Raus aus der Überlastungsfalle: So erkennen Sie, wann Helfen zur Belastung wird
- «Kannst du mal eben ...?» Wer die Erfahrung gemacht hat, dass Leistung Anerkennung mit sich bringt, sagt eher «Ja»
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Verantwortung abgeben. Wer im Job, im Freundeskreis oder in der Familie regelmäßig Aufgaben übernimmt, entlastet andere, zahlt aber oft selbst den Preis. Der praktische Nutzen dieses Textes liegt darin, typische Muster zu erkennen und einzuordnen, wann Verantwortungsgefühl in dauerhafte Überlastung kippt.
Viele Alltagssituationen folgen demselben Ablauf. In Meetings bleibt eine Aufgabe liegen, im Freundeschat meldet sich niemand, im Familienleben organisiert eine Person Termine, Einkäufe und Absprachen. Nach kurzer Stille übernimmt immer dieselbe Person. Anerkennung gibt es oft, Entlastung selten.
Therapeutin Mirriam Prieß arbeitet laut dpa regelmäßig mit Menschen, die sich erschöpfen, weil sie sich fast ausschließlich um andere kümmern. Besonders häufig betroffen sind Frauen. Das ständige Funktionieren kostet Kraft und geht langfristig auf Kosten der eigenen Bedürfnisse.
Warum starkes Verantwortungsgefühl oft früh entsteht
Ein Blick auf die eigene Biografie hilft bei der Einordnung. Häufig haben sich diese Muster bereits in der Kindheit gebildet. Manche Menschen haben gelernt, dass Harmonie, Leistung oder Anpassung Voraussetzung für Anerkennung waren.
«So lernt ein Kind: Wenn ich für Harmonie sorge und wenn ich viel leiste, dann werde ich geliebt», sagt Prieß. Diese innere Überzeugung kann später dazu führen, dass eigene Grenzen kaum noch wahrgenommen werden.
Geben und Nehmen realistisch betrachten
Ob im Beruf, in Freundschaften oder in Partnerschaften, entscheidend ist die Balance. Ohne eine ehrliche Bestandsaufnahme bleibt Überlastung oft unsichtbar.
Prieß orientiert sich an der sogenannten Drittel-Regel. «Eine gesunde Beziehung heißt: Ein Drittel komme ich vor, ein Drittel kommst du vor, ein Drittel kommt unser Miteinander vor.»
Ein wichtiger Maßstab ist das eigene Körpergefühl. Wer dauerhaft mehr gibt als zurückkommt, beschreibt den Alltag häufig mit dem Satz: Ich funktioniere nur noch. Ärger, innere Unruhe oder Erschöpfung gelten dabei als Warnzeichen.
Verantwortung offen ansprechen
Wenn Muster erkannt sind, lässt sich Veränderung nur über ein Gespräch erreichen. Ziel ist kein Vorwurf, sondern Klarheit über Rollen und Erwartungen.
Hilfreich sind laut Prieß Fragen wie: Was wird regelmäßig übernommen. Was kommt zurück. Was wird benötigt, um sich wohlzufühlen. Auf dieser Grundlage lassen sich Aufgaben neu verteilen und unausgesprochene Selbstverständlichkeiten überprüfen.
Konsequenzen nüchtern abwägen
Im besten Fall folgt auf das Gespräch echte Veränderung. Bleibt das Gegenüber jedoch passiv und profitiert weiterhin von der einseitigen Verantwortung, braucht es eine klare Einordnung.
«Wenn das Gegenüber nicht nachziehen will, ist das seine Entscheidung», sagt Prieß. Dann gehe es darum, die eigene Integrität zu wahren und zu klären, ob diese Form der Beziehung langfristig tragfähig ist. In manchen Fällen bedeutet das auch einen Abschied und damit eine bewusste Entscheidung für die eigene Gesundheit. dpa
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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