Schmerztagebuch bei chronischen Schmerzen: So hilft es
- Nicht nur Schmerz notieren: Aktivitäten, Stimmung, Gedanken dazu - so wird klarer, was den Schmerz triggert.
- Foto: Christin Klose/dpa-mag
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Schmerztagebuch bei chronischen Schmerzen. Ein Tagebuch kann helfen, Auslöser und entlastende Aktivitäten zu erkennen, sollte aber nach Experteneinschätzung nur für vier bis sechs Wochen geführt werden. Für Menschen mit chronischen Schmerzen kann das Aufschreiben vor allem zu Beginn einer Therapie nützlich sein, wenn die Ursache noch nicht genau bekannt ist.
Ulrike Kaiser, Psychologische Psychotherapeutin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck, plädiert dafür, statt von einem Schmerztagebuch eher von einem Aktivitäten- und Befindlichkeits-Tagebuch zu sprechen. Ein solcher Titel könne Betroffene stärker motivieren, weil nicht allein der Schmerz im Mittelpunkt steht.
Aktivitäten und Stimmung machen Muster sichtbar
Ein Aktivitäten- und Befindlichkeits-Tagebuch kann laut Kaiser dabei helfen, Muster bei Schmerzen zu erkennen und mögliche Auslöser genauer zu beschreiben. Die Expertin gehört dem Präsidium der Deutschen Schmerzgesellschaft an.
Im Tagebuch lassen sich mehrere Punkte festhalten:
- die Stärke der Schmerzen
- durchgeführte Aktivitäten im Alltag
- Stimmungen und Belastungen
- häufige Gedanken rund um die Beschwerden
Aus diesen Notizen kann sichtbar werden, welche Tätigkeiten das Schmerzempfinden beeinflussen. Das kann in der Therapie helfen, Zusammenhänge zwischen Alltag, Befinden und Beschwerden konkreter zu besprechen.
Zu viel Selbstbeobachtung kann den Fokus verengen
Das Tagebuch sollte aus Sicht der Expertin kein dauerhaftes Projekt werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Menschen mit chronischen Schmerzen sich immer stärker darauf konzentrieren, ihre Beschwerden zu beobachten. «Das trägt wenig dazu bei, die Schmerzen zu lindern», so Kaiser.
Nach ihrer Einschätzung ist ein Zeitraum von vier bis sechs Wochen sinnvoll, wenn das Tagebuch mit einem klaren Zweck geführt wird. Dazu gehört etwa, Schmerzen und mögliche Auslöser zu Beginn einer Therapie besser kennenzulernen.
Praktisch bedeutet das: Ein Schmerztagebuch kann Orientierung geben, wenn es befristet bleibt und nicht zum ständigen Kontrollinstrument wird. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |