Warum Frauen und Männer bei Augenkrankheiten oft anders betroffen sind
- Fachleute sehen bei Augenkrankheiten deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern.
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Berlin. Augenkrankheiten treffen Frauen und Männer oft nicht gleich. Darauf weist die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft vor ihrem Kongress vom 24. bis 27. September in Berlin hin. Für Betroffene kann das entscheidend sein, weil sich Risiken, Diagnosezeitpunkt und Behandlungserfolg je nach biologischem Geschlecht unterscheiden.
Weltweit leben laut den Fachleuten rund 50 Millionen Menschen mit Blindheit. Etwa 65 Prozent davon sind Frauen. Wie die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft mitteilt, erklären Fachleute diesen Unterschied nicht nur mit der höheren Lebenserwartung, sondern auch mit biologischen und sozialen Faktoren.
Biologische Unterschiede spielen bei mehreren Augenerkrankungen eine Rolle. Das Trockene Auge tritt bei Frauen besonders nach den Wechseljahren häufiger auf. Hinweise sprechen außerdem dafür, dass Östrogene an der Regulation des Augeninnendrucks beteiligt sind. Auch das Engwinkelglaukom betrifft Frauen weltweit zwei- bis viermal häufiger. Bei der Rot-Grün-Farbsinnstörung ist es umgekehrt. Davon sind rund neun Prozent der Männer, aber nur 0,8 Prozent der Frauen betroffen.
Auch Alltag und Rollenbilder beeinflussen das Risiko
Nicht nur die Biologie prägt die Augengesundheit. Nach Angaben der Fachgesellschaft wirken auch gesellschaftliche und kulturelle Einflüsse mit. Genannt werden etwa Unterschiede bei der Akzeptanz von Brillen, spätere Diagnosen bei Schielerkrankungen in einzelnen Gruppen sowie verschiedene Risiken bei Augenverletzungen. Männer erleiden demnach häufiger arbeitsbedingte, Frauen häufiger häusliche Augenverletzungen. Junge Männer sind insgesamt am stärksten betroffen.
Auch beim Umgang mit Therapien zeigen sich Unterschiede. Frauen nehmen Vorsorgeangebote häufiger wahr und halten sich oft konsequenter an Behandlungen. Männer suchen seltener und später augenärztliche Hilfe. Eine Studie zeigte laut der Gesellschaft, dass Frauen augenärztliche Untersuchungen etwa 1,5-mal so häufig in Anspruch nahmen wie Männer.
Die Fachleute sehen deshalb Lücken in Forschung und Versorgung. Eine Arbeitsgruppe zur geschlechtersensiblen Medizin in der Augenheilkunde hat einen erweiterten Anamnesebogen entwickelt. Er erfasst neben dem biologischen Geschlecht auch Geschlechtsidentität, hormonelle Einflüsse sowie Aspekte wie Erwerbssituation oder versäumte Arzttermine.
Autor:Heike Schwitalla aus Germersheim |
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