des Luisenparks sorgten Sopranistin Estelle Kruger und Tenor Rafael Helbig-Kostka gemeinsam mit dem Orchester des Nationaltheaters für ein musikalisches Highlight. Mit Auszügen aus Mozarts „Der Operndirektor“ – einem heiteren Singspiel über die Eitelkeiten der Opernwelt – setzten sie festliche wie unterhaltsame Akzente zur Einstimmung auf den Festakt.
Doch neben viel Nostalgie ging es auch um ernste Themen. Oberbürgermeister Christian Specht betonte in seiner Rede die große Bedeutung von Luisen- und Herzogenriedpark für Mannheim und rief die Bürger zur Unterstützung auf: „Wir brauchen alle Kräfte, um die Parks aus der Krise zu führen.“ Spenden, Sponsoring und sogar Erbschaften seien willkommen, um die Zukunft der grünen Oasen Mannheims zu sichern. Zwar sei der Bau der Neuen Parkmitte im Luisenpark weit fortgeschritten, doch sei er über Kredite finanziert – „nicht ganz sorgenfrei“, wie Specht einräumte.
Parks mit Geschichte und Zukunft
Moderatorin Rosa Omeñaca Prado erinnerte daran, dass beide Parks schon weit vor dem Jubiläumsjahr existierten – der Luisenpark wurde 1896 nach Großherzogin Luise von Baden benannt, der Herzogenriedpark entstand in den 1930er Jahren. Doch mit der Bundesgartenschau 1975 sei ihre Bedeutung und Gestalt grundlegend gewachsen – so sehr, dass man heute vom „Geburtsjahr der Stadtparks“ sprechen könne. Unter dem Jahresmotto „Flower-Power“ wolle man an den Geist der 1970er Jahre anknüpfen, erklärte Prado.
Stadtpark-Geschäftsführer Michael Schnellbach, der seinen 160 Mitarbeitern für ihren täglichen Einsatz dankte, betonte die Herausforderungen der Zukunft: Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Umweltbildung müssten Hand in Hand gehen. Es gelte, die Menschen „nicht nur als Klimaaktivisten“ zu erreichen, sondern ihnen allgemein zu helfen, eine Beziehung zur Natur aufzubauen.
Erinnerungen an 1975: Milchshakes, Kultur und Millionen Aufkleber
Weitere Erinnerungen an 1975 kamen dann in einem von Rosa Omeñaca Prado moderierten Gespräch zur Sprache. Michael Schnellbach, in Heidelberg aufgewachsen, erinnerte sich daran, wie begeistert er damals von den Wasserspielplätzen war. Gertrud Frohburg berichtete, dass sie als Energieberaterin der Stadtwerke – heute MVV – im Herzogenriedpark Vorträge hielt, am Wochenende jedoch auch Milchshakes für eine D-Mark pro Glas verkaufte.
„MM“-Chefreporter Peter W. Ragge, dessen Vater bei der Bundesgartenschau arbeitete, schwärmte von den vielfältigen Kulturveranstaltungen und den liebevoll gestalteten Spielplätzen. Und Grafik-Designer Wolfgang M. Trautz, der 1975 als Werbeassistent der Buga tätig war, erinnerte sich an über fünf Millionen Briefmarken-Aufkleber, mit denen die Mannheimer ihre Post versahen. „So haben sie alle wirkungsvolle Werbungen gemacht“, sagte Trautz rückblickend und dankte den Bürgern für ihr Engagement.
Keine BASF im Luisenpark – ein historischer Glücksfall
Wie stark das öffentliche Bewusstsein für städtische Grünflächen in Mannheim verwurzelt ist, zeigte Specht am Beispiel der BASF. 1865 wollte Unternehmensgründer Friedrich Engelhorn seine Fabrik eigentlich im heutigen Luisenpark errichten – doch die Stadtväter lehnten ab. Eine Entscheidung, die sich im Rückblick als Glücksgriff erwies.
Auch 2023 habe die Stadt mit der Erweiterung der Bundesgartenschau auf den Luisenpark erneut einen klugen Schritt getan. Was als reine Spinelli-Buga geplant war, wurde so auch zur Plattform für die „längst überfällige Generalsanierung“ des Luisenparks.
Persönliche Anekdoten und der Charme der grünen Oasen
Neben viel Lob für die Vergangenheit gab es auch persönliche Anekdoten. Christian Specht erinnerte sich an die BUGA 1975, an Mannheims erstem Markenbotschafter Fred Reibold alias „Jäger aus Kurpfalz“ – und an seinen eigenen Kindheitsfrevel. Aufgewachsen im Stadtteil Waldhof, fand er den Modellbootweiher im Herzogenriedpark irgendwann zu langweilig und wollte das Boot im Kutzerweiher zu Wasser lassen. Als es jedoch an eine Gondoletta stieß und zu sinken drohte, sei er in den Weiher, habe es herausgeholt – und sei erwischt worden. Trotz solcher Eskapaden zeigte sich der Oberbürgermeister überzeugt: „Das grüne Herz unserer Stadt haben viele ins Herz geschlossen.“ Und dieses Herz soll weiter schlagen – wenn auch unter neuen Vorzeichen, mit digitalen Angeboten, naturnaher Bildung und einem starken Gemeinschaftsgeist. Denn eines wurde beim Fest deutlich: Ohne breite Unterstützung der Bürgerschaft könnten die nächsten 50 Jahre der Mannheimer Stadtparks deutlich schwerer werden als die ersten.
Text : Beate Tilg Bilder : Wolfgang Neuberth

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Autor:

Wolfgang Neuberth aus Mannheim

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