Eröffnungspremiere beim Filmfestival
Filme fürs Neuerfinden im Krisenmodus

Julia Nachtmann, Josefine Preuß, Neda Rahmanian, Maximilian Grill, Mathias Koeberlin, Regisseurin Otterbach, Produzentin (v.l.) | Foto: Julia Glöckner
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  • Julia Nachtmann, Josefine Preuß, Neda Rahmanian, Maximilian Grill, Mathias Koeberlin, Regisseurin Otterbach, Produzentin (v.l.)
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Ludwigshafen. Die Veranstalter erwarten 2023 mindestens 100.000 Besucher beim "Festival des deutschen Films". Bereits die Premiere des Films „Gäste zum Essen“ am Eröffnungsabend Ende August lockte tausende von Gästen auf die Parkinsel. Mit hunderten von Filmfans in zwei Zelten war der Eröffnungsfilm restlos ausverkauft.

Es kamen rund 50 Ehrengäste aus Politik und Film, darunter die berühmten Filmdarsteller Mathias Koeberlin, Maximilian Grill, Neda Rahmanian und Josefine Preuß. Viele hatten keine Karten mehr bekommen und kamen nur, um in der festlichen Atmosphäre die Uferpromenade entlang zu flanieren, einen Weißherbst zu genießen oder um die Stars beim Filmgespräch zu sehen.

Von Julia Glöckner

Ergreifende Eröffnungsrede

In seiner bewegenden Eröffnungsrede über den Krisenmodus, den die Menschen aktuell erleben, suchte Festivalgründer Michael Kötz nach Bewältigungsstrategien. „Wir fühlen mehr denn je eine unbestimmte Bedrohung und Ohnmacht. Denn die Welt ist groß geworden, sehr groß: Wir begreifen, dass sie verzahnt und verwoben ist und unser Lebensraum bestimmt und beeinflusst ist von Dingen in der Ferne“, von der Inflation, dem Krieg, von der Hitze, von der Globalisierung, so Kötz. „Gerade diese Globalität erscheint uns unheimlich, denn sie ist struktureller Natur: Sie hat keine konkrete Ursache, keinen klaren Ausgang. Sie überfordert uns und vermutlich auch diejenigen, die in ihr international erfolgreich agieren. Um ihre komplexen Mechanismen zu durchschauen, braucht es ganze Institute.“

Das Erfahren solcher komplexen Abhängigkeiten von anderen und der Welt erschüttere nun unsere komfortable kleine Welt der unendlich verfügbaren Dinge. „Dabei hatten wir uns in ihr so schön eingerichtet – in unserem geschützten Bereich aus Familie und engen Freunden, in dem wir uns bislang nur um einige wenige kümmern mussten“, sagte Kötz. 

„Vielleicht muss man sich das zurückholen, was man verloren hat – was zwischen uns und der Welt liegt: den Stadtteil, in dem wir leben, das Zusammengehörigkeitsgefühl, das uns Menschen eigentlich ausmacht, Orte gesellschaftlichen, öffentlichen Lebens, aber auch des politischen Lebens, an denen man sich treffen und austauschen kann“, betonte Kötz. Dabei gelte es sich nochmal neu zu erfinden und wieder ernst zu nehmen. Das gelinge einmal mehr auf der Parkinsel mit den Geschichten, in denen wir uns unseres Daseins versichern, es vergleichen, manches wiedererkennen und neu reflektieren. „Gute Filme sind Indikatoren für Befindlichkeiten des Menschen. Die Filme in diesem Jahr erzählen von Liebe, Glück, menschlicher Übertreibung, Schwächen, sozialen Spaltungen unserer Gesellschaft – und manchmal auch davon, wie man sich aus den Tiefen emporheben kann, sich aufmachen, dem zu entkommen, was einen scheinbar im Griff hat – damit wir es wieder loswerden, das dumpfe Gefühl des gefühlten Krisenmodus.“ 

Kötz warnte vor einer künftigen Welle des „Rückzugs, der Verengung aus der Globalität – dem rückwärtsgewandten Weg der konservativen Parteien“ aus der Krise, die sie immer wieder betonen. Der Populismus der Konservativen wolle nur die Sehnsucht der Menschen wecken, in den alten, geschützten Bereich zurückzukommen. Protektionismus schade aber der Wirtschaft. „Dabei haben diese Parteien alle nichts zu sagen, außer über das Zurückgehen in der Zeit, dass es nötig ist, die Notbremse zu ziehen“, erklärte Kötz. „Nichts kann aber so sein, wie es früher war und nichts kommt noch einmal. Zurückgehen geht nicht. Nicht einmal Trump kommt wieder“, sagte Kötz, während der Saal tobte. Nur Besinnung sei möglich, auf das was, richtig und falsch war und auf die guten Entwicklungen.

Kulturministerin Katharina Binz sprach vom „schönsten Filmfestival Deutschlands“. Sie betonte, dass Festivalgründer Michael Kötz und alle Mitwirkenden mit Vision, Leidenschaft, Expertise und Risikobereitschaft das Filmfestival zu einem kulturellen Glanzlicht fürs Land gemacht hätten. Seit 2023 sind im Haushalt von Rheinland-Pfalz 150.000 Euro Zuschuss fürs das jährliche Filmevent abrufbar. Auch der Hauptsponsor BASF unterstützt das Festival weiterhin.

Eröffnungsfilm "Gäste zum Essen"

„Gäste zum Essen“ erzählt von Standesdünkeln, Vorurteilen, unerfüllten Erwartungen an die Familie. Nur die Liebe der Kinder führt die beiden unterschiedliche Familien beim Essen zusammen, die privilegierten Fabers (Mathias Koeberlin und Neda Rahmanian) und die Papovs – Monika Popov (Josefine Preuß) arbeitet an der Käsetheke, Viktor Popov (Maximilian Grill) ist Gärtner.

Für Soraya Faber ist der neue Freund ihrer Tochter und seine Familie nicht gut genug. Denn in ihrem Leben lief aus ihrer Sicht alles top, sie hat Stil, eine Villa mit Pool, die sie mit ihrem Mann als Architektin selbst geplant hat, sie ist kultiviert und intellektuell überlegen. Für seine „seltsame Art“ und sein peinliches Geheimnis, das beim Essen ans Licht kommt, kann sie den Vater des Freunds ihrer Tochter nur verurteilen. Zu spät wird ihr klar, dass sie erst kürzlich das gleiche gemacht hat und sie eigentlich ziemlich frustriert und verzweifelt ist.

Aber Soraya ist nicht der einzige unleidige Mensch am Tisch. Die Gegensätze scheinen unüberwindbar. Voreingenommenheit und der Glaube, dass man doch ein besserer Mensch als die anderen ist und mehr im Leben richtig macht, verschärfen die Fronten. Selbst die kultivierten Fabers verlieren in der Nacht alle Hemmungen – Ihre Villa wird zu einem unkultivierten Schlachtfeld aus fiesen Dialogen, Anfeindungen, Eheknatsch. Im Pool geht Soraya auf ihren Mann los, der nach Luft schnappt. Wenn nicht alles so witzig wäre, wäre des Kammerspiel genauso verstörend wie Polanskis „Gott des Gemetzels“.

Filmgespräch mit Darstellern und Regisseurin

„Ich wollte etwas zu den Themen Familie und Klassenkonflikte erzählen. Gesellschaftskonflikte werden im deutschen Kino selten gezeigt“, sagte Drehbuchautorin und Regisseurin Carlin Otterbach beim Filmgespräch. Den Stoff habe sie als Kammerspiel entwickelt, also als Film mit wenigen Darstellern, bei dem die Dialoge das Wesentliche sind. „Ich wollte ihn selbst produzieren können, falls ich keine Geldgeber finden würde“, sagte Otterbach. Dennoch wirkt der Film nicht wie ein Kammerspiel – er spielt in der großen Villa der Fabers und beim Dreh vermied man doppelte Kameraeinstellungen. Neda Rahmanian hat die Rolle „Soraya Faber“ gereizt: „Mich hat die Frau interessiert, die unter Hochspannung die Vorbereitungen trifft, einem Abend entgegensieht, auf den sie keine Lust hat und Konversationen führt, auf die sie keine Lust hat – die sich durch die Dialoge kämpft. Die Not der Figur hat mich fasziniert.“ Auch Mathias Koeberlin hat das Drehbuch überzeugt: „Die Kinder sind erwachsener als die Erwachsenen. Das ist zutiefst menschlich, andere erkennen sich wieder – es ist ein schmaler Grat.“ jg

Der Film wird am Montag, 14. September, im ZDF ausgestrahlt. In der Mediathek ist er ab 7. September verfügbar.

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Julia Nachtmann, Josefine Preuß, Neda Rahmanian, Maximilian Grill, Mathias Koeberlin, Regisseurin Otterbach, Produzentin (v.l.) | Foto: Julia Glöckner
Festival des deutschen Films | Foto: Internationales Filmfestival
Autor:

Julia Glöckner aus Ludwigshafen

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