Insolvenzantrag bei Varta in Ellwangen: Experte warnt

Experte: «Technologisch ist das, was Varta macht, sehr gut» | Foto: Marius Bulling/dpa
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Ellwangen. Die Krise bei Varta könnte Folgen für Jobs, Innovationen und die Batteriebranche in Deutschland haben. Nach dem Insolvenzantrag in Eigenverwaltung warnt ein Batterieexperte vor den Auswirkungen einer möglichen Zerschlagung des Unternehmens.

Der RWTH-Aachen-Professor Dirk Uwe Sauer sieht in Varta einen wichtigen Hersteller mit Bedeutung weit über den Standort in Ostwürttemberg hinaus. Deutschland habe nur wenige Unternehmen dieser Art und kaum eines mit vergleichbarer Tradition. Gerade große Abnehmer wie die Autoindustrie seien auf Qualität, Zuverlässigkeit und eine gewisse Unternehmensgröße angewiesen.

Experte sieht Risiko für Innovationen

Nach Einschätzung Sauers wäre es problematisch, wenn bei einer Zerschlagung ausgerechnet der wirtschaftlich starke Teil aus dem Konzern herausgelöst würde. Dann stelle sich die Frage, wie künftige Innovationen noch finanziert werden können. Die drohende Aufspaltung wäre aus seiner Sicht ein weiterer Rückschlag für die Batterieindustrie in Deutschland.

In dieser Woche hatte die sogenannte Ad-hoc-Gläubigergruppe um die Deutsche Bank sowie die Finanzinvestoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox angekündigt, das Geschäft mit den bekannten Haushaltsbatterien aus dem Varta-Konzern ausgliedern zu wollen. Als Grund nannten die Beteiligten die angespannte Finanzlage des Unternehmens.

Haushaltsbatterien nicht vom Verfahren betroffen

Varta teilte mit, einen Antrag auf vorläufige Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt zu haben. Ziel sei es, die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens zu sichern und den Geschäftsbetrieb nachhaltig fortzuführen. Das Geschäft mit den Haushaltsbatterien ist nach Unternehmensangaben nicht von dem beantragten Insolvenzverfahren betroffen.

Deutschland im Preisnachteil gegenüber China

Technologisch sei Varta sehr gut aufgestellt, sagte Sauer. Das Grundproblem liege aber im Preis. Deutschland verfüge nicht über eine große Volumenherstellung von Batterien. In China gebe es diese Kapazitäten und zudem einen harten Preiskampf. Die Abhängigkeit von China sei seit Langem bekannt.

Varta arbeitet unter anderem an Natrium-Ionen-Batterien. Diese Technologie gilt als Chance für Europa, weil die benötigten Rohstoffe über den Weltmarkt besser verfügbar sind und die Abhängigkeit von China sinken könnte. Für Sauer ist es daher keine Option, auf europäische Batteriehersteller zu verzichten. dpa/red

Autor:

Anouar Touir aus Ludwigshafen

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