Standort-Schließungen in Tübingen: 800 Curevac-Jobs bedroht
- Curevac-Gründer Hoerr macht sich Sorgen um die Abwanderung von Know-how. (Archivbild)
- Foto: Bernd Weißbrod/dpa
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Tübingen. Bis zu 800 Arbeitsplätze am früheren Curevac-Stammsitz könnten verloren gehen. Nach der Übernahme durch Biontech stehen mehrere Einrichtungen des Unternehmens in Tübingen vor der Schließung.
Seit Dienstag, 5. Mai, ist bekannt, dass das Management des Mainzer Biotechunternehmens mehrere Standorte schließen will. Begründet werden die Pläne mit zu geringer Auslastung, Überkapazitäten und einem Sparkurs im Konzern.
Neben Einrichtungen von Curevac in Tübingen sollen auch Produktionsstätten von Biontech betroffen sein.
- Produktionsstandort Idar-Oberstein
- Produktionsstandort Marburg
- Produktionsstandort Singapur
Insgesamt könnten laut Unternehmensangaben bis zu 1.860 Stellen betroffen sein. Allein rund 800 Jobs entfallen auf Curevac. Ein Großteil davon liegt am Standort Tübingen.
Sorge um den Forschungsstandort Tübingen
Die Region Stuttgart, Tübingen und Reutlingen gilt als einer der wichtigsten Biotechnologie-Cluster in Deutschland. Mehr als 70 Firmen aus Biotech und Pharma sind dort angesiedelt. Branchenvertreter warnen deshalb vor Folgen weit über das Unternehmen Curevac hinaus.
Klaus Eichenberg, Geschäftsführer des Forschungsverbunds Bioregio Stern, fordert zusätzliche Unterstützung durch das Land Baden Württemberg. Im Gespräch sind neue Förderprogramme für junge Firmen sowie ein mögliches Exzellenzzentrum für mRNA-Technologie an der Universität Tübingen.
Nach Angaben des Staatsministeriums arbeitet inzwischen eine Taskforce gemeinsam mit Biontech an möglichen Lösungen für den Standort.
Curevac-Gründer warnt vor Verlust von Know-how
Besonders deutlich äußert sich Curevac-Gründer Ingmar Hoerr. Der Pionier der mRNA-Forschung sieht die Gefahr eines dauerhaften Wissensverlustes.
„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Curevac sind hoch spezialisiert. Für viele gibt es in Deutschland nicht einfach eine nahtlose Anschlussoption“, sagte der 57-Jährige dem Magazin „Spiegel“. Wenn das über Jahrzehnte aufgebaute Wissen zerfalle, lasse es sich nicht schnell wieder aufbauen.
Hoerr gründete Curevac im Jahr 2000 in Tübingen. Während der Corona-Pandemie lieferte sich das Unternehmen ein Rennen mit Biontech um einen mRNA-Impfstoff. Biontech setzte sich schließlich durch. Curevac geriet danach wirtschaftlich zunehmend unter Druck und strich bereits Hunderte Stellen.
Im Januar übernahm Biontech das Unternehmen vollständig. Ziel war es, Forschung zu mRNA-Therapien gegen Krebs und andere Krankheiten auszubauen. Der Forschungsstandort Tübingen sollte zunächst erhalten bleiben. Mit den nun angekündigten Schließungsplänen wächst jedoch die Sorge um die Zukunft des Biotech-Standorts.
Auch der Betriebsrat kritisiert das Vorgehen des Unternehmens. Bei den kommenden Verhandlungen soll nun sogar Biontech-Gründer Ugur Sahin persönlich teilnehmen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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