Psychopharmaka und Hitze: Was Sie jetzt beachten sollten
- Für viele Menschen mit psychischen Erkrankungen sind Medikamente Teil der Therapie. Bei großer Hitze können sie aus verschiedenen Gründen anders wirken. Doch man kann gegensteuern.
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Psychopharmaka und Hitze. An heißen Tagen kann sich das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen, weil der Körper mehr Flüssigkeit verliert und manche Wirkstoffe schlechter ausscheidet. Für Betroffene ist vor allem wichtig, Beschwerden richtig einzuordnen und Medikamente nicht eigenständig zu verändern.
Schwitzen, schlechter Schlaf und Kreislaufprobleme belasten den Körper bei Hitze ohnehin. Wer Psychopharmaka einnimmt, sollte dann besonders aufmerksam sein. Denn «Hitze kann die Wirkung von Medikamenten verändern. Das verunsichert viele», sagt Apothekerin Stephanie Tiede aus dem Vorstand der Bundesapothekerkammer.
Warum hohe Temperaturen relevant sein können, erklärt Prof. Michael Paulzen, stellvertretender Leiter des Referats Psychopharmakologie bei der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, so: «Wenn es so heiß ist, schwitzen Sie mehr, das beeinflusst die Körperhomöostase, denn wenn Sie vermehrt schwitzen, reduziert sich Ihre Nierenfunktion. Die Niere ist ein ganz zentrales Ausscheidungsorgan, gerade für Psychopharmaka.» Wird Flüssigkeitsverlust nicht ausgeglichen, «dann akkumulieren, also häufen sich wasserlösliche Arzneistoffmetaboliten an», so Paulzen. Dadurch kann die Konzentration mancher Wirkstoffe oder Abbauprodukte im Blut steigen.
Warnzeichen lassen sich leicht falsch deuten
Das kann sich auch bei Menschen, die ein Medikament seit Jahren gut vertragen, wie eine Verschlechterung der Grunderkrankung anfühlen. Genannt werden unter anderem Unruhe, Schlafstörungen, Zittrigkeit oder Herzrasen. Auch Verwirrtheit, Schwindel, starke Müdigkeit oder Benommenheit können auftreten. Dann kommt neben einer psychischen Krise auch eine unerwünschte Arzneimittelwirkung durch Hitze als Erklärung in Betracht.
Besonders hitzekritisch können laut einer Übersicht der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände unter anderem Antidepressiva sein, darunter SSRI, SNRI und trizyklische Antidepressiva. Sie können die Thermoregulation beeinträchtigen. Trizyklika können zusätzlich das Schwitzen vermindern.
Auch Antipsychotika beziehungsweise Neuroleptika können die Wärmeregulation stören und müde machen. Benzodiazepine und Z-Substanzen können die Aufmerksamkeit verringern. Hitzeerschöpfung wird dann womöglich später bemerkt. Bei Lithium ist besondere Vorsicht nötig, weil Dehydrierung und eine verminderte Ausscheidung über die Nieren das Risiko einer Überdosierung erhöhen können. Auch zentral wirksame Stimulanzien wie Methylphenidat oder Sympathomimetika wie Modafinil können die Thermoregulation beeinträchtigen.
Trinken, Hitze meiden und Medikation nicht selbst ändern
«Wichtig ist: Die Dosis nicht eigenständig verringern oder die Medikamente komplett absetzen. Bei Fragen hilft die Apotheke vor Ort kompetent weiter», sagt Tiede und ergänzt: «Auch während einer Hitzewelle ist es in der Apotheke angenehm kühl.»
Als Orientierung nennt die ABDA-Übersicht 2 bis 3 Liter über den Tag verteilt. Bei Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankungen sollte die passende Trinkmenge ärztlich geklärt werden. Zusätzlich hilft es, direkte Sonne und unnötigen Hitzestress zu vermeiden, körperliche Belastung zu reduzieren und Wege oder Sport in kühlere Tageszeiten zu verlegen.
Hilfreich ist vor allem diese Einordnung:
- Neue oder deutlich stärkere Beschwerden können auch mit Hitze und Flüssigkeitsverlust zusammenhängen.
- Eine Anpassung der Medikation gehört mit behandelnden Ärzten oder der Apotheke abgeklärt.
- Warnzeichen wie Verwirrtheit, heiße trockene Haut, wenig oder dunkel gefärbter Urin, Muskelkrämpfe, Schwindel oder Herzrasen sollten ernst genommen werden.
- Beim Bereitschaftsdienst oder in der Notaufnahme ist die aktuelle Medikation wichtig, ebenso der Hinweis auf Hitze und möglichen Flüssigkeitsverlust.
Für den Alltag gilt damit vor allem: Bei Psychopharmaka kann Hitze Nebenwirkungen verstärken, entscheidend sind genug Flüssigkeit, wenig Hitzestress und medizinische Rücksprache statt eigener Änderungen an der Therapie. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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