Behindertenhilfe bestätigt Vorstand - „Toleranz täglich aufs Neue erkämpfen“
Wenn eine Welt zusammenbricht

lThomas Stolz, Christa Endler und Rupert Schönmehl (von links) Foto: PS
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Landstuhl. Die Mitgliederversammlung der Behindertenhilfe Westpfalz e.V. hat ihren Vorstand im Amt bestätigt. Rupert Schönmehl (Otterberg) bleibt Vorsitzender. Christa Endler (Merzalben) wurde als zweite Vorsitzende, Thomas Stolz (Queidersbach) als dritter Vorsitzender gewählt, jeweils einstimmig.

Zurzeit hat der Verein rund 1.600 Mitglieder und betreut darüber hinaus noch zahlreiche Menschen mit Beeinträchtigungen aus der gesamten Nord- und Westpfalz. In seinem Grußwort würdigte der Geschäftsführer des Ökumenischen Gemeinschaftswerkes der Pfalz, Dr. Walter Steinmetz, die Leistungen des Vereins und hob die Wichtigkeit einer der „Mütter“ des Gemeinschaftswerkes hervor.
Die Behindertenhilfe, damals noch ein reiner Elternverein, gab vor 51 Jahren wesentliche Impulse für die pfalzweite Einrichtung. Seit seiner Gründung hat der Verein erst zwei Personen als Vorsitzende gehabt: Mathilde Kahseböhmer als Urheberin und seit 1993 Rupert Schönmehl - ein seltener Fall von Kontinuität bei Vereinen.
In seinem Rechenschaftsbericht gab Rupert Schönmehl einen Überblick über das letzte Geschäftsjahr und stellte dabei die hohen Beratungsleistungen des Vereins dar. Fast 600 Intensivgespräche gab es im maßgeblichen Zeitraum, die in der Folge enorme Arbeiten auslösten. „Wir sind immer da, wenn eine Welt zusammenbricht“, sagte der Vorsitzende. Unfälle, schwere Krankheitsfolgen, altersbedingte Behinderungen seien Fälle, an die man im glücklichen Alltag nicht denke.
Mit zahlreichen Veranstaltungen ging der Verein nach draußen, und zwar in der gesamten Region. Themen wie Betreuungsrecht, Vorsorgeverfügungen und Erbrechtsfragen speziell für Familien mit Beeinträchtigten, standen im Angebot und wurden intensiv nachgefragt.
Überdies betreibt eine Tochtereinrichtung der Behindertenhilfe eine Einrichtung zur Betreuung von Testamentsvollstreckungen Behinderter und deren Angehörigen. Völlig unbefriedigt nannte Schönmehl das Spendenaufkommen. Von „draußen“ komme nur von einer Handvoll Personen und Unternehmen finanzielle Unterstützung. Das Volumen mache kaum fünf Prozent der Sach- und Personalkosten aus. Obwohl der Verein mit geringsten Mitteln seine Arbeit erbringe, gehe die Kostenschere weiter zu.
„Wir sind offenbar nicht als Werbeträger oder Spendenempfänger interessant, weil unsere
Behinderten keine wirtschaftliche Gegenleistung erbringen können“, so Schönmehl. Etwa ein Drittel der Mitglieder sei so arm, dass man noch nicht einmal mit dem Mindestbeitrag von zwei Euro rechnen dürfe.
Die Mitgliederversammlung nahm die Idee auf, an die etwas besser belastbaren Mitgliedern
die Bitte heranzutragen, freiwillig ihren ohnehin schon höheren Monatsbeitrag aufzustocken.
Unter der Leitung von Erhard Lutz wurde der Vorstand neu gewählt. Neben Schönmehl, Endler und Stolz gehören ihm künftig Iris Hersina, Boris Bohr, Arnold Kölsch und Klaus Grumer an. Die Benennung des Kuratoriums durch den Vorstand in seiner konstituierenden Sitzung erfolgt anhand einer Vorschlagsliste, die noch offen ist.
In der ausgiebigen Diskussion befanden die Mitglieder, dass die Inklusion bislang weitgehend nur in Sonntagsreden vollzogen sei. So gäbe es beispielsweise bei vielen Veranstaltungen weder Parkplätze für Behinderte noch behindertengerechte Toiletten. Damit würden nicht nur die Beeinträchtigten selbst, sondern auch deren Familien, ausgegrenzt - das genaue Gegenteil dessen, was Inklusion eigentlich wolle.
Mit Sorge stellte die Versammlung fest, dass von Teilen der Öffentlichkeit Beeinträchtigte als Menschen in Frage gestellt würden. „Ein schrecklicher Zungenschlag“, so Schönmehl . Man dürfe als Behinderter nicht davon ausgehen, dass Förderungen wie bislang unumstritten bleiben würden. Populisten wollten sich offenbar auf dem Rücken der Schwächsten profilieren. „Freiheit und Toleranz müssen jeden Tag aufs Neue erkämpft werden. Fangen wir damit an“, schloss Rupert Schönmehl.ps

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