Rechtfertigungsdrang erkennen: 6 Fragen als schneller Selbstcheck
- Beobachten Sie sich selbst: Rechtfertigen Sie sich selbst dann, wenn niemand eine Erklärung erwartet?
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Rechtfertigungsdrang erkennen. Wer sich häufig ausführlich erklärt, obwohl niemand danach fragt, könnte zu übertriebenem Rechtfertigen neigen. Ein kurzer Selbstcheck mit sechs Fragen kann helfen einzuschätzen, ob hinter langen Erklärungen eher Gewohnheit oder innerer Druck steckt.
Im Alltag beginnt es oft harmlos. Aus einer einfachen Erklärung wird schnell eine kleine Verteidigungsrede, weil die Sorge besteht, sonst missverstanden oder negativ bewertet zu werden. Psychologin und Therapeutin Ulrike Bossmann empfiehlt, das eigene Verhalten genauer zu beobachten, wenn dieses Muster häufiger auftritt.
Für eine erste Einschätzung kann ein kurzer Selbsttest helfen. Die sechs Fragen werden spontan mit «Ja» oder «Nein» beantwortet. Unkritisch ist es laut Bossmann, wenn man sich höchstens einmal wiedererkennt. Wer zweimal oder öfter mit Ja antwortet, könnte genauer hinschauen, in welchen Situationen der Drang zum Rechtfertigen entsteht.
Sechs Fragen als schneller Selbstcheck
- Fühle ich deutliche innere Anspannung, wenn ich mich nicht erkläre?
- Erkläre ich mich auch dann, wenn niemand eine Erklärung verlangt?
- Dient mein Erklären eher meiner Beruhigung als der Information anderer?
- Reicht eine Erklärung nie wirklich aus und die Gedanken kreisen weiter?
- Besteht die Angst, unfair, egoistisch oder schlecht zu wirken, wenn ich es nicht tue?
- Kreise ich innerlich weiter, selbst nachdem ich mich erklärt habe?
Wer dieses Verhalten bei sich häufiger erkennt, kann versuchen, die eigenen Reaktionen bewusst zu verändern. Eine mögliche Strategie ist, Erklärungen bewusst kurz zu halten, zum Beispiel nur einen Satz zu sagen und anschließend nichts mehr hinzuzufügen. Auch ein innerer, mitfühlender Satz kann helfen, etwa: «Ich darf existieren, ohne mich zu erklären».
In manchen Fällen kann starkes Rechtfertigen auch mit psychischen Belastungen oder Erkrankungen zusammenhängen. Dann kann professionelle Unterstützung helfen, die Ursachen besser zu verstehen und neue Umgangsweisen zu entwickeln. dpa/red
Autor:Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern |