Feinstaub in Karlsruhe: So hoch ist das Risiko im Alltag
- Beim Radfahren atmet man mehr Luft ein als beim Gehen.
- Foto: Bernd Weißbrod/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Karlsruhe. Feinstaub gehört im Alltag zur Atemluft dazu und kann die Gesundheit belasten. In Karlsruhe haben Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie untersucht, wie viel davon Menschen in Städten zu Fuß oder auf dem Rad tatsächlich aufnehmen.
Die Belastung in Deutschland sinkt seit Jahren. Nach Angaben des Umweltbundesamts wird Feinstaub aber weiterhin als Gesundheitsrisiko eingestuft, weil selbst niedrige Konzentrationen schaden können. Besonders kleine Partikel dringen tief in die Lunge ein und können dort Entzündungen auslösen.
Was Feinstaub so problematisch macht
Feinstaub ist ein Sammelbegriff für winzige Partikel in der Luft. Sie entstehen etwa bei Verbrennungsprozessen in Fahrzeugen, Kraftwerken oder beim Heizen. Auch natürliche Quellen wie Vulkane spielen eine Rolle. Sichtbar ist Feinstaub meist nicht. Nur bei bestimmten Wetterlagen kann er als Dunstglocke auffallen.
Für die Bewertung sind vor allem die Größenklassen PM10 und PM2,5 wichtig. Je kleiner die Partikel sind, desto tiefer gelangen sie in die Atemwege. Nach Angaben des Umweltbundesamts können sie unter anderem Asthma, Bronchitis, Lungenkrebs, Bluthochdruck sowie Erkrankungen des Herz Kreislauf Systems begünstigen. Auch Diabetes und Demenz werden in dem Zusammenhang genannt.
Welche Grenzwerte in Deutschland gelten
Für Deutschland gelten europäische Grenzwerte. Beim PM10 darf der Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter an höchstens 35 Tagen im Jahr überschritten werden. Für PM2,5 liegt der Grenzwert bei 25 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel. Deutschland hält diese Vorgaben nach Angaben des Bundesumweltministeriums ein.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt allerdings deutlich strengere Werte. Nach Einschätzung des KIT werden diese in Deutschland nicht eingehalten.
Was das KIT im Alltag gemessen hat
Das Forschungsteam entwickelte einen App Prototypen, der unterwegs alle zehn Sekunden Standort und örtliche Feinstaubkonzentration erfasste. Verrechnet wurden diese Daten mit Geschwindigkeit und durchschnittlichem Atemvolumen. So ließ sich abschätzen, wie viel Feinstaub eine Person auf einem Weg tatsächlich einatmet.
Wo die Belastung eher hoch und eher niedrig ist
Nach Einschätzung des KIT entsteht ein großer Teil der Feinstaubbelastung durch das Heizen von Gebäuden. Im Straßenverkehr können die Werte zusätzlich stark schwanken. Vor allem in Innenstädten, in Häuserschluchten und im Berufsverkehr kann die Belastung kurzfristig höher sein.
In ländlicheren Regionen fallen die Werte in der Regel niedriger aus. Mit simulierten Daten von Leihrädern kamen die Forschenden zu dem Ergebnis, dass selbst kurze Fahrten in einer Metropole wie München zu einer höheren Aufnahme führen können als doppelt so lange Fahrten im kleineren Rastatt.
Zu Fuß oder mit dem Rad – was ist günstiger
Bei Bewegung wird mehr Luft eingeatmet. Das erhöht grundsätzlich auch die aufgenommene Feinstaubmenge. Gleichzeitig ist die unterwegs verbrachte Zeit entscheidend.
Für eine innerstädtische Strecke von zwei Kilometern bei einer mittleren Feinstaubbelastung von zehn Mikrogramm pro Kubikmeter rechnete das KIT ein Beispiel durch.
- Zu Fuß bei 4 Kilometern pro Stunde dauert der Weg rund 30 Minuten. Bei einem Atemvolumen von 25 Litern pro Minute ergeben sich 7,5 Mikrogramm Feinstaub.
- Mit dem Rad bei 15 Kilometern pro Stunde dauert der Weg rund 8 Minuten. Trotz höherem Atemvolumen von 35 Litern pro Minute ergeben sich 2,8 Mikrogramm Feinstaub.
Das Beispiel zeigt, dass kürzere Fahrzeiten die eingeatmete Menge senken können. Wie viel Luft tatsächlich eingeatmet wird, hängt laut Forschungsteam aber auch von Gewicht, Geschlecht und Fitness ab.
Welche Rolle das Wetter spielt
Nach den Beobachtungen des KIT ist die Feinstaubbelastung bei Temperaturen zwischen minus 5 und plus 10 Grad deutlich erhöht. Als Grund gilt unter anderem verstärktes Heizen. Anhaltender Regen kann die Belastung dagegen deutlich senken.
Zusätzlich kann Feinstaub nach Angaben des Umweltbundesamts auch aus der Sahara oder von Waldbränden nach Deutschland transportiert werden. Winterliche Inversionswetterlagen können zudem dazu führen, dass sich Partikel in bodennahen Luftschichten anreichern.
Wo aktuelle Werte abrufbar sind
Die Feinstaubkonzentration wird laut Umweltbundesamt an rund 450 Messstationen in Deutschland erfasst. Aktuelle Daten bieten die zuständigen Landesbehörden und die UBA App „Luftqualität“ mit Tageswerten und Warnmeldungen.
Was der Körper mit Feinstaub macht
Feinstaub kann nur teilweise wieder abgehustet werden. Gerade die kleinsten Partikel dringen tief in die Lunge ein und verbleiben dort länger. Der Körper kann sie nach Angaben des KIT zumindest zu einem Teil abbauen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |