Bürger verärgert: Noch gibt es keine der angekündigten Alternativen
Wo sind die Parkplätze im Karlsruher Osten?

Bei Markierungsarbeiten im Karlsruher Osten
  • Bei Markierungsarbeiten im Karlsruher Osten
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Karlsruhe. Ob Besucher von Kneipen, Ortsfremde oder Fahrer, die sich einen „feuchten Kehricht“ um Bewohnerausweise kümmern: Weit und breit ist in etlichen Stadtteilen abends kein Parkplatz in Sicht!

Das massive Streichen von Parkplätzen durch die Stadt Karlsruhe nervt Bewohner. „Was soll ich denn machen? Ich arbeite Spätschicht, da fahren auch keine gescheiten Bahnen mehr – aber ich finde keinen Parkplatz“, ärgert sich Peter Huber aus dem Karlsruher Osten. Leider kein Einzelfall: Immer häufiger bekommt das „Wochenblatt“ die Beschwerden der Bürger mit. Das Streichen vieler Parkflächen ohne Ersatz war keine städtische Glanztat. Zudem gibt’s von den angekündigten Ausgleichsflächen noch keine!

Ein Blick auf die Statistik würde reichen
Beispielsweise die Karlsruher Oststadt: 21.072 Menschen leben hier, in 10.700 Wohnungen (1.192 Wohngebäude, Daten von 2018). Dazu kommen, so der Statistikatlas, 9.694 Kraftfahrzeuge. Eine Menge, die die schwierige Parksituation im klassisch bebauten Stadtteil im Karlsruher Osten deutlich aufzeigt. Wo sollen die denn abgestellt werden? Schließlich hat man im 19. Jahrhundert für diese Menge weder Parkplätze noch Tiefgaragen geplant. Es gehört schon eine gehörige Portion Chuzpe dazu, diese Fakten auszublenden – und Bewohnern zuzumuten, Abend für Abend auf lange Parkplatzsuche zu gehen.

Auch der Bürgerverein moniert die fehlenden Stellflächen
„Ein aktuelles Thema“ befand auch der Bürgerverein der Oststadt. „Der Bau von Parkhäusern in Wohnvierteln ohne ausreichend zu Wohnungen gehörenden Stellplätzen wäre durchaus sinnvoll“, schreibt der Bürgerverein in seinem Mitteilungsblatt "Oststadtbürger". Doch aktuell laufen mehrere genehmigte Bauprojekte in der Oststadt, die nicht genügend neue Stellflächen bieten – ob neues Finanzamt, Nachverdichtungen, KVV-Baukomplex oder Bebauung am Alten Schlachthof (sogar ohne Stellflächen). Dies wird die eh angespannte Situation in der Oststadt noch weiter belasten.In einer Umfrage des Bürgervereins in Sachen Stellplatzbedarf geben 63 Prozent der Befragten an, einen freien Stellplatz erst in 100 oder mehr Metern Entfernung zu finden. Dazu würde jeder zweite Befragte durchaus eine Garage in akzeptabler Entfernung anmieten. Doch bislang gibt's noch nicht einmal Signale aus dem Karlsruher Rathaus dazu. 

"Jetzt entdecken" auch Parteien die Sorgen der Bürger
Kein Wunder, dass der Unmut der Bürger weiter wächst, Parteien dies auch aufgreifen. „In den Stadtteilen Oststadt, Innenstadt-Ost, Innenstadt-West, Weststadt, Südstadt und Südweststadt wird eine Anwohnerbefragung über die aktuelle Parksituation, den Fahrzeugbestand und das private Stellplatzangebot durchgeführt“, fordern die Linken. Erstaunlich ist dieser Antrag, denn eine solche Abfrage des Ist-Zustands hätte vor der Streichung der Stellflächen erfolgen müssen, wurde aber nicht gemacht! „Durch den weiter zunehmenden Pendlerverkehr und ein konstant hohes Aufkommen von Verkehrsströmen durch den motorisierten Individualverkehr, besteht auch außerhalb der aktuell definierten Anwohnerparkzonen eine hohe Konkurrenzsituation beim Parken“: Eine Feststellung, die Bürgervereine und auch das „Wochenblatt“ schon vor Monaten formulierten, die Mehrheit des Gemeinderats hat aber bei diesem Thema bisher schlicht die Augen verschlossen! Zur "Verringerung des Verkehrs bei der Parkplatzsuche“ wollen die Linken nun mit der Ausweitung der Anwohnerparkzonen den Parkplatzbedarf der Karlsruher Bürger priorisieren.

Das Thema "Streichen von Parkplätzen" hat aber auch schon die Karlsruher CDU thematisiert, wollte wissen, wie der aktuelle Stand an Parkflächen in Karlsruhe ist - allerdings hatte die Verwaltung damals keine aktuellen Zahlen parat - und auch die Nachfrage des "Wochenblatt" war nicht erfolgreich: Die Verwaltung gab zu, dass man nicht wisse, wieviele Parkplätze es in Karlsruhe gibt. Seitdem ist nun aber schon geraume Zeit ins Land gegangen, doch aktuelle Zahlen gibt's noch immer nicht! 

Die AfD fordert zudem eine „Optimierung der Parkflächen“, denn „die Neuordnung des Parkens am Straßenrand hat in Karlsruhe den Verlust vieler Parkflächen zur Folge.“Mit einfachen Mitteln könnten deutlich mehr Parkplätze bereitgestellt werden: Hierzu müssten nur die eingezeichneten Parkflächen optimiert, das heißt vergrößert werden, und das sei an vielen Stellen möglich. "Insbesondere vor und hinter Kurven, Kreuzungen, Einmündungen und Einfahrten ist der Abstand vom Ende bzw. bis zum Beginn der eingezeichneten Parkflächen zu groß", moniert die AfD: "Hier sind unnötigerweise Parkplätze verloren gegangen." Ein weiteres Phänomen zeige sich im Zuge der Neuordnung: Die Durchfahrtsbreite sei vielerorts derart einschränkt, dass einander begegnende Fahrzeuge zu kollidieren drohen. An Stellen, an denen man früher gefahrlos aneinander vorbei fahren konnte, sei nun zeitraubendes Ausweichen und Rangieren notwendig: "Dies führt zu zusätzlichen Abgasen und zusätzlicher Lärmbelästigung."

Warum werden abends nicht Bewohnerbereiche kontrolliert?
Alles Dinge, die den Bürgervereinen schon seit Monaten bekannt sind, auf die sie die Verwaltung auch öfter hingewiesen haben - aber bedauerlicherweise bekamen auch etliche Bürger bis zum heutigen Tag keine Antworten auf ihre Anregungen zu diesem Thema. Auch ärgert Bürger, dass kaum Kontrollen abends in den Parkbereichen stattfinden! Das müsse regelmäßig erfolgen!

Petition gestartet
Kein Wunder, dass der Unmut der Bürger weiter wächst – und jetzt auch eine Petition [Hier geht's zur Petition] an Oberbürgermeister Frank Mentrup gestartet wurde: "Runde für Runde unterwegs, Sprit verfahren": 30 Minuten lang auf Parkplatzsuche zu gehen, sei in der Oststadt fast schon ein Muss, oft finde man einen dann acht Querstraßen weiter, fast schon im nächsten Stadtteil. „Wir benötigen mehr frei verfügbare Parkplätze in der Oststadt und weniger Maßnahmen, die zur Reduzierung der Parkmöglichkeiten in der Oststadt führen, wie die Errichtung des Fahrradweges auf der Karl-Wilhelm-Straße“, so Initiator Gregor Leschinski in der Begründung: „Immerhin wurde dieser errichtet, obwohl eine Studie bereits gezeigt hat, dass schon vor der Errichtung die Parkplatzsituation an dieser Stelle kritisch war.“ Allerdings hat die Petition nicht gerade viele Unterstützer bislang gefunden.

Parkplatzsuche sorgt für mehr Abgase im Viertel
Dabei ist Leschinski deutlich, spricht aus, was motorisierte Bewohner der Oststadt immer lauter artikulieren: „Die zuständige Behörde hat sich wohl gedacht, ein paar Parkplätze weniger können nicht schaden“, doch die meisten seien auf ihr Auto angewiesen, stiegen nicht um auf das Rad. Zudem würden weniger Parkplätze einen exponentiellen Anstieg der Zeit für die Parkplatzsuche bedeuten: „Das bedeutet weniger Zeit für die Familie und kostet einfach Lebensqualität“, so Leschinski: Zudem koste die Parkplatzsuche mehr Sprit und sorge für mehr Abgase im Viertel. (ht)

Infos zum Thema hat zum Beispiel auch der Bürgerverein der Oststadt, www.bv-oststadt.de

Autor:

Jo Wagner

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