SC Freiburg erklärt Rolle offensiver Innenverteidiger
- Der SC Freiburg thematisiert in seiner Taktikschule die Rolle offensiver Innenverteidiger.
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Freiburg. Der SC Freiburg hat in seiner „kleinen Heimspiel-Taktikschule“ die Entwicklung der Innenverteidiger im modernen Fußball aufgegriffen. Martin Schweizer, Sportlicher Leiter der Freiburger Fußballschule, erläutert darin, warum Abwehrspieler im Zentrum bei eigenem Ballbesitz zunehmend auch offensive Aufgaben übernehmen können.
Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass im Spiel mit Ball viele Positionen flexibler interpretiert werden: Außenverteidiger rücken nach innen, Sechser lassen sich in die letzte Linie fallen, Stürmer bieten sich in tieferen Räumen an. Innenverteidiger bleiben dagegen häufig noch stärker an ihre Grundposition gebunden und agieren aus der letzten Linie als Passgeber.
Mehr Flexibilität gegen Mann-gegen-Mann-Verteidigung
Schweizer hält es für möglich, dass sich auch Innenverteidiger künftig häufiger aus ihrer angestammten Position lösen. Ein Grund dafür sei, dass viele Mannschaften wieder verstärkt Mann gegen Mann verteidigten. Statische Spielweisen seien gegen solche Defensiven schwerer durchzusetzen; flexible Positionswechsel könnten dagegen helfen, Räume zu öffnen.
Nach Einschätzung Schweizers müssen Innenverteidiger heute neben dem Verteidigen auch deutliche Qualitäten im Spiel mit Ball mitbringen. Dazu zählt er ausdrücklich das Dribbling. Wenn ein Innenverteidiger im Aufbau Raum vor sich habe, könne raumgreifendes Andribbeln ein Vorteil sein. Auch ein gegnerischer Stürmer, der früh anläuft, könne durch ein Dribbling überspielt werden. Dadurch entstünden Überzahl und Unordnung beim Gegner, weil nicht immer klar sei, welcher Spieler den aufrückenden Innenverteidiger übernehmen soll.
Vorstöße brauchen klare Absicherung
Besonders auffällig seien Vorstöße, wenn ein Innenverteidiger ein kurzes Anspiel antizipiert, nach vorne prescht und anschließend mit Ball weiter Tempo aufnimmt. Schweizer nennt zudem Situationen, in denen ein Innenverteidiger bei Rückstand in der Schlussphase weit nach vorne durchläuft und am seitlichen Strafraum per langem Ball gesucht wird, um den Ball vor das Tor zu bringen.
Gleichzeitig betont der Sportliche Leiter der Freiburger Fußballschule die nötige Absicherung. Es sollten nicht beide Innenverteidiger gleichzeitig offensiv mitgehen, bei einer defensiven Dreierkette erst recht nicht alle drei. Entscheidend sei, wer den frei werdenden Raum übernimmt. Das könne ein einrückender Außenverteidiger oder ein zurückweichender Sechser sein.
Ausbildung an der Freiburger Fußballschule
Schweizer beschreibt flexible Abläufe als Aufgabe des Trainers: Aus vielen Rochaden dürfe kein Durcheinander entstehen, sondern ein „geordnetes Chaos“. Spieler müssten nach ihrer Ausbildung verinnerlicht haben, freie wichtige Räume wahrzunehmen und entsprechend nachzurücken.
An der Freiburger Fußballschule werden Spieler laut Schweizer bis einschließlich der U16 positionsflexibel ausgebildet. Sie sollen bis dahin verschiedene Positionen kennenlernen, auch wenn dadurch möglicherweise einzelne Spiele nicht gewonnen werden. Dadurch entstehe Verständnis für Mitspieler und für passende Anspielmöglichkeiten. Ein Prof Innenverteidiger werde eher Offensivqualitäten entwickeln, wenn er in der Jugend auch auf offensiveren Positionen gespielt habe.
Das Gespräch führten Timo Tabery und Uli Fuchs. Der Beitrag erschien zuerst im Stadionmagazin „Heimspiel“ des SC Freiburg.
Autor:Anouar Touir aus Ludwigshafen |