Schädlingswarnung in Baden-Württemberg: Gefahr für Äpfel und Pfirsiche
- Die Mittelmeerfruchtfliege kann auch in Deutschland zum Problem werden.
- Foto: Uli Deck/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Karlsruhe. Matschige Äpfel, Pfirsiche und andere Früchte können für Obstbauern schnell zum Problem werden. Forschende in Karlsruhe beobachten deshalb eine kleine Fliege genau, deren Larven sich durch das Fruchtfleisch fressen.
Im Fokus steht die Mittelmeerfruchtfliege. Das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg in Karlsruhe untersucht derzeit, wie stark sich der Schädling in Baden-Württemberg ausbreitet und ob er künftig häufiger Schäden verursachen könnte.
Was ist die Mittelmeerfruchtfliege
Die Mittelmeerfruchtfliege mit dem wissenschaftlichen Namen Ceratitis capitata stammt ursprünglich aus tropischen Regionen südlich der Sahara. Erwachsene Tiere werden etwa 3,5 bis 5,5 Millimeter groß und haben auffällig gemusterte Flügel.
Weibchen legen ihre Eier unter die Schale reifender Früchte. Durchschnittlich entstehen dabei etwa 300 Eier. In Einzelfällen können es sogar bis zu 1000 sein. Die Larven werden bis zu neun Millimeter lang und fressen sich durch das Fruchtfleisch. Anschließend verlassen sie die Frucht und verpuppen sich im Boden.
Warum der Schädling besonders problematisch ist
Die Mittelmeerfruchtfliege gilt als besonders gefräßig. Anders als heimische Arten ist sie kaum spezialisiert.
- Sie befällt mehr als 350 verschiedene Wirtspflanzen
- Dazu zählen Zitrusfrüchte, Steinobst und Kernobst
- Auch Gemüsekulturen wie Paprika können betroffen sein
In Deutschland werden vor allem Äpfel und Pfirsiche befallen. Gelegentlich trifft es auch Birnen und Aprikosen. Besonders gefährdet sind dünnhäutige und saftige Früchte.
So zeigt sich ein Befall
Die Einstiche der Fliegen sind von außen oft kaum sichtbar. Im Inneren der Früchte entstehen jedoch dunkle Stellen. Wenn die Larven das Fruchtfleisch zerstören, wird das Obst weich und matschig. Zusätzlich können Pilze und Bakterien leichter eindringen.
Schon lange in Deutschland bekannt
Die Mittelmeerfruchtfliege ist in Deutschland bereits seit den 1930er Jahren nachgewiesen. Schäden an Obstkulturen traten immer wieder auf, meist jedoch nur regional und zeitlich begrenzt.
Fachleute gehen davon aus, dass die Tiere häufig mit importierten Früchten eingeschleppt werden. Sie werden besonders dort gefunden, wo größere Mengen Obst entsorgt werden. Dazu zählen Großmärkte, Mülldeponien oder Kompostanlagen.
Ein auffälliges Jahr war 2023. Damals gab es in Baden-Württemberg zahlreiche Befallsmeldungen aus vielen Anbauregionen. Betroffen waren unter anderem Äpfel, Aprikosen, Pfirsiche und Kakis. Auch Teile Bayerns meldeten Schäden.
Kann die Fliege hier überwintern
Die Art gilt als empfindlich gegenüber Kälte. Im Freiland überleben erwachsene Fliegen, Eier und Larven den Winter normalerweise nicht. Versuche in Wien zeigten jedoch, dass einzelne Tiere in geschützten Räumen wie Kellern überleben können.
Forschende prüfen deshalb auch in Baden-Württemberg, ob sich geschützte Überwinterungsorte finden lassen. Dafür werden Monitoringfallen eingesetzt und Winterbedingungen im Labor nachgestellt.
Schon wenige überlebende Tiere könnten ausreichen, um im Frühjahr neue Früchte zu befallen. Bislang gilt eine dauerhafte Etablierung der Art in Deutschland aber als eher unwahrscheinlich.
Klimawandel verschiebt die Grenze
Größere dauerhaft überwinternde Populationen kommen derzeit etwa bis zum Breitengrad Nordgriechenlands vor. Durch steigende Temperaturen verschiebt sich diese Grenze langsam nach Norden.
Nach Einschätzung von Fachleuten wird es dennoch noch lange dauern, bis sich die tropische Art in Deutschland dauerhaft im Freiland halten kann. Aktuell sehen Forschende keinen Grund zur Panik.
Bekämpfung bleibt schwierig
Natürliche Feinde gibt es in Deutschland kaum. Einige Wespenarten können die Fliegen befallen oder fressen. Diese kommen jedoch nur vereinzelt vor.
Bei starkem Befall bleibt in der Praxis meist nur der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Behörden und Forschungseinrichtungen tauschen sich deshalb mit Fachleuten aus anderen Ländern über Strategien zur Eindämmung aus. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |