Kein Interesse an romantischer Liebe? So erkennst du Aromantik
- Kein Interesse an romantischer Liebe? Aromantisch zu sein ist keine Störung. Psychologen erklären, woran man diese Orientierung erkennt und was sie bedeutet.
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Aromantik erkennen. Kein Interesse an romantischer Liebe? Aromantisch zu sein ist keine Störung. Psychologen erklären, woran man diese Orientierung erkennt und was sie bedeutet.
Wer keine Sehnsucht nach romantischer Liebe spürt, muss darin nicht automatisch ein Problem sehen. Laut Psychologie kann genau dieser fehlende Leidensdruck ein wichtiger Hinweis darauf sein, dass jemand aromantisch ist und romantische Beziehungen schlicht nicht braucht.
Viele Menschen wünschen sich eine enge romantische Bindung. Die Vorstellung, gemeinsam aufzuwachen oder Hand in Hand durch den Sonnenuntergang zu gehen, gehört für sie zu einer erfüllten Partnerschaft. Andere empfinden dieses Bedürfnis jedoch kaum oder gar nicht.
Ein möglicher Grund ist eine aromantische Orientierung. Menschen mit dieser Identität verspüren kein Interesse an romantischen Beziehungen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass etwas fehlt.
Der entscheidende Unterschied ist der persönliche Leidensdruck
Der Psychologe Robert Coordes beschreibt den wichtigsten Unterschied so: «Die einen haben einen Leidensdruck und die anderen eben nicht.»
Wer aromantisch ist, vermisst romantische Beziehungen in der Regel nicht. Es besteht kein innerer Druck, sich zu verlieben oder eine romantische Partnerschaft einzugehen. Coordes erklärt das mit einem einfachen Vergleich: «Wenn Sie keinen Schokopudding mögen, kein Interesse an Schokopudding haben, dann haben Sie ja auch kein Problem.»
Anders kann es aussehen, wenn romantische Beziehungen zwar gewünscht werden, aber aus Angst oder Unsicherheit vermieden werden. In solchen Fällen berichten Betroffene häufig von innerem Konflikt oder Unzufriedenheit.
Frühere Erfahrungen können Bindungen beeinflussen
Wenn romantische Nähe eigentlich gewünscht ist, aber gleichzeitig Angst auslöst, kann laut Coordes eine sogenannte Beziehungsstörung dahinterstehen. Der Gedanke an eine Beziehung löst dann etwa Sorgen, Unsicherheit oder Stress aus.
Als mögliche Ursachen nennt der Psychologe negative Erfahrungen in der Vergangenheit. «Vielleicht habe ich in der Kindheit eine bestimmte Art der Bindung als bedrohlich erlebt, die Erfahrung gemacht, dass ich meine Autonomie verliere, emotional einverleibt werde, etwa von einem Elternteil.»
Ein Blick auf die eigene Lebensgeschichte kann deshalb helfen. Entscheidend ist die Frage, ob romantische Gefühle früher vorhanden waren oder ob das fehlende Interesse schon immer bestand.
Das Label kann Orientierung und Entlastung geben
Wer feststellt, dass romantische Sehnsucht nie eine Rolle gespielt hat, kann im Begriff «aromantisch» eine passende Beschreibung finden. In einer Gesellschaft, in der romantische Liebe in Filmen, Serien und Büchern sehr präsent ist, kann das Verständnis der eigenen Orientierung entlastend wirken.
Coordes nennt einen möglichen Hinweis: «Ist das für mich etwas Gutes, wenn ich das Label habe? Fühle ich mich dann leichter und entspannter?»
Empfinden Menschen diese Erleichterung, kann das Label helfen, die eigene Situation besser einzuordnen und Austausch mit anderen zu finden. Online gibt es zahlreiche Communitys, in denen Erfahrungen geteilt werden.
Wichtig ist auch die Abgrenzung zur Asexualität. Aromantische Menschen können durchaus sexuelles Interesse haben. Die offene Kommunikation der eigenen Orientierung kann helfen, Erwartungen in Beziehungen klarer zu machen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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