Mehr schwere verletzte Biker in Rheinland-Pfalz: Arzt erklärt Risiko

Von einer Schuldzuweisung an Motorradfahrern hält Unfallchirurg Grützner wenig. (Archivbild) | Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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Rheinland-Pfalz. Mit steigenden Temperaturen häufen sich schwere Motorradverletzungen. Unfallchirurgen in Rheinland-Pfalz beobachten an warmen Wochenenden regelmäßig volle Operationssäle.

Nach Erfahrung des Unfallchirurgen Paul Grützner von der BG Klinik Ludwigshafen werden besonders an sonnigen Wochenenden viele verletzte Biker eingeliefert. „Sie können wetten, dass wir an Wochenenden mit schönem Wetter bildlich gesprochen Tag und Nacht durch operieren“, sagte der Ärztliche Direktor der Deutschen Presse Agentur.

Die Gesamtzahl der Motorradunfälle steigt nach seiner Einschätzung zwar nicht stark. Trotzdem bleibt die Zahl der Verletzten seit Jahren hoch. Während bei Autounfällen immer weniger Menschen verletzt werden, verändert sich die Lage bei Motorrädern kaum. „Über den ganzen Sommer bis in den Herbst sehen wir praktisch fast täglich Motorradunfälle in der Klinik“, erklärte der Mediziner.

Zwischen Asphalt und Intensivstation

Die Unfallzahlen unterstreichen die Gefahr. Auf den Straßen in Rheinland-Pfalz starben im Jahr 2025 insgesamt 158 Menschen bei Verkehrsunfällen. Das waren 28 mehr als im Jahr zuvor. Motorradfahrer waren an 2864 Unfällen beteiligt. 39 Menschen kamen dabei ums Leben. Vier mehr als im Jahr davor.

Eine pauschale Schuldzuweisung an Biker lehnt Grützner ab. „Die werden oft übersehen.“ Motorräder seien wegen ihrer schmalen Silhouette schwerer wahrzunehmen. Auch die Geschwindigkeit werde von anderen Verkehrsteilnehmern häufig falsch eingeschätzt.

Schutzkleidung kann schwere Verletzungen verhindern

Nach Beobachtung des Unfallchirurgen macht die Schutzkleidung einen enormen Unterschied. Besonders kritisch seien Fahrten ohne vollständige Ausrüstung. Als Beispiel nennt er einen Motorradfahrer mit Schutzjacke, aber Jogginghose. Beim Rutschen über den Asphalt sei der Stoff sofort zerstört worden.

Die Folge seien schwere Reibungsverletzungen ähnlich wie Verbrennungen. „Am Oberkörper nix. Aber dort, wo die Schutzkleidung nicht vorhanden war, schwere Verletzungen.“

Typische Verletzungen bei Motorradunfällen sind laut Klinik unter anderem

  • Beckenverletzungen
  • schwere Beinverletzungen
  • Kopfverletzungen trotz Helm

Der Grund liegt auch in der Sitzposition. Motorradfahrer sitzen mit gespreizten Beinen. Bei einem Aufprall könne das Becken regelrecht gesprengt werden.

Zwei Risikogruppen auf den Straßen

Besonders häufig betroffen sind laut Grützner junge Männer. „Männlich bis 30 Jahre kann man über den dicken Daumen immer noch sagen.“ Gleichzeitig sieht der Arzt eine zweite Risikogruppe. Viele Wiedereinsteiger zwischen 50 und 60 Jahren erfüllen sich später im Leben erneut den Wunsch nach einem Motorrad.

Problematisch wird es, wenn starke Maschinen auf fehlende Routine treffen. Erfahrung spiele eine große Rolle. Geübte Fahrer gingen oft davon aus, im Verkehr übersehen zu werden. Jüngere Fahrer vertrauten dagegen häufiger auf ihr Vorfahrtsrecht.

Besonders bedrückend seien die schwersten Fälle. Derzeit liegen nach Angaben des Arztes zwei junge Motorradfahrer auf der Intensivstation und kommen als Organspender infrage. „Das ist schon dramatisch, wenn Sie da die Familien sehen.“

Wenn Menschen mit kurzen Hosen oder Flip Flops Motorrad fahren, werde ihm „echt übel“, sagte der Unfallchirurg. Konsequente Schutzkleidung könne im Ernstfall entscheidend sein. dpa/red

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Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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