Ein echtes Prachtexemplar
56. Bloomaulorden für Andreas Burger
- "Er", Passt in die "Familie"
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56. Bloomaulorden für Andreas Burger – Ein echtes Prachtexemplar
Welch ein Kontrast: Während im vergangenen Jahr Barbara Waldkirch bei fast schon frühlingshaften Temperaturen ihren 55. Bloomaulorden entgegennahm, zeigte sich das Wetter am diesjährigen Fasnachtssonntag von seiner ungemütlich-winterlichen Seite. Der Stimmung im OPAL – dem OPer am Luisenpark, der Ersatzspielstätte des Nationaltheater Mannheim – tat dies jedoch keinen Abbruch. Bereits zum zweiten Mal fand die traditionsreiche Verleihung dort statt. Zahlreiche Bloomäuler sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Fasnacht, Kultur und Politik mischten sich unter die Gäste, um der Ordensübergabe an den diesjährigen Träger Andreas Burger beizuwohnen.
Der Bloomaulorden wurde 1970 vom damaligen Fasnachtsprinzen und „MM“-Herausgeber Rainer von Schilling gestiftet. Ursprünglich mit einem Augenzwinkern für Menschen gedacht, die die Mannheimer Mundart pflegen, ist er heute die angesehenste Auszeichnungen für verdiente Mannheimerinnen und Mannheimer.
Opernsatire mit doppeltem Boden
Bevor es zur eigentlichen Ordensverleihung kam, kündigte Tilmann Pröllochs, Geschäftsführender Intendant und Erster Betriebsleiter des Nationaltheaters, einen besonderen Leckerbissen an: eine erweiterte Fassung der White-Wall-Version der 2020 in der Coronazeit inszenierten Komischen Oper „Der Barbier von Sevilla“ von Gioachino Rossini.
Die White-Wall-Kulisse mit handgezeichneten Schwarz-Weiß-Animationen und gezielten Farbakzenten setzte Bühnenbilder und Emotionen eindrucksvoll in Szene. Die Opera Buffa, 1816 in Rom uraufgeführt, erzählt bekanntlich, wie Figaro dem verliebten Grafen Almaviva hilft, dessen Angebetete Rosina aus der strengen Obhut ihres Vormunds Bartolo zu befreien. Doch hinter dem „Ende gut, alles gut“ bleibt – nicht zuletzt mit Blick auf „Le nozze di Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart – ein feines Fragezeichen zurück. Gesungen wurde auf Italienisch, mit deutschen und türkischen Übertiteln.
Pünktlich zum zweiten Akt traf auch das Mannheimer Stadtprinzenpaar Nadine II. und Fabian I. mit großem Gefolge im OPAL ein – direkt vom Fastnachtsumzug in Ludwigshafen.
Bauarbeiter auf Schatzsuche
Dann wurde es närrisch-symbolisch: Drei Bauarbeiter betraten die Bühne, ausgerüstet mit Helmen, Arbeitsmontur und Metalldetektoren. Sie suchten augenzwinkernd nach einem Schatz, der Mannheim aus seinem strengen Sparzwang befreien könnte – mit Seitenhieben auf Schlaglöcher, Leistungseinschränkungen und die bevorstehende Schließung des Theresienkrankenhauses.
Unter den Bauhelmen verbargen sich Dr. med. Markus Haass, Bert Siegelmann und Dr. Achim Weizel – das Dreiergremium, das über Auswahl und Verleihung des Bloomaulordens entscheidet. „Mehr Geld finden wird immer schwieriger“, seufzten sie mit einem Augenzwinkern. Vorjahres-Bloomaul Barbara Waldkirch wurde im Monteur-Outfit samt Schubkarre auf die Bühne gekarrt und verkündete: Am Zukunftshaushalt werde gebaut – und ein neues Bloomaul gesucht.
Als schließlich ein fünfter Bauarbeiter erschien, war klar: Der Schatz ist längst gefunden. Und er kennt sich mit Baustellen bestens aus.
„Ein echtes Prachtexemplar“
In seiner Laudatio würdigte Markus Haass den neuen Ordensträger als „echtes Prachtexemplar“.
Andreas Burger steht seit 25 Jahren an der Spitze eines der ältesten Mannheimer Familienunternehmens. Gemeinsam mit seinem kaufmännischen Geschäftsführer-Kollegen Kai-Uwe Sax – der Ende 2025 in den Ruhestand verabschiedet wurde und die Verantwortung an seinen Sohn übergab – repräsentiert Burger die vierte Generation der Eigentümerfamilien.
Vorgezeichnet war dieser Weg keineswegs. Nach dem Studium sammelte Burger bewusst Erfahrungen außerhalb des Familienbetriebs, bevor er 1992 als Bauleiter einstieg. Eine prägende Phase folgte Ende der 1990er-Jahre während der Baukrise: Wirtschaftlicher Druck und der Bruch mit der Hausbank stellten das Unternehmen vor große Herausforderungen. „Hart – aber lehrreich“, blickt Burger zurück.
Heute sorgen rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter täglich dafür, „dass unter der Stadt alles läuft“. Liebevoll nennt er sie „600 Bloomäuler“, die bei Wind und Wetter „hart, aber herzlich“ ihren Dienst tun. Ohne diese Mannschaft, so betont er, wäre all das nicht möglich.
Familie spielt für ihn eine zentrale Rolle – das Bündnis mit seiner Frau Astrid auf Augenhöhe ebenso wie der Stolz auf seine Söhne. „Nur unter Druck entstehen Diamanten“, sagt einer seiner Söhne.
Barbara Waldkirch ergänzte in ihren fünf Minuten, Andreas Burger sei engagiert, integrativ und streitbar – stets mit dem Ziel einer für alle tragbaren Lösung. Sein Einsatz für Bildung und Kultur mache ihn unverzichtbar für die Stadtgesellschaft.
Als Präsent überreichte sie ihm das im Waldkirch-Verlag neu aufgelegte Mundartbüchlein „Des is halt Mannemerisch“ von Franz Schmitt, dem ersten Bloomaul-Ordensträger von 1971.
Burger selbst reagierte sichtlich bewegt und zugleich humorvoll. Nach so vielen Lobeshymnen passe er offenbar tatsächlich in die Familie der Bloomäuler. Erst jetzt werde ihm der wahre Stellenwert des Ordens bewusst. Die Auszeichnung verstehe er jedoch nicht als Einzelleistung. Zudem dankte er Kai-Uwe Sax, mit dem er sich über 30 Jahre die Geschäftsführung des Familienunternehmens geteilt habe, sowie allen Mitarbeitenden der Firma: „Das sind alles fleißige Menschen, und alle sind irgendwie Bloomäuler“, so der neue Ordensträger.
Wie schon gesagt: ein Volltreffer, diese Nominierung.
Die seit Jahrzehnten traditionell am Fasnachtssonntag durchgeführte Ordensverleihung wird ab dem kommenden Jahr vom närrischen Kalender entkoppelt. Künftig soll sie an einem Sonntag im Frühling als festliche Bloomaulgala mit buntem Programm und Musik stattfinden.
Autor:Wolfgang Neuberth aus Mannheim |
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