Ebola-Verdacht in Frankfurt: So helfen Experten im Ernstfall

 Christian Kleine und Regina Ellwanger Berry kennen sich beim Umgang mit hochansteckenden Krankheiten gut aus.  | Foto: Hannes P. Albert/dpa
  • Christian Kleine und Regina Ellwanger Berry kennen sich beim Umgang mit hochansteckenden Krankheiten gut aus.
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Frankfurt. Bei Verdachtsfällen auf Ebola, Hantavirus oder Marburgvirus gibt es im Südwesten feste Spezialteams, die Behörden und Kliniken schnell unterstützen. In Frankfurt koordiniert ein Kompetenzzentrum diese Einsätze für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland.

Zum Verbund gehören das Gesundheitsamt Frankfurt, die Branddirektion Frankfurt, die Universitätsmedizin Frankfurt und das Marburger S4-Labor. Nach Angaben des Leiters des Gesundheitsamts Frankfurt, Peter Tinnemann, sind die Fachleute rund um die Uhr erreichbar. Sie beraten Gesundheitsämter, schulen Personal und bringen intensivmedizinische Erfahrung ein.

Hilfe für Gesundheitsämter bei seltenen Erregern

Zuständig bleibt nach dem Infektionsschutzgesetz immer das örtliche Gesundheitsamt. Gerade bei hochgefährlichen und seltenen Erregern fehlt dort aber oft die Routine. Genau an dieser Stelle setzt das Frankfurter Kompetenzzentrum an.

Die Arbeit läuft häufig ohne großen öffentlichen Auftritt ab. Ein großer Teil besteht aus telefonischer Beratung. Schon erste Angaben zum Aufenthaltsort eines Patienten können entscheidend sein, um einen Verdacht einzuordnen oder früh Entwarnung zu geben.

Einsatz bei Hantavirus-Fall nach Kreuzfahrt

Ein größerer jüngerer Einsatz führte das Team in die niederländische Stadt Eindhoven. Dort wurden deutsche Kontaktpersonen eines Hantavirus-Falls nach einer in Argentinien gestarteten Kreuzfahrt übernommen und nach Deutschland gebracht. Nach dpa-Informationen handelte es sich um den südamerikanischen Andes-Typ, das einzige Hantavirus, das vereinzelt auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

Dem Einsatz gingen mehrere Tage mit Videokonferenzen und Abstimmungen voraus. Fachleute fuhren in die Niederlande, um die Kontaktpersonen am Flughafen zu übernehmen. Mit dabei waren auch ein Arzt der Frankfurter Sonderisolierstation und ein Kollege der psychosozialen Notfallversorgung.

Vor Ort musste rasch geklärt werden, ob betroffene Passagiere Symptome zeigen und welche Schutzmaßnahmen beim Transport nötig sind. Denn auch während der Fahrt kann sich der Zustand von Kontaktpersonen verändern.

Bei Ebola-Verdacht zählt zuerst die richtige Einordnung

Der aktuelle Ebola-Ausbruch in Zentralafrika beschäftigt die Experten ebenfalls. Nach Einschätzung des Arztes Christian Kleine löst schon der Name Ebola bei vielen Menschen große Angst aus. Das könne dazu führen, dass Patienten mit Verdacht nicht mehr normal versorgt werden.

Aus fachlicher Sicht ist in solchen Situationen eine nüchterne Prüfung wichtig. Bei einem Ebola-Verdacht müsse oft zuerst ausgeschlossen werden, ob nicht eine Malaria vorliegt. Diese Erkrankung komme deutlich häufiger vor und müsse ohne Verzögerung behandelt werden.

Worauf es im Ernstfall ankommt

  • Schnelle Einschätzung des Reise- und Aufenthaltsorts
  • Prüfung von Symptomen und Kontakten
  • Entscheidung über Schutzstufe und Schutzkleidung
  • Sichere Organisation von Transport und Überwachung

Besonders heikel sind Fälle, in denen eine betroffene Person bereits gestorben ist. Dann können Ärzte keine Anamnese mehr erheben. Umso wichtiger wird die Spurensuche zu möglichen Aufenthalten oder Kontakten im Ausland. Im Zweifel muss dann eine Blutprobe entnommen werden.

Selten, aber mit großen Folgen

Die Fachleute sprechen bei solchen Krankheiten von HCID, also besonders folgenreichen Infektionserkrankungen. Gemeint sind hochpathogene Erreger mit hoher Sterblichkeit, fehlenden oder begrenzten Behandlungsmöglichkeiten und möglicher Übertragung von Mensch zu Mensch.

Viele dieser Erreger sind Zoonosen, werden also vom Tier auf den Menschen übertragen. Das Risiko solcher Übersprünge nimmt nach Einschätzung der Experten zu, weil Menschen immer stärker in Lebensräume von Tieren vordringen.

Für die Einsatzkräfte ist vor allem entscheidend, den Übertragungsweg eines Erregers zu kennen. Davon hängen Schutzkleidung, Abläufe und Transportregeln ab. Angst helfe dabei nicht weiter, sagen die Frankfurter Experten. Entscheidend seien Respekt vor dem Erreger, klare Standards und gute Vorbereitung. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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