Von der Generation „Gastarbeit“ bis heute
Die (ungehobenen) Schätze der Migration

(v.l.): Harald Stockert, Bettina Franzke, Savaş Genç, Michael Stops, Mustafa Baklan (SUNTAT), Herbert Dechant, Franz Egle, Gizem Weber | Foto: © DTI
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  • (v.l.): Harald Stockert, Bettina Franzke, Savaş Genç, Michael Stops, Mustafa Baklan (SUNTAT), Herbert Dechant, Franz Egle, Gizem Weber
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Im Jahr 1961 wurde das deutsch-türkische Abwerbeabkommen unterzeichnet, im Zuge dessen zahlreiche sogenannte „Gasterbeiterinnen“ und „Gastarbeiter“ aus der Türkei nach Deutschland kamen. Es hat wesentlich zur Entstehung der inzwischen größten migrantischen Community in Deutschland beigetragen und war daher Anlass für einen Themenabend, den das Deutsch-Türkische Institut für Arbeit und Bildung e.V. (DTI) und das MARCHIVUM am 6. April 2022 im Friedrich-Walter-Saal veranstalteten. Ausgewiesene Fachleute aus Wirtschaft und Wissenschaft betrachteten in Impulsreferaten das Thema „Migration“ mit Fokus auf die deutsch-türkische Community. Sie widmeten sich dabei zentralen Themenfeldern wie Arbeit, Bildung, (Stadt-)Geschichte, Herkunft, Kultur und Politik.

„Heute können wir eins ganz klar sagen: Türkeistämmige Menschen – und migrantische Gemeinschaften allgemein – machen unser Land und unsere Stadt diverser, offener und reicher. Dieser Reichtum ist ein Schatz, den wir hüten sollten. Er kann uns die Zukunft sichern, die wir gemeinsam gestalten wollen“ so resümierte Mustafa Baklan (DTI) in seiner Begrüßungsrede den Ertrag der deutsch-türkischen Migrationsgeschichte. Dieser Reichtum war auch Tenor der gesamten weiteren Veranstaltung.

In seinem Vortrag schaffte Dr. Harald Stockert (MARCHIVUM) einen Überblick über die Zuwanderungsprozesse in Mannheim vom 17. bis zum 19. Jahrhundert: „Mannheim ist von Geburt an eine Zuwanderungsstadt und das zeigt sich schon in den ersten Stadtprivilegen, die in vier Sprachen veröffentlicht wurden, mit dem Zweck die Zuwanderer nach Mannheim zu führen“.

Die Professorin für Interkulturelle Kompetenzen und Diversity-Management, Dr. Bettina Franzke (HSPV NRW), stellte ihre Thesen zu der Frage vor, ob Herkunft und Kultur in unserer heutigen Gesellschaft überbewertet oder eher unterschätzt werden: „Herkunft und Kultur sind Einflussfaktoren, die tatsächlich existieren. Diese grundlegend in Frage zu stellen, wäre absurd und wird den Bedürfnissen von Menschen nicht gerecht. Es gilt, Herkunft und Kultur wertzuschätzen, selbstbewusst zu leben und einen konstruktiven, verantwortungsvollen Umgang mit Vielfalt zu etablieren. Das Management von Diversity und das Stellen auch kritischer Fragen rechten Parteien zu überlassen, wäre fatal. Es braucht ein Bewusstsein und gutes Gespür dafür, in welcher Weise Herkunft und Kultur in den Alltag einfließen. Dabei dürfen Unterschiede nicht von vornherein unterstellt oder überbewertet werden“, so Franzke.

Dr. Michael Stops (IAB) beschäftigte sich in seinem Vortrag mit der Kernfrage, wie sich Migration auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Er betonte: „Für Deutschland ist die Zuwanderung volkswirtschaftlich vorteilhaft, wenn die Integration in den Arbeitsmarkt schnell und adäquat zu den Qualifikationen und Talenten des Einzelnen gelingt und es bedarf schneller und valider beruflicher Anerkennungsverfahren“.

Prof. Dr. Savaş Genç (HdWM) wies zu den Themen „Migrations- und Wirtschaftspolitik“ darauf hin, dass türkeistämmige Unternehmer*innen in Deutschland 800.000 Mitarbeiter*innen beschäftigen und einen Jahresumsatz rund 70 Milliarden Euro erwirtschaften“. Er betonte, dass diese Unternehmer*innen Akkumulatoren für den Mittelstand in Deutschland geworden sind.

Anschließend an die Impulsreferate fand eine Diskussionsrunde mit den Gästen statt. Güngör Görken betonte, dass die Geschichte der ersten Generation der sogenannten Gastarbeiter*innen selten Beachtung gefunden hat. Dabei würden vor allem die großen Herausforderungen, vor der damalige Migrant*innen gestellt wurden, heute kaum noch erinnert. Unterstützung bei der Integration fehlte weitgehend. Viele - vor allem Frauen - hatten neben Schichtdienst und Haushalt kaum Zeit, Deutsch zu lernen.

Durch den Abend führte Gizem Weber, die Projektkoordinatorin des DTI.

Über das Deutsch-Türkisches Institut für Arbeit und Bildung e.V.

Seit 2012 fördert der gemeinnützige Verein die Begegnung, Verständigung und den Austausch von Menschen mit und ohne Migrationsbiografie. Dies erreichen das DTI durch eine intensive Zusammenarbeit mit städtischen Partnern in den Bereichen Bildung und Arbeit, Wissenschaft und Forschung. Ein elementarer Teil der Vereinsmission ist die Förderung der Bildungsgerechtigkeit. Darüber hinaus sensibilisiert das DTI Jugendliche mit niederschwelligen Projekten für politische Themen und fördert so deren gesellschaftliches Engagement. Das DTI achtet bei der Realisation aller Projekte auf die Gleichstellung der Geschlechter und die Anerkennung vielfältiger menschlicher Identitäten und Lebensentwürfe. Der Verein fördert die internationale Zusammenarbeit von Städten im Deutsch-Türkischen Kontext. Er ist Unterzeichner der Mannheimer Erklärung für ein Zusammenleben in Vielfalt und Partner des Mannheimer Bündnisses. Das DTI beheimatet auch das Mannheimer Koordinationsbüro der landesweiten Bildungsaktion „Mitmachen Ehrensache“ und ist Teil der bundesweiten Initiative Klischeefrei. (GW)

Zusammengefaßt in Türkisch:

1961 yılında imzalanan Türkiye-Almanya İşgücü Antlaşması’yla iki ülke arasında yeni bir dönem başladı. “Misafir işçi” kavramını belleklere kazıyan bu antlaşmanın öncesi, sonrası ve günümüze yansımaları, Türk-Alman İş ve Eğitim Enstitüsü (DTI) ile MARCHIVUM’un (Mannheim Şehir Arşivi) ortaklaşa düzenlediği bir etkinliğin ana konusuydu. 6 Nisan Çarşamba günü Friedrich-Walter-Saal’da düzenlenen “(Değeri Bilinmeyen) Değerli Göçmenler – ‘Misafir İşçilik’ten Günümüze” başlıklı sempozyumda kültür ve ekonomi alanlarında uzman konuşmacılar, göçün eğitim alanına ve iş piyasasına etkilerinin yanısıra siyasi yansımalarını, kültür ve etnik kökenin günümüzdeki değerini tartıştılar.

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Autor:

Gizem Ayse Weber aus Mannheim

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