„Love-Songs“ ein volles Haus
Chorkonzert von ART-im-TAKT
- Der Chor
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Love-Songs – Chorkonzert von ART-im-TAKT
„Amazing – volles Haus“, resümierte Sabine Valentin, als sie mit Blick in den Gemeindesaal der Gnadenkirche Gartenstadt die Gäste des diesjährigen Chorkonzertes von ART-im-TAKT, dem Chor der Freilichtbühne Mannheim, begrüßte. Und wahrlich: Der Saal war eng bestuhlt und bis auf den letzten Platz besetzt. Die benachbarte Auferstehungskirche hatte sogar mit Stühlen aushelfen müssen, sonst wären einige Besucherinnen und Besucher nicht in den Genuss dieses Konzertes gekommen.
Sabine Valentin betonte in ihrer Begrüßung, dass der Chor unter der Leitung von Thomas Nauwartat-Schultze nunmehr seit 22 Jahren fester Bestandteil der Freilichtbühne sei und neben Darstellung, Regie und Tanz eine konstante vierte Säule des Vereins darstelle.
Instrumentale Unterstützung erhielt der Chor, wie bereits bei den vergangenen Konzerten, von fünf Solistinnen des Heidelberger Kantatenorchesters sowie von den liebevoll als „Krachmacher“ bezeichneten Musikern Carsten Wegner am E-Bass, Daniel Blunder an der E-Gitarre und Thorsten Gellings am Schlagzeug. Und selbstverständlich begleitete Ryoko Aoyagi, seit 22 Jahren fester Bestandteil des Chores, den Abend am Klavier.
„Love-Songs“ als Titel für das diesjährige Konzert ließ zunächst leichte Muse für die Zuhörenden vermuten. Doch weit gefehlt: Der Abend bot eine Hommage an das Thema „Liebe“ in all seinen musikalischen Facetten. Wer genau aufpasste, bemerkte zudem, dass die Stücke in zeitlich aufsteigender Reihenfolge angelegt waren.
Bereits mit dem ersten Lied, der Motette „If Ye Love Me“ (Joh. 14,15–17), wagte sich der Chor an das schwierige Genre des A-cappella-Gesangs, das gerne als Königsdisziplin bezeichnet wird. Hier steht allein der Chorgesang im Mittelpunkt, ohne jegliche instrumentale Unterstützung. Die Motette stammt vom englischen Hofkomponisten Thomas Tallis aus der Zeit der Reformation und wurde 1565 veröffentlicht.
Es folgten weitere „alte“ oder „altbekannte“ Liebeslieder wie „Belle qui tiens ma vie“ (1589), das von Franz Schubert vertonte Sehnsuchtslied „Der Lindenbaum“ (1827) oder das niederdeutsche Liebeslied „Dat du min leevsten büst“. Schließlich luden die Comedian Harmonists mit dem leicht frivolen „Wochenend und Sonnenschein“ (1930) zum Mitwippen und Mitklatschen ein.
Im weiteren Verlauf des Abends erklangen zahlreiche Ohrwürmer aus Radio, Film und Fernsehen wie „C’est si bon“, „Lollipop“, „Ohne dich (schlaf ich heut Nacht nicht ein)“, „Liebeskummer lohnt sich nicht“, „Ich will keine Schokolade“ von Trude Herr oder „Liebe ist alles“ von Rosenstolz. Viele Stücke luden zum Mitsummen oder sogar Mitsingen ein.
Auch weltberühmte Evergreens aus Filmklassikern und Musicals durften nicht fehlen: „My Heart Will Go On“ aus „Titanic“, „Märchen schreibt die Zeit“ aus „Die Schöne und das Biest“ oder „Stand by Me“ sorgten für besondere Momente und weckten bei manchen Zuhörerinnen und Zuhörern längst verloren geglaubte Emotionen.
Dabei gelang es dem Chor immer wieder, die jeweilige Stimmung der Lieder – ob frivol, herausfordernd, tragisch oder romantisch – auf das Publikum zu übertragen. Hier zeigte sich die besondere Qualität eines Theaterchores.
Doch „Liebe“ kann noch viel mehr sein. Mit einer grandiosen A-cappella-Variation des Welthits „Music“ von John Miles aus dem Jahr 1976 bewiesen Thomas Nauwartat-Schultze und sein Chor eindrucksvoll, wie stark in diesem Ensemble die Liebe zur Musik ausgeprägt ist.
Was zunächst gemächlich beginnt, entwickelt sich zu einer knapp sechsminütigen Minioper mit zahlreichen anspruchsvollen Tempo- und Harmoniewechseln. Sie verlangt den Sängerinnen und Sängern höchste Präzision und Konzentration ab. Schließlich müssen sie dabei auch Orchester- und Instrumentalparts des Originals stimmlich übernehmen und umsetzen. Eine Meisterleistung von Chorleiter und Chor – und eine eindrucksvolle Liebeserklärung an die Musik.
Mit dem letzten Song des Abends, „All You Need Is Love“ von John Lennon und Paul McCartney, der Hymne des „Summer of Love“ von 1967, fasste das Ensemble noch einmal zusammen, was sich wie ein roter Faden durch den gesamten Abend gezogen hatte: die Liebe zur Musik, zum gemeinsamen Singen und zur Gemeinschaft.
So konnte der Abend zugleich als Liebeserklärung der Chormitglieder, die sich selbst als große Familie verstehen, an die anwesenden Gäste, Familienangehörigen, Freunde und Freunde der Freilichtbühne verstanden werden. Sie alle tragen die Leidenschaft, den oftmals enormen zeitlichen Einsatz und die Liebe zu Chor, Musik und Freilichtbühne mit.
Trotz vorgerückter Stunde gab es nach begeisterten Standing Ovations selbstverständlich noch eine Zugabe. Sonnenblumen für das kleine Orchester rundeten als Dankeschön den Abend ab.
Und apropos Einsatz: Für einige Chormitglieder und Gäste wartete bereits am folgenden Morgen ein freiwilliger Arbeits- und Aufräumeinsatz auf der Freilichtbühne.
So viel zum Thema „Liebe“ – und Engagement.
Beate Tilg
Autor:Wolfgang Neuberth aus Mannheim |
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