Tragödie auf der Kropsburg
Zwillingsbruder erschlagen

Auf der Kropsburg lebten im 19. Jahrhundert arme Menschen
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Mord. Eine Familientragödie unter armen Menschen, die in den 1830er Jahren in beengten Verhältnissen auf der heruntergekommenen Kropsburg lebten.

Ein Wort gab das andere, plötzlich griff Georg Friedrich Seitz seinen Zwillingsbruder Valentin Seitz an. Von der Stube kamen sie in den Flur und in die Küche. Georg Friedrich griff einen Kegel, der dort zufällig auf dem Boden lag, und schlug zu. Nach diesem Schlag auf den Kopf stürzte Valentin bewusstlos zu Boden. Eine viertel Stunde später war er tot, ergab ein Gutachten. So habe sich der Brudermord auf der Kropsburg bei Sankt Martin am 20. Juni 1836 zugetragen, berichtet das „Edenkobener Anzeigenblatt“ vom 31. August 1836. Der Nachwelt in Erinnerung gerufen hat diese Familientragödie der Germersheimer Stadtarchivar Ludwig Hans im „Heimatjahrbuch des Landkreises Südliche Weinstraße, 2020“ unter der Überschrift „Totschlag unter Brüder: Ein Verbrechen unter den „armen Leuten“ von der Kropsburg im Jahr 1836“.

Verurteilung wegen Totschlags

Da die Mutter Zeuge des Streits war und Georg Friedrich selbst anschließend zwei Nachbarn gesagt hatte, er habe seinen Bruder umgebracht, folgte das Schöffengericht in Zweibrücken der Anklage und verurteilte ihn in der Verhandlung am 23. August desselben Jahres wegen Totschlags zu lebenslänglicher Zwangsarbeit, Brandmarkung und Ausstellung am Pranger.
Arme Leute hausten zu dieser Zeit auf der Kropfburg, die reichlich heruntergekommen war. Davon berichtete Mitte der 1830er Jahren der Hatzenbühler Pfarrer Michael Frey in seiner Beschreibung des Königlich-Bayerischen Rheinkreises. Diese über 100 Menschen lebten in ärmlichen Hütten, die an den Mauern der alten Burg angebaut waren. Besitzer der Burg war ein Edenkobener Bürger, berichtet Frey. Der hatte die Türme der Burg teilweise abreißen lassen, um die Steine für den Festungsbau in Germersheim zu verkaufen.

König Ludwig I. gab Geld für die Menschen auf der Kropsburg

Noch Jahrzehnte später waren die Verhältnisse auf der Kropsburg durch die Armut der Bewohner geprägt. So zitiert Hans die Volkskunde „Die Pfalz und die Pfälzer“ von August Becker aus dem Jahr 1857, der die Armut der Menschen dort eindrücklich beschreibt. Auch der bayerische König Ludwig I., der nach der Fertigstellung der Villa Ludwigshöhe 1852 alle zwei Jahre den Sommer dort verbringt, muss die Armut der Menschen auf der Kropsburg bemerkt haben. 1852 gibt er 300 Gulden für Hanf, damit die Leute daraus Fäden für Kleidung spinnen können. Und zehn Jahre später bewilligt er noch einmal 500 Gulden, um eine Wasserleitung zur Kropsburg verlegen zu lassen, so der Historiker Hans.
So lebten dort - noch ohne Wasserleitung - Georg Friedrich Seitz mit seiner Familie, seiner Mutter und seinem Bruder in einer dieser Hütten. Nach der Aussage der Mutter wollte er sie und seinen Bruder schon seit längerem los werden, was immer wieder zu Streitigkeiten geführt habe. Mehrfach war sie deshalb schon beim Bürgermeister von Sankt Martin gewesen. Auch an jenem Tage, habe sie mit ihrem Sohn Georg Friedrich darüber gestritten, als ihr anderer Sohn dazukam. Auch diesmal war sie zum Bürgermeister gegangen, ohne zu wissen, dass Valentin tot war. Der Bürgermeister nahm die Sache zunächst nicht ernst, erst als er vom Tod des Valentin Seitz erfuhr, befragte er die Mutter nach dem Hergang der Tat. Über das Alter der Brüder und die Familie von Georg Friedrich Seitz schweigt das „Edenkobener Anzeigenblatt“. rk

Im Namen des Teufels
Autor:

Dehäm Magazin aus Ludwigshafen

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