Corona-Tests und Testpflicht - jetzt spricht eine Schulleiterin
"Lehrer, die noch nicht geimpft sind, haben sehr emotional reagiert"

Corona-Testkit

Corona. Noch immer sorgt der Ruf aus der Germersheimer Kreisverwaltung nach einer indirekten Testpflicht für Schüler für Kontroversen in Politik und Gesellschaft. In einer nicht-repräsentativen Umfrage auf wochenblatt-reporter.de, an der sich bis zum Wochenende über 1.600 Leser aus der Pfalz und Baden beteiligt haben, stimmten 74,95 Prozent der Teilnehmer (1206) gegen eine solche indirekte Testpflicht. Nur 15,6 Prozent (244) waren für eine Testpflicht, weil sie denken, die Corona-Pandemie lasse sich nur so wirksam eindämmen. 9,88 Prozent (159) der Umfrageteilnehmer waren der Meinung, die Schulen sollten bei den derzeitigen Inzidenzen ganz geschlossen bleiben.
Während Landrat Dr. Fritz Brechtel weiter bei seiner Forderung bleibt, hat sich die Landesregierung Rheinland-Pfalz eindeutig gegen eine solche indirekte Testplicht ausgesprochen. Auch die Tatsache, dass die Bundesregierung nun deutschlandweit eine einheitliche Testpflicht für Schulen einführen will, sieht die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer kritisch, zumal es diese Testpflicht im Arbeitsleben bisher nicht geben soll. Für die Kinder und Jugendlichen heißt das: Liegt keine Einwilligung der Eltern für einen Corona-Test vor, verfällt der Anspruch auf Präsenzunterricht, sie müssten dann automatisch in den Fernunterricht.

Das Wochenblatt hat mit Ariane Ball, Schulleiterin am Goethe-Gymnasium Germersheim, über die freiwilligen Selbsttest und eine mögliche Testpflicht gesprochen.

???: Frau Ball, wie sind die Selbsttest bei Ihnen an der Schule angelaufen? Gab es Schwierigkeiten bei der Durchführung? 
Ariane Ball: "Schwierigkeiten bei der Durchführung gab es nur insofern, als noch immer einige Einverständniserklärungen von Eltern fehlen, und dass die Kolleginnen und Kollegen, die ja noch nicht geimpft sind, sehr emotional auf die Dienstanweisung zur Beaufsichtigung dieser Tests reagiert haben." Ansonsten sei alles gut verlaufen, auch seien bisher ausreichend Test angeliefert worden. 
Dass Lehrer mit der drohenden Testpflicht immer häufiger nach einem Impfangebot rufen, hört, man derzeit von vielen Schulen. Auch Dr. Fritz Brechtel, Landrat im Kreis Germersheim und der Schuldezernent Christoph Buttweiler fordern dieses bereits seit Wochen: Schuldezernent Christoph Buttweiler bekräftigt in dem Zusammenhang eine weitere Forderung, der man in Mainz bislang noch nicht nachgekommen ist: „Ich appelliere erneut an das Bildungsministerium, Lehrkräften und Bediensteten an weiterführenden Schulen ein Impfangebot unterbreiten zu können. Ich hoffe, dass darauf noch reagiert und unserer Forderung entsprochen wird. Nur so können wir die Sicherheit an den Schulen nachhaltig gewährleisten und dauerhaft einen Präsenzunterricht aufrechterhalten“, so Buttweiler bereits vor Ostern.

Ein Corona-Fall durch Selbsttests entdeckt

???: Gab es am Germersheimer Goethe-Gymnasium schon positive Selbsttest? 
Ariane Ball: "Ja, wir hatten bisher einen positiven Selbsttest - am ersten Testtag  in der Oberstufe am vergangenen Montag, die nächsten Testtage verliefen alle mit ausschließlich negativen Testergebnissen."
???: Wie sind an Ihrer Schule die Abläufe, wenn der Test eines Schülers positiv ist?
Ariane Ball: "In dem beschriebenen Fall suchte der Schüler danach eigenständig die Teststation beim DRK auf. Falls es sich bei den positiv Getesteten nicht um Oberstufenschüler handelt, werden die Eltern angerufen und der Schüler erhält eine separate - unter anderem durch einen Schulsozialarbeiter - bis zu seiner Abholung. Die Eltern erhalten von uns ein Infoschreiben und auch zum weiteren Procedere gibt es ein Schreiben des Gesundheitsamts."
Bei dem positiven Test in der Oberstufe bestätige die nachfolgende PCR-Testung das Ergebnis, bereits am Dienstag meldete das Gesundheitsamt des Kreises den Fall, der Schüler und seine direkten Kontaktpersonen musste in Quarantäne. Nicht der erste Fall am Goethe-Gymnasium Germersheim - aber Corona ist noch lange keine Routine.
???: Gab es schon Probleme mit sozialem Druck/Mobbing oder emotionalen Problemen von infizierten oder positiv getesteten Schülern?
Ariane Ball: "Nein, bis jetzt gab es das nicht.  Und vor der Durchführung der ersten Selbsttests hatte die Schulleitung eine Durchsage vorbereitet, um genau dies zu verhindern und um aufzuklären. Die Schüler stellen aber natürlich auch Fragen und letztlich wissen sie, dass jeder Test nur eine Momentaufnahme ist."

Teilnahmequote von 85 Prozent

???: In Prozenten ausgedrückt, wie viele der Schüler nehmen an den Tests teil, wie viele (Eltern) verweigern die Teilnahme?
Ariane Ball: "Es laufen immer noch Einverständniserklärungen in der Mailbox ein. Bisher gibt es nur sehr wenige Ablehnungen.
Für die MSS 11 und 12 könnte ich – Stand jetzt – von einer Teilnahmequote von rund 85 Prozent sprechen."
???: Und was halten Sie von der Forderung, eine indirekte Testpflicht einzuführen? (Präsenzunterricht nur mit negativem Test)?
Ariane Ball: "Das fänden wohl einige ganz gut. Aber ich gebe zu bedenken: Auch schon die eingeforderte Masernschutzimpfung, die nun alle Kinder bei der Anmeldung an weiterführenden Schulen vorlegen müssen – übrigens auch alle Kollegen oder Vertretungskräfte – kann zum Beispiel aufgrund der Schulpflicht nicht zum Ausschluss führen. In einem solchen Fall müssen wir eine Meldung an das Gesundheitsamt machen, die dann mit den Familien Kontakt aufnehmen. Aber das Kind geht erst einmal weiter zur Schule."

Es müssten demnach, bevor es zu einer Corona-Testpflicht kommen kann - erst einmal konkrete Regeln und Gesetze für eine solche geschaffen werden, die sich im Schulalltag auch durchführen und umsetzen lassen - und ob das so einfach ist und so schnell geht, steht auf einem anderen Blatt.

Soll die Corona-Testpflicht an Schulen kommen?
Autor:

Heike Schwitalla aus Germersheim

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