Protest in Baden-Württemberg: Hausärzte sperren Wartezimmerplätze
- Protest der Hausärzte gegen Gesundheitsreform im Südwesten. (Symbolbilld)
- Foto: Stephan Jansen/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Stuttgart. In vielen Hausarztpraxen könnten Patientinnen und Patienten in den kommenden Tagen weniger Sitzplätze im Wartezimmer vorfinden. Hintergrund ist eine Protestaktion des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Baden-Württemberg gegen geplante Einsparungen im Gesundheitssystem.
Der Verband ruft seine Mitglieder dazu auf, ab Montag, 8. Juni jeden zweiten Platz im Wartezimmer zu sperren. Damit solle sichtbar werden, dass die hausärztliche Versorgung nach Ansicht der Ärzte durch neue Sparpläne der Bundesregierung unter Druck gerät. Die Aktion im Südwesten ist Teil einer bundesweiten Kampagne.
Nach Angaben der Co-Landesvorsitzenden Susanne Bublitz sollen Patientinnen und Patienten so auf die Situation aufmerksam gemacht werden. Der Verband vertritt rund 4.600 Hausärztinnen und Hausärzte in Baden-Württemberg.
Kritik an geplanten Kürzungen bei Hausarztversorgung
Besonders kritisch sehen die Hausärzte eine geplante Regelung im Gesetzentwurf zur sogenannten Fixkostendegression in der Hausarztzentrierten Versorgung. Praxen, die zusätzliche Patientinnen und Patienten in dieses Versorgungsmodell aufnehmen, könnten künftig finanzielle Abschläge erhalten. Nach Ansicht des Verbandes würde damit ausgerechnet die koordinierte Versorgung bestraft.
Die Ärzte warnen, dass sich die Versorgung der Patienten dadurch verschlechtern könnte. Viele Praxen arbeiteten bereits jetzt an der Belastungsgrenze.
Sparpaket soll Krankenkassen Milliarden entlasten
Die Bundesregierung plant ein umfangreiches Sparpaket im Gesundheitswesen. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums sollen die gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2027 um rund 16,3 Milliarden Euro entlastet werden. Damit soll ein erwartetes Defizit ausgeglichen werden und steigende Zusatzbeiträge sollen möglichst verhindert werden.
Vorgesehen sind unter anderem Ausgabenbremsen für Arztpraxen, Krankenhäuser und die Pharmabranche. Diskutiert werden auch höhere Zuzahlungen bei Medikamenten sowie Einschränkungen bei der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern.
Der Hausärzteverband kritisiert außerdem, dass zusätzliche Vergütungen etwa für Beratungen zur Organspende gestrichen werden könnten. Auch eine erst kürzlich abgeschaffte Obergrenze für Hausarzt-Honorare soll teilweise wieder eingeführt werden.
Begleitend zur Protestaktion plant der Verband eine E Mail Kampagne. Patientinnen und Patienten sollen sich dabei direkt an ihre Bundestagsabgeordneten wenden und auf die Situation in den Praxen aufmerksam machen. Informationsmaterial und Plakate sollen an rund 50.000 Hausarztpraxen in Deutschland verschickt werden. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |