Jeden Morgen Tränen beim Kindergarten? Was wirklich helfen kann

Ein kleiner Rucksack, viele neue Eindrücke: Der Kindergartenstart ist für Kinder ein großer Entwicklungsschritt. Dass dabei Tränen fließen können, ist normal - bei Eltern und auch bei Kindern.  | Foto: Verena Leininger / mit KI erstellt
  • Ein kleiner Rucksack, viele neue Eindrücke: Der Kindergartenstart ist für Kinder ein großer Entwicklungsschritt. Dass dabei Tränen fließen können, ist normal - bei Eltern und auch bei Kindern.
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Schon auf dem Weg zum Kindergarten hat man ein mulmiges Gefühl, weil man weiß: Es wird heute wieder Tränen geben. Vor dem Eingang ist es so weit, das Kind klammert sich ans Bein und die Eltern gehen mit schlechtem Gewissen zur Arbeit. Was kann hier helfen?

Warum viele Kinder beim Abschied weinen

Gerade wenn Kinder neu im Kindergarten ankommen, kann es völlig normal sein, dass Tränen fließen. Die Trennung von den vertrauten Bezugspersonen in Kombination mit einer neuen Umgebung kann unsicher machen. Müdigkeit und Reizüberflutung fördern die emotionale Reaktion vieler Kinder zusätzlich. 

Das hören Erzieherinnen und Erzieher oft von Eltern

„Mein Kind weint bestimmt den ganzen Vormittag.“
„Bin ich zu früh arbeiten gegangen?“
„Mache ich etwas falsch?“

In vielen Fällen beruhigen sich Kinder schon kurze Zeit nach dem Abschied und finden ins Spiel.

Viele Kinder weinen beim Abschied – und spielen kurze Zeit später

Wenn Kinder jeden Tag beim Abschied im Kindergarten weinen, haben Eltern vielleicht das Gefühl etwas falsch zu machen und ihren Kindern zu viel zuzumuten. Was ist, wenn mein Kind jetzt den ganzen Vormittag weint? Wie soll ich so in Ruhe arbeiten? Dabei bestätigen die Erzieherinnen und Erzieher häufig, dass sich die Kinder nach wenigen Minuten beruhigen und fröhlich ins Spiel finden. Warum ist das so? Kinder leben im Hier und Jetzt und regulieren ihre Gefühle oft schnell, wenn sie durch Spielsachen, ihre Kindergartenfreunde und vertrauten Bezugspersonen im Kindergarten aufgefangen werden.

Tipp: Die Eltern sehen nur den emotionalsten Moment bei der Trennung und verpassen das Beruhigen. Es ist völlig in Ordnung, die ersten Tage nach der Trennung kurz im Kindergarten anzurufen und zu hören, ob das Kind sich beruhigt hat. So kann man mit freiem Kopf und gutem Bauchgefühl in den Arbeitstag starten. 

Was Kindern beim Abschied im Kindergarten wirklich hilft

Eine kurze, herzliche Verabschiedung als klares Signal kann Kindern beim Übergang in den Kindergarten helfen. Die Betreuungspersonen im Kindergarten übernehmen danach das Trösten, falls es nötig ist. Auch eine klare Routine beim Bringen fühlt sich für Kinder schnell vertraut an und das gibt Sicherheit. Vielleicht gibt es einen Gute-Laune-Song, den man jeden Morgen hören, mitsingen und mittanzen kann? Das kann die Anspannung etwas lösen. Anderen Kindern hilft ein Ausblick auf den Nachmittag ("Wenn ich dich abhole, dann kaufen wir uns eine leckere Melone und machen ein Picknick" oder "Lass uns heute nach dem Kindergarten doch endlich mal wieder in Ruhe Wasserfarben malen"). Das kann helfen, den Fokus stärker auf die Vorfreude als auf den Trennungsschmerz zu lenken. 

Außerdem kann ein vertrauter Gegenstand von Zuhause, wie ein kleines Kuscheltier, eine Verbindung zum Kindergarten schaffen. Und auch eine Brotdose mit vertrautem Essen, das dem Kind schmeckt, schafft diese Verbindung. 

Was Eltern oft unbewusst schwieriger machen

Der Abschied fällt häufig nicht nur den Kindern, sondern auch den Eltern schwer. Der Start in den Kindergarten ist ein völlig neuer Lebensabschnitt für alle und es ist normal, dass dabei viele Gefühle hochkommen. Was Kindern in dieser Situation besonders hilft, ist die Zuversicht und das Vertrauen der Eltern in die neue Umgebung. Eigene Ängste und Unsicherheiten lassen sich oft schon durch offene Gespräche mit den Erzieherinnen und Erziehern klären.

Ein sehr langer Abschied oder das mehrfache Zurückkommen zum Kind kann die Trennung dagegen noch schwerer machen. Viele Kinder hoffen immer wieder, dass Mama oder Papa doch noch bleiben. Deshalb hilft meist eine kurze, liebevolle Verabschiedung mit einem festen Ritual mehr als ein langer Abschied voller Unsicherheit. Auch heimliches Rausschleichen gibt Kindern keine Sicherheit, sondern kann Vertrauen erschweren. Und auch wenn es schwerfällt: Kinder spüren sehr genau, wie sicher oder unsicher ihre Eltern sich fühlen. Das bedeutet nicht, dass Eltern ihre Gefühle verstecken müssen. Aber eine positive und ruhige Haltung vermittelt Kindern das Gefühl: „Ich bin hier sicher und Mama oder Papa vertrauen den Menschen hier.“ 

Wenn Kinder plötzlich Rückschritte machen

Die Entwicklung von Kindern verläuft nicht in einer Linie, sondern in Wellen. Deshalb kann es sein, dass Kinder nach einer guten Woche plötzlich doch wieder bei der Trennung weinen oder Zuhause unausgeglichen sind, viel weinen oder schlecht träumen. Das ist völlig normal und kein echter Rückschritt, sondern ein wichtiger Teil der Entwicklung. Zeit und Geduld helfen den Kindern, auch wenn das manchmal schwerfällt. 

Wann Eltern genauer hinschauen sollten

Es gibt natürlich auch den Fall, dass Kinder nicht richtig im Kindergarten ankommen. Das kann ganz verschiedene Gründe haben, vielleicht hat sich in der Lebenssituation parallel zum Kindergartenstart etwas verändert? (Umzug, Geschwisterkind kam auf die Welt, Trennung)

Warnsignale können sein, dass Kinder dauerhaft kaum essen, häufig körperliche Beschwerden entwickeln oder starke Angstreaktionen zeigen. Wenn ein Kind über längere Zeit extrem belastet wirkt, dann sollten Eltern aufmerksam werden und das Gespräch mit dem Kindergarten und gegebenenfalls auch mit dem Kinderarzt suchen. 

Das hilft vielen Kindern beim Abschied

  • Feste Abschiedsrituale
  • Kurze und herzliche Verabschiedung
  • Klare Abholzeiten nennen
  • Kuscheltier oder vertrautes Objekt von Zuhause
  • Vertrauen ins Fachpersonal

Mit der Zeit entsteht Routine

Der Start in den Kindergarten ist ein sehr besonderer Meilenstein für die ganze Familie. Auch Eltern müssen sich erst an den Kindergarten gewöhnen, es ist ein erster großer Schritt in die Selbstständigkeit der Kinder. Daher ist es völlig normal, dass alle am Anfang traurig sein können. Gleichzeitig entwickeln sich Schritt für Schritt völlig neue Routinen in der Familie. Irgendwann erzählen Kinder stolz von neuen Freundschaften, Liedern und Erlebnissen aus dem Kindergartenalltag und alle sind in der neuen, spannenden Lebensphase angekommen.

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Autor:

Verena Leininger aus Ludwigshafen

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