Beliebter Treffpunkt vor dem Aus: Quartiersbüro in Hochspeyer kämpft ums Überleben
- Das AWO Quartiersbüro in Hochspeyer befindet sich in der Hauptstraße 140. Quartiersmanagerin Alexandra Wolf steht neben dem Verschenkregal am Eingang
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Hochspeyer. Noch läuft alles wie gewohnt – doch die Zeit wird knapp: Ende Mai könnte das Quartiersbüro der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Hochspeyer schließen. Damit würde ein wichtiger Treffpunkt für viele Menschen im Ort wegfallen.
Von Monika Klein
Viel Zeit bleibt nicht mehr, um das Quartiersbüro der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Hochspeyer zu retten. Ende Mai läuft die Förderung durch die Deutsche Fernsehlotterie aus. Wenn kein Wunder geschieht, steht dieser soziale Treffpunkt schon bald vor dem Aus. "Wir alle sind ganz traurig", sagt Alexandra Wolf und schließt dabei ihre Kollegin sowie die Ehrenamtlichen mit ein.
Wolf war schon dabei, noch bevor das Quartiersbüro im September 2021 an den Start ging, damals in der Hauptstraße 91. Etwas später stieß Anna Dyck als zweite Quartiersmanagerin dazu. Zunächst war Aufbauarbeit erforderlich. "Wir haben eine Sozialraumanalyse durchgeführt und geguckt, was im Ort fehlt. Dann haben wir unsere Angebote danach ausgerichtet", beschreibt Wolf die ersten Schritte, die noch vor der eigentlichen Öffnung mit viel Herzblut angestoßen, dann umgesetzt und ausgebaut wurden.
Ein Ort der Begegnung und Unterstützung
Das Quartiersbüro hat sich innerhalb dieses Zeitraums zu einer Begegnungsstätte für Menschen jeden Alters und jeder Bevölkerungsgruppe entwickelt, in der soziale Kontakte gefördert und Aktionen und Projekte umgesetzt werden. Zugleich sind Wolf und Dyck Ansprechpartner bei Problemen und können bei Bedarf an andere hilfreiche Stellen weitervermitteln. "Wir sind sehr gut vernetzt", hält Wolf fest.
- Wenn zum Ein-Euro-Frühstück eingeladen wird, ist der Gemeinschaftsraum fast immer bis auf den letzten Platz besetzt
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Zu den regelmäßigen Treffs gehören eine Krabbel- und eine Eltern-Kind-Spielgruppe, Gehirnjogging, digitale Hilfe, Handarbeitstreff, ein Seniorenmittagstisch, ein Brettspielabend und ein Deutschkurs für Frauen. Insbesondere das monatliche Ein-Euro-Frühstück sei beliebt, erzählt die Quartiersmanagerin. Dann werde es mit den 30 und mehr Anwesenden im Gemeinschaftsraum eng.
Darüber hinaus werden Aktionen wie Adventsfenster oder Wanderungen angeboten, denn ein Hauptziel ist, die Menschen zusammenzubringen. Einsamkeit ist laut Wolf ein großes Thema, das Zugezogene und Senioren genauso betrifft wie Eltern mit kleinen Kindern oder Migranten. "Wir wollen die Menschen in Gruppen vermitteln und soziale Kontakte herstellen, damit sie zusammenkommen und sich gegenseitig unterstützen."
Ehrenamt trägt das Projekt
Die Quartiersmanagerin schätzt, dass durchschnittlich zwischen 30 und 50 Personen wöchentlich die Angebote nutzen. Die 39-Jährige ist dankbar dafür, dass sich 28 Ehrenamtliche aus Hochspeyer und den umliegenden Dörfern einbringen, sei es wöchentlich, monatlich oder ab und an. "Wäre das nicht der Fall, könnten wir nicht so viel anbieten", betont sie.
Beim Aufbau der Angebote war die professionelle Unterstützung noch gefragt, dann entwickelten sich die Treffs zu Selbstläufern unter ehrenamtlicher Begleitung. "Es ist uns gelungen, eine Anlaufstelle für die Bevölkerung zu werden", bilanziert sie die fünf Jahre.
- Ein Bücher- und Tauschregal gehört ebenfalls zu den Angeboten
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Im Herbst 2025 hat die Einrichtung Räume in dem AWO-Service-Wohnen-Projekt in der Hauptstraße 140 bezogen. Ein Tausch- und ein Bücherregal sind dort aufgebaut und verschiedene Sammelboxen, die während der Öffnungszeiten des Quartiersbüros frei zugänglich sind. Dann ist auch Wolf oder Dyck anwesend, die sich eine 30-Stunden-Stelle teilen.
Finanzierung bricht weg
Bislang hat die Deutsche Fernsehlotterie das Begegnungszentrum mit 80 Prozent finanziert, was einer Summe von 70.000 Euro entspricht. Die übrigen 20 Prozent wurden von dem Wohltätigkeitsverband getragen. Die Gesamtsumme ist laut Wolf nicht von der AWO finanzierbar, sodass mit dem Auslaufen der Förderung aller Wahrscheinlichkeit nach das Ende des Quartiersbüro besiegelt ist.
Zwar wurden und werden viele Hebel in Bewegung gesetzt, doch das Ziel ist nicht in Sicht. Über ein Crowdfunding-Portal hat Wolf Mitte Februar einen Spendenaufruf unter https://www.gofundme.com/f/spenden-fur-das-quartiersburo-in-hochspeyer gestartet, auf dem bislang ernüchternde 1770 Euro (Stand 24. April) eingegangen sind.
Spendenflohmarkt und Sponsorensuche
Ein anderer Rettungsversuch ist der Spendenflohmarkt am Samstag, 9. Mai, von 10 bis 14 Uhr im Quartiersbüro. Gesammelt werden gut erhaltene Artikel außer Kleidung, Kuscheltieren und Bücher, die am
- Dienstag, 28. April, und am Dienstag, 5. Mai, jeweils zwischen 9 und 13 Uhr
- Donnerstag, 30. April, und am Donnerstag, 7. Mai, jeweils zwischen 9 und 13 Uhr
- Samstag, 9. Mai, zwischen 9 und 10 Uhr
abgegeben werden können und dann verkauft werden.
Wolf würde sich freuen, wenn zumindest eine Teilfinanzierung zustande käme, um die Anlaufstelle "für den Ort vor Ort", wie sie sie beschreibt, nicht komplett aufgeben zu müssen, denn: "Jetzt, wo es läuft, geht es wahrscheinlich nicht mehr weiter." Doch noch hat sie und ihre Kollegin das Projekt nicht ganz aufgegeben. Aktuell sind sie dabei, Sponsoren zu finden und Ideen für andere potenzielle Geldquellen zu entwickeln. Sollte das nicht klappen, geht sie davon aus, dass das Quartiersbüro nach einer Übergangsphase endgültig schließt.
Info und Kontakt
AWO Quartiersbüro Hochspeyer, Hauptstraße 140, 67691 Hochspeyer, https://www.awo-pfalz.de/
Quartiersmanagerinnen: Alexandra Wolf, Telefon 0152 54667346, Anna Dyck, Telefon 0170 5450044, E-Mail quartier-hochspeyer@awo-pfalz.de
Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag von 9 bis 13 Uhr sowie am letzten Freitag des Monats von 14 bis 18 Uhr
Autor:Monika Klein aus Kaiserslautern |
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