Pflegenot in Kaiserslautern: Hitze setzt Wildvögeln zu
- «Hitzespringer» brauchen Hilfe des Menschen.
- Foto: Jeanette Mayer/Mauerseglerhilfe Apus e. V./dpa
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Kaiserslautern. Die Hitzewelle belastet im Südwesten nicht nur Menschen, sondern auch viele junge Wildvögel. In Kaiserslautern und weiteren Pflegestellen in Rheinland-Pfalz, im Saarland, in Baden-Württemberg und Südhessen stoßen Helferinnen und Helfer derzeit an ihre Grenzen.
Für Jenny Leuteneker von der Initiative Wildvögel des Vereins „Taubenhilfe Kaiserslautern“ beginnt der Tag nach eigenen Angaben um 5.30 Uhr und endet oft erst gegen Mitternacht. Aktuell versorgt sie mehr als 100 Vögel, darunter Spatzen, Amseln, Hausrotschwänze, Stare und Schwalben. Besonders betroffen sind laut den Pflegestellen sogenannte Dachbrüter. Viele Jungtiere verlassen bei großer Hitze vorzeitig das Nest, um den hohen Temperaturen zu entkommen.
Manche Tiere sind noch so jung, dass sie alle 15 bis 20 Minuten gefüttert werden müssen. Solche Fälle begleiten den Alltag in den Auffangstellen seit Ende Juni. Leuteneker nimmt einzelne Jungvögel sogar mit an ihren Arbeitsplatz, um die Versorgung sicherzustellen.
Vor allem Mauersegler brauchen Spezialpflege
Auch andernorts ist die Lage angespannt. Der Verein „Mauerseglerhilfe Apus“ in Gorxheimertal im Kreis Bergstraße hat in diesem Sommer nach eigenen Angaben bereits 800 Mauer- und Alpensegler in acht Pflegestellen in Deutschland aufgenommen. In der eigenen Station seien rund 100 Tiere aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Baden-Württemberg versorgt worden. Vorsitzende Jeanette Mayer spricht von einer Saison, die alles Bisherige übertreffe.
Nach Angaben des Vereins ist die langanhaltende Hitze für Nestlinge lebensbedrohlich. Mauersegler springen demnach instinktiv aus überhitzten Nestern, obwohl sie noch nicht flugfähig sind. Am Boden seien sie ohne Hilfe meist nicht überlebensfähig.
Die Pflege dieser Vögel gilt als besonders anspruchsvoll. Mauersegler sind reine Insektenfresser und dürfen laut Fachleuten nur mit geeigneten Insekten ernährt werden. Schon eine falsche Fütterung könne schwere Folgen haben und die spätere Auswilderung unmöglich machen. Hinzu kommt, dass Gefieder, Schnabel und Schleimhäute sehr empfindlich sind.
Auch Schwalben sind von der zweiten Brut betroffen
Sandra Manier von der ehrenamtlichen Wildvogelhilfe in Mannheim, die sich in Rohrbach bei Landau auf Schwalben spezialisiert hat, berichtet ebenfalls von außergewöhnlich vielen Fällen. Während der ersten Hitzewelle Ende Juni versorgte sie nach eigenen Angaben mehr als 100 Tiere. Inzwischen sei die zweite Brut betroffen. Derzeit bereitet sie rund 70 Schwalben in einem Flugzimmer auf die Freiheit vor.
Die Belastung für die Ehrenamtlichen ist nicht nur zeitlich hoch. Mit der Zahl der Jungvögel steigen auch die Kosten. Nach Angaben der Wildvögel-Hilfe in Kaiserslautern haben sich die Ausgaben in dieser Saison allein für Insekten auf mehr als 1.600 Euro verdoppelt. Dazu kommen je nach Art weitere Futtermittel wie Sämereien, Nussmischungen und Obst.
Pflegestellen suchen Spenden und Helfer
Mehrere Stationen berichten von Überfüllung. Teilweise mussten sie einen Aufnahmestopp verhängen. Gesucht werden deshalb nicht nur Spenden, sondern auch ehrenamtliche Unterstützer.
- benötigt werden Helfer für Reinigung und Versorgung in den Stationen
- gesucht werden Fahrer für Notfalltransporte von gefundenen Mauerseglern
- langfristig sollen weitere fachkundige Helfer ausgebildet werden
Auch wenn die Temperaturen zuletzt etwas gesunken sind, sehen die Beteiligten in der Hitzewelle einen Hinweis auf die Folgen extremer Wetterlagen für heimische Gebäudebrüter. Solche Situationen könnten nach Einschätzung der Pflegestellen künftig häufiger auftreten. dpa/red
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Autor:Monika Klein aus Kaiserslautern |