„Ewigkeitschemikalien“ PFAS: Umweltverbände ringen um schnelle Lösung für größte Umweltkrise

BUND und Professor Armin Grau haben eine Wasserprobe im Büro des Wahlkreisabgeordneten genommen | Foto: Sabine Laubner-Draheim
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Ludwigshafen. Experten der Umwelthilfe sprechen von der größten Umweltkrise, die es jemals gab, durch sogenannte PFAS. Der BUND Rheinland-Pfalz und die BUND Kreisgruppe Ludwigshafen haben deshalb gemeinsam eine Trinkwasserprobe im Büro des Wahlkreisabgeordneten Armin Grau genommen. Der BUND beprobt derzeit zusammen mit 50 Politiker*innen in Deutschland stichprobenartig das Trinkwasser, um die PFAS Konzentration auf einer Karte auszuweisen.

Von Julia Glöckner

PFAS sind eine Gruppe aus 1000 äußerst stabilen Fluor-Kohlenstoff-Verbindungen, die in der chemischen Industrie künstlich hergestellt werden. Wegen ihrer Stabilität werden sie etwa für die Produktion von Teflon-Pfannen, Regenjacken, Fast-Food-und Lebensmittel-Verpackungen, Backpapier, Kleidung, Kosmetika genutzt. Diese Produkte machen PFAS-Stoffe wasser-, schmutz- und fettabweisend. In der Natur kommen sie allerdings nicht vor – und durch ihre Stabilität sind die Verbindungen quasi nicht mehr aufzubrechen, was ihnen den Namen Ewigkeitschemikalien eingebracht hat.

Über die industrielle Produktion gelangen seit Jahrzehnten ständig winzige Mengen in die Luft, in die Böden und sickern ins Grundwasser ein. Weil PFAS nicht zerfallen, reichern sie sich dort immer weiter an.

Jeder Mensch trägt sie in geringer Konzentration bereits in sich, nimmt sie über Nahrungskette und Trinkwasser auf. Solange sie im Blut unterhalb des Grenzwerts nachgewiesen werden, gilt dies noch als unbedenklich. Sind sie oberhalb des Grenzwerts im Organismus nachgewiesen, können sie fortpflanzungsschädigend wie TFA, krebserregend wie PFOA aus Skiwachs und immundegenerativ wirken. Die deutsche Umwelthilfe spricht von der größten Umweltkrise seit eh und je durch PFAS.
Für die Stoffe gelten daher ab 2026 im Trinkwasser Grenzwerte von 100 Nanogramm pro Liter (ng/l) und von 20 ng/l bei den gefährlichen PFAS-Stoffen.

Politik und Forschung ringen um Lösungen, damit solche Grenzwerte in der Umwelt langfristig erreichbar bleiben sowie Böden und damit Lebensmittel unbelastet bleiben. Die Beprobung von Ernten durch Aufsichtsbehörden ist bereits gängige Praxis, weil die Böden bereits ohnehin mancherorts belastet sind und PFAS auch in manchen Pestiziden steckt. Werden bedenkliche PFAS-Werte nachgewiesen, dürfen Bauern Getreide und Gemüse nicht auf den Markt bringen.

Reach-Verordnung wird diskutiert

Deutschland und 5 weitere EU-Länder haben die Reach-Verordnung auf den Weg gebracht, die PFAS in Herstellung und Nutzung stark regulieren soll. Doch das Gesetzgebungsverfahren sind lang. Die Lobby aus Industrie, Wirtschaftsverbänden und einzelnen Forschungseinrichtungen versuchen, das PFAS-Verbot noch herauszuzögen, das das größte Chemieverbot bislang sein würde. Es kann mit hohen Umsatzeinbußen einhergehen, solange es bis nach 2027 keine hinreichenden Alternativen gibt.

Mit der Reach-Verordnung gerät die Chemie unter großen Substitutionsdruck. Für die meisten Produkte gilt daher nach ihrem Beschluss eine Übergangszeit von 18 Monaten, um PFAS durch andere Stoffe zu ersetzen. Für wichtige Produkte, für die noch an Alternativen geforscht wird oder solche, deren Nutzen höher ist als der Schaden wie etwa Medizinprodukte, soll es Übergangsfristen geben. Für ihren Austausch hat die Industrie zwischen 6,5 und 13,5 Jahren Zeit. In Medikamenten bleibt der Umstieg auf Alternativen unbefristet. Mit einer Einigung wird frühstens 2027 gerechnet.

Der BUND setzt sich für eine nicht weiter verschleppte Beschränkung der PFAS auf nationaler und EU-Ebene ein. „Die Europäische Chemikalienagentur ECHA hatte hierzu bereits im Februar 2023 einen Vorschlag veröffentlicht. Der Umweltverband fordert, dass Deutschland den Vorschlag aktiv unterstützt. Zudem sollen nicht wie bisher die Verbraucher, sondern die Industrie die Kosten für Reinigung und Sanierung tragen“, heißt es in der Pressemitteilung des BUND.

Noch im Winter sollen die Ergebnisse aus den 50 Proben, von denen auch ein in Graus Büro entnommen, vorliegen. Eine Karte soll zeigen, wie weit verbreitet die PFAS-Stoffgruppe aus rund 1.000 Chemikalien im kostbaren Trinkwasser bereits ist.

Auch Konsumenten können der immer größeren PFAS-Belastung entgegenwirken, auf beschichtete Fast-Food-Verpackungen oder Tüten aus Papier-Plastik-Mix verzichten, wie einzelne Discounter sie anbieten. In den USA sorgen diese Verpackungen bereits für massive PFAS-Belastungen, weshalb auch dort die Verpackungssteuer neu diskutiert wird. Verbraucher können Müll vermeiden, kein Teflon mehr kaufen, nicht belastete Kleidung tragen oder ganz auf Unverpackt umsteigen. Solange die Teflon-Pfanne keine Kratzer aufweist, ist ihre Nutzung jedoch unbedenklich und sie muss nicht entsorgt werden. Denn auch durch langen Gebrauch von Produkten verhindern Verbraucher, dass immer mehr PFAS in die Umwelt gelangt.

Die Forschung sucht außerdem nach Verfahren, PFAS bei geringeren Temperaturen aufbrechen zu können, um die Ewigkeitschemikalien zu zersetzen, damit sie die Umwelt wegen ihrer Langlebigkeit dauerhaft belasten. Bislang ist es jedoch nicht möglich, PFAS effektiv unschädlich zu machen, bevor sie in die Umwelt gelangen. jg

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Autor:

Julia Glöckner aus Ludwigshafen

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