Übernahmeangebot aus London: Frasers will mehr Kontrolle bei Hugo Boss

Wer hat bei Hugo Boss künftig das Sagen? (Archivbild) | Foto: Marijan Murat/dpa
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Metzingen. Beim Modekonzern Hugo Boss zeichnet sich ein möglicher Machtwechsel ab. Der britische Großaktionär Frasers Group hat ein öffentliches Übernahmeangebot vorgelegt und bietet 38 Euro pro Aktie für weitere Anteile am Unternehmen aus Metzingen bei Stuttgart.

Die Gruppe des Unternehmers Mike Ashley hält bereits gut 26 Prozent an Hugo Boss. Mit dem freiwilligen Angebot will Frasers seine Beteiligung ausbauen und langfristig sichern. Würde der Anteil über 30 Prozent steigen, müsste nach deutschem Recht ohnehin ein Pflichtangebot an alle übrigen Aktionäre erfolgen.

Am Mittwoch, 10. Juni, wurde der Vorstoß bekannt. Die Reaktion an der Börse fiel deutlich aus. Die Aktie lag zeitweise rund neun Prozent über dem Niveau des Vortages. Das deutet darauf hin, dass Anleger mit einem höheren Angebot oder weiteren Bietern rechnen.

Unternehmensführung prüft das Angebot

Der Vorstand von Hugo Boss war nach eigenen Angaben vorab nicht informiert. Die Unternehmensführung um Vorstandschef Daniel Grieder will die Angebotsunterlagen nun prüfen und anschließend eine Stellungnahme abgeben.

Grieder steht seit rund fünf Jahren an der Spitze des Modekonzerns. In dieser Zeit wurde Hugo Boss stark neu ausgerichtet. Der Fokus liegt stärker auf Lifestyle, Digitalisierung und einer jüngeren Zielgruppe. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 20000 Menschen. Mehr als 4400 arbeiten in Deutschland.

Das Verhältnis zwischen Frasers und der Unternehmensführung galt zuletzt als angespannt. Im Dezember entzog der Großaktionär dem Aufsichtsratschef Stephan Sturm öffentlich das Vertrauen. Hintergrund waren unter anderem Diskussionen über die Dividendenpolitik. Am Dienstag, 9. Juni, erklärte Frasers jedoch wieder seine Unterstützung für Sturm und Vorstandschef Grieder.

Milliardenangebot für restliche Anteile

Sollte Frasers alle übrigen Aktien erwerben wollen, müsste der Konzern für die restlichen rund 74 Prozent etwa zwei Milliarden Euro zahlen. Insgesamt würde Hugo Boss damit mit rund 2,7 Milliarden Euro bewertet. Eine Mindestannahmequote enthält das Angebot nicht. Zudem müssen Aufsichtsbehörden den Deal noch genehmigen.

Der Modekonzern kämpft derzeit mit einer schwächeren Kauflaune vieler Kunden. Für das laufende Jahr rechnet das Management mit einem währungsbereinigten Umsatzrückgang im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Beim operativen Ergebnis werden 300 bis 350 Millionen Euro erwartet.

Zum Vergleich die jüngsten Geschäftszahlen

  • Umsatz im Jahr 2025 rund 4,3 Milliarden Euro
  • Operatives Ergebnis 391 Millionen Euro

Hugo Boss hat bereits mehrere Eigentümerwechsel erlebt. Zwischenzeitlich gehörte das Unternehmen dem Finanzinvestor Permira. In den folgenden Jahren wurden Anteile schrittweise wieder verkauft. Nun könnte erneut ein größerer Machtpoker um den Modekonzern beginnen. dpa/red

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Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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