Warnung in Rheinland-Pfalz: Praxissuche könnte schwieriger werden
- Die Kassenärztliche Vereinigung befürchtet deutliche Folgen für Patientinnen und Patienten in Rheinland-Pfalz. (Symbolbild)
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Rheinland-Pfalz. Für gesetzlich Versicherte im Land könnte die Suche nach einer Arztpraxis schwieriger werden. Die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz warnt in Mainz vor spürbaren Folgen des neuen Bundesgesetzes zur Stabilisierung der Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung.
KV-Vize Andreas Bartels kritisiert den Kurs des Bundesgesundheitsministeriums scharf. Aus seiner Sicht richtet sich die Versorgung nicht mehr allein nach dem medizinischen Bedarf, sondern stärker nach den verfügbaren Kassenmitteln. Das könne Praxen wirtschaftlich unter Druck setzen.
Weniger Anreize für Praxis-Nachfolger
Nach Einschätzung der KV könnten vor allem kleinere und selbstständige Praxen es künftig noch schwerer haben, Nachfolger zu finden. Bartels nennt besonders Hals-Nasen-Ohren-Ärzte als stark betroffen. Die Nachfrage nach medizinischer Versorgung steige wegen des demografischen Wandels, zugleich drohe ein Rückgang bei den Leistungsanbietern.
Das Sparpaket soll die gesetzlichen Krankenkassen bis zum Jahr 2027 entlasten und weitere Beitragserhöhungen bremsen. Vorgesehen sind unter anderem Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken, Apotheken und der Pharmabranche. Hinzu kommen höhere Zuzahlungen für Medikamente und Einschränkungen bei der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern.
Sorgen um Hausbesuche und Heime
Besonders kritisch sieht die KV die künftige Finanzierung von Hausbesuchen und Besuchen in Pflegeheimen. Diese Leistungen waren nach Angaben von Bartels bislang außerhalb des Budgets vergütet worden und fallen nun in den regulären Budgetrahmen. Ärzte könnten deshalb genauer abwägen, ob sie solche Angebote weiter im bisherigen Umfang übernehmen.
Auch bei einzelnen Pflichtuntersuchungen befürchtet die KV Probleme. Genannt werden etwa Kinderuntersuchungen. Wenn es weniger Kinderärzte gibt oder Praxen an Grenzen stoßen, könnte die Terminvergabe schwieriger werden.
KV erwartet Millionenverlust bei Honoraren
Für Rheinland-Pfalz rechnet die KV mit Honorarverlusten von rund 90 Millionen Euro pro Jahr. Das gesamte Honorarvolumen liegt den Angaben zufolge bei etwa einer Milliarde Euro. Auf Basis von Berechnungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung könnten bundesweit 46 Millionen Behandlungsfälle in der ambulanten Versorgung weniger finanziert werden. Auf Rheinland-Pfalz heruntergerechnet wären das laut KV etwa 2,2 Millionen Fälle.
Kritik an geplanter Krankschreibungs-Reform
Bartels hält es zwar für richtig, dass bei Krankschreibungen reformiert werden soll. Die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung bewertet er jedoch als falsch. Aus seiner Sicht würde das mehr Bürokratie für Praxen und Patienten bringen. In diesem Punkt liegt er auf einer Linie mit dem rheinland-pfälzischen Gesundheitsminister Clemens Hoch von der SPD.
Als vergleichsweise einfache Lösung nennt Bartels einen Karenztag wie in anderen Ländern. Zudem sieht er den Ansatz einer Teilarbeitsunfähigkeit grundsätzlich positiv. In der Praxis sei eine solche Einschätzung für Ärzte aber schwierig, weil dafür die genauen Anforderungen am Arbeitsplatz bekannt sein müssten. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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