Krebspatient Michael Höß hat vor drei Jahren eine Selbsthilfegruppe gegründet
Austausch mit Gleichgesinnten

Michael Höß, Initiator der Selbsthilfegruppe „Leben mit Krebs“ im Rahmen eines Besuchs bei der Zweigstelle Kaiserslautern der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz e.V.
  • Michael Höß, Initiator der Selbsthilfegruppe „Leben mit Krebs“ im Rahmen eines Besuchs bei der Zweigstelle Kaiserslautern der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz e.V.
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Selbsthilfegruppe.Krebs gehört zu den gefürchtetsten Diagnosen überhaupt. Von einem auf den anderen Moment ist plötzlich alles anders. Das Loch, in das die Betroffenen fallen, könnte tiefer nicht sein. Der Boden unter den Füßen verschwindet – für viele sogar für eine lange Zeit. Kaum eine andere Diagnose ist für Patienten und Angehörige belastender und mit mehr Ängsten verbunden als die Mitteilung des Arztes, dass eine Krebserkrankung festgestellt wurde. Betroffene plagen große Sorgen, das ganze Leben scheint aus den Fugen. Und über allem steht die Frage: Wie geht es nun weiter?

Von Ralf Vester

So erging es auch Michael Höß aus dem südwestpfälzischen Leimen. Der 63-Jährige hatte Ende 2010 mit verstärkter Müdigkeit und zahlreichen Erkältungen mit Fieber zu kämpfen. Die Sache bedurfte einer Abklärung. Die endgültige Diagnose hatte es in sich: Lungentumor. Im Westpfalz-Klinikum wurde ein nicht unerhebliches Stück Lunge entfernt. Metastasen hatten sich gebildet, es bedurfte zusätzlich einer entsprechenden Chemotherapie. „Es ging mir miserabel, ich wog gerade mal noch um die 50 Kilo und hatte keine Haare mehr“, blickt Höß zurück.

Es folgte ein schlimmes Jahr, das auch für Frau und den damals 21-jährigen Sohn extrem fordernd war. Hinzu kamen finanzielle Sorgen aufgrund des Berufsausfalls, viel Bürokratie, bis die Erwerbsminderungsrente bewilligt war. Plötzlich muss man sich mit medizinischen und sozialrechtlichen Dingen auseinandersetzen, die noch wenige Tage zuvor unwichtig erschienen – und von denen man noch nicht einmal wusste, dass es sie gibt.

Der Leimener hatte sich komplett abgeschottet und kaum mehr soziale Kontakte. Hilfe lehnte er zunächst ab. Die Betroffenen können von all dem ein Lied singen. Zwar war irgendwann das Gröbste erst mal ausgestanden. Aber die Angst blieb freilich – bis heute. Es folgten über die Jahre hinweg engmaschige CT-Kontrollen etc., immer verbunden mit der Angst, dass sich neue Krebsherde gebildet haben könnten, die ihn wieder zurückwerfen könnten.

Es bedurfte einiger Zeit, bis Michael Höß wieder den Kopf zu heben begann und sich für die Außenwelt und somit auch für Hilfe öffnete. Er begann, derlei Angebote anzunehmen und hatte schließlich den Wunsch, eine eigene Selbsthilfegruppe ins Leben zu rufen. Im Jahr 2017 war es dann so weit: In Pirmasens wurde die Selbsthilfegruppe „Leben mit Krebs“ mit Unterstützung der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz gegründet. Die Gruppe, die sich seither regelmäßig jeden ersten Dienstag im Monat in „Kuchems Brauhaus“ trifft, ist nicht nur offen für alle Krebspatienten, sondern auch für deren Angehörige.

Im Vordergrund steht der Austausch über Erfahrungen der Behandlung, aber auch der Krankheitsbewältigung im Alltag sowie der Umgang mit den vielfältigen Ängsten. „Allein mit der Angst und den Sorgen um sich selbst und seine Angehörigen muss jeder Patient selbst seinen Weg finden, mit der Situation umzugehen. Manche ziehen sich zurück, wollen niemanden sehen, mit niemandem sprechen. Die meisten aber wollen sich gerne aussprechen, suchen Rat und Unterstützung, Aufmunterung und Trost. Dafür sind wir dann da, wenn die erste Hemmschwelle, über seine Erkrankung zu sprechen, überwunden ist“, erklärt der Initiator der Gruppe.

Trotz sorgenvoller Themen will die Selbsthilfegruppe auch dazu beitragen, dass die Teilnehmer auf andere Gedanken kommen und miteinander lachen. „Familie und Beruf fordern nach der Reha und der Wiedereingliederung ihren Tribut. Behördengänge stellen einen hohen Aufwand dar, da muss man hin und wieder abschalten“, betont Höß, dessen Gruppe von einem Psychoonkologen der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz begleitet wird. Weitere fachliche Betreuung, beispielsweise in Form von Diplom-Pädagogen, runden das Angebot ab.

Manche Themen sind den an Krebs Erkrankten auch schlicht peinlich. Wer redet mit Freunden und Angehörigen schon gerne über Themen wie therapiebedingte Inkontinenz, Impotenz oder dergleichen. Der Austausch mit Gleichgesinnten kann unheimlich befreiend wirken. Zu sehen, dass andere Patienten ähnliche Erfahrungen machen und die eigenen Ängste und Sorgen teilen, zeigt, dass sie mit ihren Gedanken und Gefühlen nicht allein sind. Die Gruppe ist seit ihrer Gründung stetig gewachsen und hat sich kontinuierlich weiterentwickelt. Weitere Teilnehmer sind immer willkommen, gerade auch aus der jüngeren Generation.

Kontakt:
Selbsthilfegruppe „Leben mit Krebs“
für Krebspatienten und Angehörige
Ansprechpartner: Michael Höß
Telefon: 0176 35190806,
E-Mail: info-selbsthilfegruppe.hoess@gmx.de

Autor:

Ralf Vester aus Kaiserslautern

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