Konzert der Joyful Voices
Joyful Voices im Mannheimer Wasserturm
- Der Chor Joyful Voicis
- Foto: Wolfgang Neuberth
- hochgeladen von Wolfgang Neuberth
Konzert der Joyful Voices im Mannheimer Wasserturm
Wer braucht schon eine Kathedrale, um Gospels zum Lobe Gottes einen besonders erhabenen Klang zu verleihen? Die Akustik des Mannheimer Wasserturms bietet mit seinen 60 Metern Höhe ein ebenso außergewöhnliches Klangerlebnis. Deshalb war es einmal mehr etwas ganz Besonderes, einen der lediglich 40 verfügbaren Sitzplätze zu ergattern, um sich von diesem kleinen, aber feinen Konzert der Extraklasse verzaubern zu lassen. Das Programm wurde direkt hintereinander zweimal aufgeführt und ermöglichte so insgesamt 80 Gästen dieses besondere Erlebnis im schönsten Bauwerk Mannheims, wie Moderator Jörg Riebold den Wasserturm bezeichnete.
Bereits zur Einstimmung wurden die Besucherinnen und Besucher auf einem roten Teppich mit einem Glas Sekt, kühlen Getränken und Brezeln empfangen.
Schon beim ersten Lied „Come in and Stay a While“ („Komm herein und verweile ein bisschen“), das wie aus dem Off aus dem Untergeschoss nach oben erklang, offenbarte sich die beeindruckende Klangfülle des Raumes. Sie ermöglichte es den Sängerinnen und Sängern, völlig unplugged – also ohne jede Mikrofonverstärkung – den gesamten Innenraum mit ihrem Gesang auszufüllen.
Die Chormitglieder wechselten von Lied zu Lied ihren Standort. Mal erklangen die Stimmen aus dem Untergeschoss, mal von der Treppe aus, mal verteilten sich die Sängerinnen und Sänger auf der unteren oder oberen Empore. Jeder Ortswechsel bescherte dem Publikum ein neues und überraschendes Klangerlebnis.
Moderator Jörg Riebold überbrückte die kurzen Umbaupausen mit interessanten Informationen über den Wasserturm, die inzwischen 28-jährige Geschichte des Ausnahmechors Joyful Voices und die Hintergründe einzelner Musikstücke. Die besondere Kulisse machte zudem deutlich, dass dieser Chor sowohl vor 250 als auch vor nur 40 Zuhörern gleichermaßen zu überzeugen vermag.
Spirituals wie „Keep Your Lamps“, „Elijah Rock“ oder „Wade in the Water“ erhielten in der außergewöhnlichen Akustik eine ganz eigene Tiefe. Auch der neuere Gospel „Battle of Jericho“ beeindruckte mit seinen eindringlichen Wiederholungen und unterstrich die Hoffnung auf die Überwindung großer Hindernisse auf dem Weg ins Gelobte Land. Bei den gefühlvoll vorgetragenen Liedern „Song of Praise“, „What a Wonderful World“ und „Over the Rainbow“ schienen die Stimmen förmlich über den Köpfen der Zuhörenden zu schweben.
Selbst Johann Sebastian Bach hätte sich wohl über das ihm gewidmete Chorwerk „Immortal Bach“ von Knut Nystedt gefreut. Das außerordentlich anspruchsvolle Werk verlangt den Sängerinnen und Sängern Höchstleistungen ab. Jede der vier Stimmlagen – Sopran, Alt, Tenor und Bass – intoniert zunächst gemeinsam den ersten Satz aus Bachs Choral „Komm, süßer Tod, komm sel’ge Ruh“. Anschließend lösen sich die Stimmen durch unterschiedliche Tempi, Tonhöhen und Tonlängen voneinander, um erst am Ende wieder zu einem gemeinsamen Klangbild zusammenzufinden. Im Wasserturm verteilt vorgetragen, entstand daraus ein faszinierendes Klangkunstwerk. Theologie trifft Klang – ein absolutes Meisterwerk, meisterhaft interpretiert.
Auch deutsche Titel mit nachdenklichen und gesellschaftskritischen Untertönen kamen nicht zu kurz. „Laut sein“, „Ist da jemand“ mit einem eindrucksvollen Solo von Bariton Christian Schei sowie „Solang man Träume noch leben kann“, allesamt arrangiert von Oliver Gies, fanden großen Anklang beim Publikum.
„Uptown Funk“ – von Riebold treffend als musikalischen Zwiegesang der Chormitglieder beschrieben – ließ sich kaum in Worte fassen. Dieses Stück musste man erleben. Die besondere Akustik des Wasserturms verlangte dabei höchste Konzentration. Die Sängerinnen und Sänger orientierten sich ausschließlich an Chorleiter Andreas Luca Beraldo und nicht, wie sonst üblich, aneinander. Nur so war die beeindruckende Präzision der einzelnen Stimmen möglich.
Mit der Premiere des von Beraldo neu arrangierten Klassikers „You’ve Got a Friend“, gefühlvoll interpretiert von Solistin Marion Klamm, dem getragenen Spiritual „Deep River“, das erneut aus dem Off erklang, sowie dem „Abendlied“ von Josef Gabriel Rheinberger endete dieser außergewöhnliche Konzertnachmittag.
Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus und Standing Ovations. Dieses Konzert war ein Geschenk für alle, die das Glück hatten, dabei sein zu dürfen.
Beate Tilg
Autor:Wolfgang Neuberth aus Mannheim |
|
| Wolfgang Neuberth auf Facebook | |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.