Warum Sie heißen, wie Sie heißen – Forscher entschlüsseln deutsche Nachnamen
- Die Akademie der Wissenschaften und der Literatur widmet sich langfristigen geisteswissenschaftlichen Forschungsprojekten. (Archivfoto)
- Foto: dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Namensforschung. Sprachwissenschaftler aus Mainz liefern neue Einblicke in die Herkunft deutscher Familiennamen und erklären, was Nachnamen bis heute über Beruf, Herkunft und Geschichte verraten.
Die Wissenschaftler arbeiten seit Jahren an einem digitalen Familiennamen-Wörterbuch. Es ist frei zugänglich, wächst alle 14 Tage und bündelt die Ergebnisse eines Langzeitprojekts der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, der Johannes Gutenberg-Universität und der TU Darmstadt.
Großprojekt mit langer Laufzeit
Das Projekt läuft seit 2012 und ist bis 2036 angelegt. Neun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter Leitung der Germanistin Rita Heuser werten historische Quellen aus. Ziel ist es, die Entstehung und Bedeutung von rund 850.000 Nachnamen wissenschaftlich zu erklären.
Telefonbuchdaten als Basis
Grundlage ist ein Datensatz der Deutschen Telekom aus dem Jahr 2005. Damals gab es noch viele Festnetzanschlüsse. Aus ursprünglich rund einer Million Einträgen wurden sehr seltene Namen und Doppelnamen entfernt. Übrig blieb eine umfangreiche Arbeitsgrundlage, die heute Monat für Monat erweitert wird.
Häufige Namen zuerst
Im Online-Wörterbuch kommen im Schnitt etwa 800 neue Einträge pro Monat hinzu. Zuerst werden besonders häufige Namen bearbeitet, darunter Müller, Meier, Schulz oder Schmidt in all ihren Schreibweisen. Auch Ableitungen und Verkleinerungsformen werden erfasst, etwa Schmittler als Variante von Schmidt.
Spurensuche bis ins 13. Jahrhundert
Viele Familiennamen gehen auf Berufe zurück. Die Forscher blicken dafür bis ins 13. Jahrhundert. In Dörfern mit mehreren Menschen gleichen Vornamens dienten Tätigkeiten oft als Unterscheidungsmerkmal. Aus solchen Beinamen entwickelten sich später vererbbare Familiennamen.
Wenn Berufe fremd klingen
Manche Namen erschließen sich heute kaum noch. Nonnenmacher bezeichnete einst jemanden, der Schweine kastrierte. Der Begriff Nonne stand im Mittelhochdeutschen auch für ein kastriertes Tier. Ähnlich war es beim Berenstecher oder beim Pagenstecher, der Pferde kastrierte. Regionale Begriffe führten zu einer großen Namensvielfalt.
Namen zeigen Wanderungen
Die regionale Verteilung von Nachnamen war früher relativ stabil. Mit wachsender Mobilität änderte sich das. Dennoch finden sich Maier und Mayer eher im Süden, Meyer häufiger im Nordwesten. Namen wie Scholz verbreiteten sich durch Fluchtbewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg im ganzen Land.
Müller bleibt die Nummer eins
Der häufigste Familienname in Deutschland ist Müller. In Teilen Südbayerns kommen jedoch Zusammensetzungen wie Weißmüller oder Obermüller häufiger vor. Namen konnten sich auch wandeln, etwa durch die Latinisierung in der frühen Neuzeit, als Müller zu Molitor wurde.
Mehr als reine Neugier
Familiennamen liefern sprachgeschichtliche und gesellschaftliche Erkenntnisse. Sie erklären alte Amtsbezeichnungen wie Richter, die regional auch Dorfvorsteher meinten, und zeigen kulturelle Unterschiede in Europa und darüber hinaus. Für viele Menschen ist die Herkunft des eigenen Namens zudem emotional bedeutsam. dpa/red
Dieser Text wurde mit maschineller Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft.
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |