WM-Nachtspiele: Experte aus Klingenmünster warnt vor Schlafmangel
- Forscher Hans-Günter Weeß hat mehrere Sachbücher zum Thema Schlaf geschrieben. (Archivbild)
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Klingenmünster. Wenn Fußballfans wegen der Weltmeisterschaft nachts vor dem Fernseher sitzen, kann schon eine kurze Nacht spürbare Folgen für Gesundheit und Konzentration haben. Darauf weist der Schlafexperte Hans Günter Weeß vom interdisziplinären Schlafzentrum des Pfalzklinikums in Klingenmünster vor dem Start des Turniers am Donnerstag, 11. Juni, hin.
Viele Spiele der WM in den USA, Kanada und Mexiko laufen in Deutschland spät am Abend oder in den frühen Morgenstunden. Wer wiederholt weniger schläft als gewöhnlich, schwächt nach Angaben des Experten sein Immunsystem. Auch Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Produktivität lassen bereits nach einer einzigen kurzen Nacht deutlich nach.
Schlafmangel erhöht Unfallrisiko
Besonders kritisch kann Schlafdefizit im Straßenverkehr werden. Laut Weeß steigt das Unfallrisiko bereits bei einer Stunde weniger Schlaf um rund 30 Prozent. Bei zwei Stunden Schlafdefizit liegt das Risiko etwa 90 Prozent höher. Wer weniger als vier Stunden schläft, hat ein mehr als vierfach erhöhtes Unfallrisiko. Auch Arbeits und Haushaltsunfälle werden wahrscheinlicher.
Problematisch ist das vor allem für Menschen mit Frühschicht oder frühem Arbeitsbeginn. Bewegung an der frischen Luft, viel Tageslicht und eine wechselwarme Dusche können helfen, nach einer kurzen Nacht schneller in den Tag zu starten.
Kurzer Mittagsschlaf kann helfen
Nach einer durchwachten Nacht empfiehlt der Schlafmediziner einen kurzen Mittagsschlaf. Schon 10 bis 20 Minuten könnten reichen, um wieder wacher und leistungsfähiger zu werden. Längere Nickerchen können dagegen dazu führen, dass sich der Körper noch träger fühlt.
Wer Spiele in den frühen Morgenstunden sehen will, sollte möglichst vorher schlafen. Besonders Menschen, die normalerweise früh ins Bett gehen, können durch Vorschlafen zusätzliche Erholung gewinnen.
Alkohol verschlechtert den Schlaf
Vom Konsum von Alkohol während langer Fußballnächte rät Weeß deutlich ab. Alkohol verschlechtert die Schlafqualität, unterdrückt wichtige Tiefschlafphasen und führt zu häufigem Aufwachen in der Nacht. In Kombination mit Schlafmangel verstärken sich die Leistungseinbußen zusätzlich.
Auch Kaffee und Energydrinks sind nur begrenzt hilfreich. Sie halten zwar während des Spiels wach, können aber noch Stunden später das Einschlafen erschweren.
Leichte Snacks statt schwerer Mahlzeiten
Auch beim Essen empfiehlt der Experte Zurückhaltung. Schwere Mahlzeiten mit viel Fett oder Kohlenhydraten können den Schlaf zusätzlich beeinträchtigen. Leichtere Snacks wie Nüsse gelten als günstiger.
Für Fußballfans nennt der Schlafmediziner mehrere einfache Regeln, um Nachtspiele besser zu verkraften.
- Möglichst vorher schlafen oder den Abend früher beenden.
- Bei Bedarf einen kurzen Powernap von 10 bis 20 Minuten einlegen.
- Alkohol meiden und Koffein nur sparsam nutzen.
- Nach sehr kurzen Nächten keine langen Autofahrten planen.
Jugendliche reagieren laut Weeß oft besonders empfindlich auf Schlafmangel, auch wenn sie sich leichter an späte Zeiten gewöhnen. Junge Erwachsene verkraften kurze Schlafdefizite meist besser. Bei älteren Menschen sinkt die Leistungsfähigkeit ebenfalls deutlich, auch wenn Müdigkeit weniger stark wahrgenommen wird.
Nach mehreren Wochen mit Nachtspielen kann der Körper einen neuen Rhythmus entwickeln. Nach dem Turnier brauche der Organismus jedoch häufig einige Tage, um wieder zum normalen Schlafrhythmus zurückzufinden. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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